Speyer
Patricks Woche: Kampf um Busse, Kampf um Spritzen
Ehrlichkeit der Woche: Busfahren ist schwer
Danke, SPD! Die Ratsfraktion erhält den Preis für die Ehrlichkeit der Woche. Sie hat in ihrer Anfrage zum Verkehrsausschuss in dieser Woche offen bekannt, dass ihr für die angesetzten Beratungen über den neuen Nahverkehrsplan „zahlreiche Daten und Fakten fehlen, auf denen wir die Entscheidung treffen können“. Die Erkenntnis kommt spät, weil über das Thema seit Monaten beraten wird, aber sie kommt immerhin. Sie zeigt, dass das Beratungsthema megakomplex ist und nicht so oberflächlich wie viele andere politische Fragen – leider teilweise auch der jährliche Haushaltsplan – behandelt werden kann.
Richtig ist: Die Stadt gibt richtig Gas bei der Politik- und Bürgerbeteiligung zum Bussystem ab Ende 2023. Die Vorbereitungen wurden in mehreren Sitzungen erläutert. Die Bürgerbeteiligung schließt sich jetzt unter anderem mit Ortsterminen an. Bei einer Internetumfrage haben bisher nicht so viele mitgemacht wie erhofft. Damit ist das große Aber schon angedeutet: Es kann noch so sehr der Eindruck erweckt werden, dass alle mitreden dürfen – am Ende muss man doch weitgehend auf den Expertenrat vertrauen, weil ein Bussystem kein großes Wünsch-dir-was ist, sondern ein kompliziertes Zusammenspiel von Linien, Taktungen, Nutzerverhalten, Kosten- und Rechtsfragen.
Dass die Politiker, die letztlich entscheiden müssen, keine Experten in diesen Fragen sind, hat jetzt die SPD eingestanden. Andere haben es indirekt gezeigt: Die CDU träumte sich in einer Stellungnahme endlich wieder den City-Tarif für die frühere Shuttle-Linie herbei – dabei war der nie weg. Die Grünen hatten kürzlich auch mal generell nachfragen müssen, wie gut die einzelnen Linien durch Speyer eigentlich genutzt seien. Grundproblem eins: Im Stadtrat sitzen viele Autoverkehr- und Fahrradexperten, in die Stadtbusse steigen allerdings die wenigsten ein. Grundproblem zwei: Bürgerbeteiligung kann scheitern, wenn die Themen zu komplex sind.
Zitat der Woche: Impfen ist Kämpfen
Das Speyerer Zitat der Woche kommt von einem Neustadter. Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) hat den Satz im RHEINPFALZ-Interview ausgesprochen, als er über die Chancen einer Großimpfaktion in Neustadt räsonierte. Am Vergleich mit Speyer kam er nicht vorbei: Das Engagement von Mediziner Gerald Haupt, der im Mai 1600 Impfungen im Gewerbegebiet ermöglichte und kommende Woche 3000 weitere nachlegen will, war ein Vorbild für Weigels Versuche, so etwas an der Weinstraße auf die Beine zu stellen. Er hatte sich mit Haupt ausgetauscht und interessierte Ärzte gefunden, die aber letztlich abwinkten, weil nicht genügend Impfstoff zu erhalten wäre. Haupt und Speyer hingegen hätten einerseits Glück gehabt. Andererseits habe es sich ausgezahlt, dass Haupt bei der Impfstoff-Beschaffung diverse Risiken nicht scheute. Er sei „drangegangen wie Blücher“, sagte Weigel also – und damit war es in der Welt, das Zitat der Woche.Schauen wir ein bisschen genauer hin: Gemeint war natürlich Gebhard Leberecht von Blücher (1742-1819), legendärer Feldherr der preußischen Armee. Er war schon aus diversen Schlachten als Draufgänger bekannt, bevor ihm 1813 in den Befreiungskriegen gegen die Franzosen ein spektakulärer Sieg gelang. Trotz klarer Unterzahl habe er mit seinen Truppen die gegnerische Armee daran gehindert, den niederschlesischen Fluss Katzbach zu überschreiten und ihr schwere Verluste beigefügt. „Drangehen wie Blücher an der Katzbach“ hat sich seither zur Redewendung entwickelt, die zumindest ein früherer Pädagoge und heutiger Politiker wie Weigel gebraucht. Bliebe die Frage offen, ob es passt, das Sprachbild. Kriegerisch war er sicher nicht, der Einsatz des Speyerer Urologen für möglichst viel Impfstoff – auch wenn Neider an der Legende strickten, andere seien deswegen zu kurz gekommen. Mutig war er aber ganz gewiss – und wichtig im Kampf gegen die Pandemie. Deshalb: Auch im Zusammenhang mit der nächsten Impfaktion am 20. Juni darf er gerne den Blücher geben …
Déjà-vu der Woche: Kreisel bleibt Kreisel
Déjà-vu der Woche: Kaum hatte die Stadtverwaltung über die anstehende Straßensanierung im Bereich des „Museumskreisels“ berichtet und die RHEINPFALZ dieses Wort übernommen, erreichte sie mal wieder der Leser-Hinweis, das sei ja gar kein Kreisel. Der Einwand ist natürlich insofern richtig, als an jeder einzelnen Zufahrt des runden Teils vor dem Historischen Museum das blaue „Kreisel“-Schild fehlt. Deshalb hat man im Rondell nicht wie sonst Vorfahrt: Es gilt stattdessen die Rechts-vor-links-Regel. Trotzdem sieht der Kreisel aus wie ein Kreisel – und wenn man ganz „dibbelschisserisch“ ist, ist der Begriff auch gar nicht geschützt, denn in der Straßenverkehrsordnung steht ja „Kreisverkehr“. „Kreisverkehrsplatz“ sagen diejenigen, die es noch genauer nehmen. So viel Zeit muss sein. Also: Lasst den Volksmund wirken – dann gibt’s auch keine Missverständnisse. Der Schützenbuckel, der Brauereibuckel oder das Rauschende Wasser stehen ebenfalls in keiner offiziellen Liste, und doch weiß jeder, wo sie sind.
Witz der Woche: Maske bleibt übrig
„Hochwürden, ich bin aus der CSU ausgetreten.“ So beginnt der schlechte Witz der Woche. Der katholische Pfarrer will den sterbenden Bayern im Krankenhaus für seinen politischen Schritt eben noch trösten, als der nachlegt: „Ich bin bei den Sozis eingetreten.“ Das ist zu viel für den Gottesmann: „Wie kommen Sie denn dazu?“, fragt er fassungslos. „Ja mei“, röchelt der Bayer, „ich habe mir gedacht, lieber einer von denen stirbt, als einer von uns.“ Nicht witzig? Müsste man mal Markus Söder fragen. Der bayerische Ministerpräsident und Fast-Kanzlerkandidat aus dem christsozialen Lager würde das vielleicht anders sehen. In Speyer zu sehen war dessen Corona-Maske mit den weiß-blauen Rauten, die Söder für die „Medicus“-Ausstellung im Historischen Museum zur Verfügung gestellt hatte. Die zweimal von Corona-Lockdowns unterbrochene Schau endet jetzt am Sonntag. Was danach mit Söders alter Maske passiert? Das Museum könnte sie ihm ja zurückschicken. Spätestens dann würde klar, ob Söder Spaß versteht …