Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Altlasten aus früheren Jahren

So oder so ähnlich: Polizeikontrolle auf der Salierbrücke.
So oder so ähnlich: Polizeikontrolle auf der Salierbrücke.

Gilgenstraße: Neues Jahr, alte Leier

Altes hinter sich lassen, unbelastet durchstarten ins neue Jahr – geht leider nicht immer. Allein das Beispiel der Corona-Pandemie macht es deutlich. Es gibt aber auch andere Themen, auf die das zutrifft. Nehmen wir die von der Stadt geplante Sperrung der Gilgenstraße für den Durchgangsverkehr. Die empfehlende Beschlussfassung im Bauausschuss war am 1. Dezember, für ein Stadtratsvotum im alten Jahr reichte es schon terminlich nicht mehr. Dennoch wäre es den Befürwortern sicherlich recht, wenn das Vorhaben im neuen Jahr schnell abgehakt werden könnte – also noch eine Mehrheit im Rat und die Durchfahrt-verboten-Schilder aufgestellt. Dazu wird es nicht kommen. Die CDU-Fraktion fragt berechtigterweise kritisch nach, was das alles im Detail bedeutet, und auch in der Geschäftswelt grummelt es. OB Stefanie Seiler (SPD) beweist mal wieder ihr politisches Näschen und verschiebt die Beschlussfassung erst mal: vom 10. Februar auf den 10. März. Offiziell waren die Belastungen der Pandemie die Ursache, aber es dürfte auch die Befürchtung eine Rolle gespielt haben, Schiffbruch zu erleiden. So hatte die CDU zwischenzeitlich nicht nur eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses gefordert, sondern auch genüsslich auf Ungewissheiten für den Verkehr in der Karmeliterstraße hingewiesen. Grüne und SWG, Kooperationspartner der CDU, haben sich übrigens anders positioniert. Ergebnis: ungewiss. Mal sehen, wann die Nase der Stadtchefin wieder juckt …

Salierbrücke: Gute Sicht, tiefer Fall

24. November – es war für das verantwortliche Regierungspräsidium in Karlsruhe von symbolischer Bedeutung, dass das Datum für die Wiedereröffnung der Salierbrücke noch im alten Jahr lag. Damit dauerte die Verzögerung der Sanierung doch nicht so lange, wie zwischenzeitlich befürchtet. Es kam allerdings, wie es kommen musste: Es ist noch nicht alles fertig. Vor allem im Bereich der Radwege stehen zum Beispiel Restarbeiten an. Und dazu kommt die Diskussion über die mit einer breiten Blende versperrten Aussicht von der Brücke auf den Dom. Prognose: Auch die wird noch ein bisschen weitergehen. Zwar gibt es solche Blick-Barrieren inzwischen fast überall, am anderen Ende der Domstadt auch bei der Brücke der B39 über die B9. Aber wenn’s um den Dom geht, ist es eben besonders betrüblich. Dabei gilt natürlich stets: Aussicht nur für Beifahrer erlaubt – wer am Steuer sitzt, darf die Augen nur auf die Straße richten. Und weil auf der Brücke alles gut gesichert ist, hat das rein gar nichts mit dem alten Bergsteiger-Witz zu tun, dass der Bergführer dem abstürzenden Kletterer hinterherruft: „Bitte nach rechts schauen, da ist die Aussicht besser!“

Einkaufsstadt: Alte Liebe, neues Leid

Apropos Salierbrücke. Natürlich können darüber inzwischen wieder alle über den Rhein fahren, die nach Speyer wollen. Es tun aber nicht mehr so viele Kunden wie früher, sagt Peter Bödeker, Schuh- und Modehändler sowie Vorsitzender der Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“. Er hat unter anderem Kfz-Kennzeichen analysiert und eine erste Bilanz für den traditionell kundenstarken Dezember und den schon immer eher problematischen Januar gezogen. Ergebnis: „Sie kommen nur in homöopathischen Dosen zurück.“ Sein für Speyer bitterer Befund: „Manche haben sich in den drei Jahren der Sperrung leider umgewöhnt und fahren jetzt nach Karlsruhe oder Mannheim zum Einkaufen.“ Das ist natürlich ein Alarmzeichen. Alleine eine Brückenfreigabe reicht also nicht aus. Und es zeigt, dass mit einem neuen Jahr eben nicht alle Sorgen „weggebeamt“ sind.

Rauschmittel: Guter Cop, böser Cop

Die RHEINPFALZ berichtet im alten wie im neuen Jahr gerne aus Gerichtssälen, weil dort eben auch das Leben spielt. Immer wieder sagen dort auch Polizeibeamte aus, was meist nicht sonderlich spannend ist, weil sie einfach ihre Protokolle vom damaligen Verhör des Angeklagten wiedergeben. Manchmal geben sie aber auch Anlass zum Schmunzeln, wie in dieser Woche der junge Mann, der ein mutmaßliches Drogendelikt aufklären sollte. Er erläuterte dem Richter ziemlich genau den Unterschied zwischen Haschisch und Marihuana – und schob dann hastig-erklärend hinterher: „Hab’ ich gehört.“ Als wäre es „verdächtig“, sich mit Fachbegriffen aus der Welt der Rauschmittel gut auszukennen. Manchmal sind diese auch einfach für andere Berufe als Drogenhändler wichtig, und so bekenne ich, dass in unseren Redaktionsräumen auch ein Ausdruck hängt, der die Unterschiede genau erklärt. Darauf steht, dass Haschisch das gepresste Harz der Hanfpflanze ist, die wiederum Cannabis heißt, dass als Marihuana die getrockneten Blüten bezeichnet werden und dass sich das alles auch farblich unterscheidet. Auch ich kann nun jeden Verdacht von mir weisen und sage dabei nicht mal die Unwahrheit: Hat der Kollege aufgehängt.

x