Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Dabei sein ist alles

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Wahlkampf: Sie setzen auf Sieg

Am Wochenende geht in Tokio das Rennen um Gold, Silber und Bronze auf die Zielgerade. Dabei sein ist alles, heißt es. Aber letztlich bedeutet Sport immer auch Konkurrenz. Sogar Sofasportler kämpfen manchmal um den besten Sessel. Genau in dieser olympischen Woche ist auch im Wahlkreis Neustadt-Speyer der Bundestagswahlkampf angelaufen. Wahlkampf, Rennen ums Mandat – die sprachlichen Parallelen zum Sport sind kein Zufall. Meinungsforscher bilden Woche für Woche ab, wer im Marathon ums Kanzleramt die Nase vorn hat, und auch die Bewerber vor Ort werden am 26. September anhand nüchterner Zahlen in eine Rangfolge gebracht. Drei Frauen und sieben Männer wollen das Direktmandat in einem Wahlkreis, der von Iggelbach bis Otterstadt und von Mertesheim bis Mechtersheim einen großen Teil der Vorderpfalz umfasst. Und so könnte man sagen, dass auch ihr olympischer Wahlkampf verschiedene Disziplinen umfasst: Wer liegt vorn bei der Volksnähe, wer beim Programm, wer bei den Werbemitteln? Wer ist fix bei der Sache und beachtet dennoch die Spielregeln, die in der Stadt Speyer maximal 100 Plakate, gehängt frühestens zwei Monate vor Wahlbeginn, zulassen? Das Kampfgericht hat getagt und festgestellt: Diesmal hat im Kernstadt-Bereich SPD-Kandidatin Isabel Mackensen-Geis das Rennen gemacht, deren Plakate unter anderem in der Bahnhofstraße als erste um Aufmerksamkeit buhlten.

Pandemie: Sie überholen nicht

Vielleicht kann Konkurrent Johannes Steiniger von der CDU, Wahlkreis-Gewinner 2017 – ein ehemaliger Fußballer übrigens – in anderen Disziplinen punkten und Mackensen-Geis noch überholen? Das ist ebenso offen wie die Antwort auf die Frage, was beim Wähler überhaupt den Ausschlag gibt. Das mit dem Überholen passt aber wiederum zu Olympia – und leider auch zu Corona, dem anderen großen Thema dieser Tage. Momentan geht’s um die Impfung, die helfen soll, die Pandemie zu beenden. Auch in Speyer gibt’s jetzt Angebote, um sich ohne Termin impfen zu lassen. Auch Zwölfjährige sind willkommen. Längst werden Ranglisten nicht mehr nur zu Sieben-Tage-Inzidenzen, sondern auch zu Impfquoten erstellt. In der einen Kategorie liegt eine Kommune lieber hinten, in der anderen vorn. Aussuchen kann man sich’s oft nicht. Speyer ist beim Impfen spitze, war es aber im Vorjahr leider auch bei der phasenweise galoppierenden Inzidenz schon. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) wollte ihre Erleichterung darüber, dass ihre Stadt nun seit Wochen unter dem Landesmittel liegt, deshalb in dieser Woche nicht zu offen zur Schau stellen. Sie sah schon die – leichte – Steigerung bei den Infektionen und warnte vor einem Überholen: „In Speyer sind wir ja bekannt dafür, dass wir das Feld gerne mal von hinten aufrollen.“

Bahnhof: Sie planen Großes

In Speyer sind wir aber auch bekannt dafür, dass wir gerne mal große Worte machen. Der Stadtrat zum Beispiel versteht sich neben Sach- seit jeher auch auf Symbolpolitik. Er ist um keine Initiative und Resolution verlegen. Auch deshalb gehört es sich, dass die Stadt ihre lobenswerten Initiativen zur Verbesserung des Bahnhofsumfelds nicht einfach umsetzt, sondern sie zusammen mit der Deutschen Bahn als Kooperationspartner erst einmal öffentlichkeitswirksam ankündigt. Es sei den Partnern gegönnt, wenn es danach wirklich klappt. Bemerkenswert ist dabei, dass es heutzutage kein Vertrag und keine Absichtserklärung sein muss, wenn so etwas vereinbart wird, sondern ein „Letter of Intent“. Den haben dann Stadt und Bahn in dieser Woche unterzeichnet. Klingt englisch, klingt professionell, ist öffentlichkeitswirksam – und nicht rechtsverbindlich. Hat also nur Vorteile, könnte man scherzen. Aber, wie gesagt: Beim Bahnhof hoffen wir das Beste und setzen den „Letter of Intent“ in Zukunft auch ein bisschen häufiger in anderen Lebensbereichen ein. „Bringe öfter den Müll raus“, unterschreibt der Partner mit Begeisterung. „Bewege mich mehr“, kündigt der Sofasportler schriftlich an – und „hole Gold“, wenn er dann endlich bei Olympia ist …

Tauben: Sie sind umstritten

Ja, die Olympischen Spiele! Völkerverbindendes Treffen der Jugend der Welt – zumindest vor Corona und Kommerzialisierung. Einst ruhten sogar die Waffen auf den Schlachtfeldern der Welt, solange die olympische Flamme brannte. Die Taube als Friedenssymbol gehörte daher schon 1896 bei den ersten Spielen der Neuzeit dazu. Dass es 1900 im Wettkampfprogramm eine Disziplin Taubenschießen gab, bei der leider auf echte Tiere geballert und 300 ihr Leben lassen mussten, bis der Sieger feststand, ist ein anderes Thema. Es steht aber auch für das zwiespältige Verhältnis, das viele Menschen zu den Tauben haben. So wirklich gern gesehen ist diese Tierart in den Städten nicht. Am Speyerer Bahnhof, der so schick werden soll, haben Tauben jedenfalls auch schon für Probleme gesorgt. Eine Folge war, dass an den Bahnsteigen großflächig Netze gespannt wurden, um sie zu „vergrämen“. Im „Letter of Intent“ soll es dazu aber kein eigenes Kapitel geben – vielleicht auch, weil die Partner dabei auf keinen gemeinsamen Nenner kamen. „Wir diskutieren mit der Stadt, ob es Bahntauben oder Stadttauben sind“, verkündete jedenfalls der Bahnhofsmanager. Und es war wohl höchstens halb im Scherz gemeint.

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