Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patrick Barth: Junger Schausteller hat viele Ideen

Im Garten der Dreifaltigkeitskirche, bei seinem noch jungen Weihnachtsmarkt-Angebot: Patrick Barth.
Im Garten der Dreifaltigkeitskirche, bei seinem noch jungen Weihnachtsmarkt-Angebot: Patrick Barth.

Patrick Barth ist in einer Speyerer Schaustellerfamilie groß geworden. Nach dem frühen Tod seines Vaters Andreas im November 2019 hat er – gerade 19 – die Geschäfte übernommen. Aus dem Wirtschaftsgymnasiasten wurde von heute auf morgen ein Firmenchef und einer der größten Beschicker des Speyerer Weihnachtsmarkts.

Gefühlt ist Patrick Barth 24 Stunden auf dem Weihnachtsmarkt anzutreffen. Ganz stimmt das natürlich nicht, aber verfügbar ist er rund um die Uhr an sieben Wochentagen. Gependelt wird zwischen Ständen an der Dreifaltigkeitskirche und der Alten Münze. An beiden Standorten hat er den Betrieb aufgerüstet. Neue Errungenschaften: Sternenhimmel und Pegasus.

Das Mobiltelefon ist Barths ständiger Begleiter. Und es steht kaum still. Nachfragen und Anfragen, Informationen und Probleme. Alles geht durch die Leitung. Aber auch Verabredungen mit Freunden sind für den jungen Schausteller wichtig. Er gönnt sich die Zeit zum Energietanken wie Sport und Urlaub, der irgendwann auch in die Jahresplanung passt.

„Da hab’ ich schon mitgewurstelt“

Barth wirkt zufrieden, wenn er von dem berichtet, was sich in den vergangenen sechs Jahren entwickelt hat. Er lächelt, als er an seine Kindheit denkt. „Ich konnte gerade laufen, da hab’ ich schon mitgewurstelt“, verrät er. Das Leben als Schausteller macht ihm Spaß. Der junge Speyerer macht keinen Hehl daraus, dass für ihn bereits als Bub feststand, die Firma eines Tages zu übernehmen. „Selbst am Esstisch zuhause oder im Urlaub war sie immer Thema“, denkt Barth zurück. Genervt hat ihn das nie. „Im Gegenteil. Darüber zu sprechen, hat Spaß gemacht, weil immer überlegt wurde, was neu gemacht und wie es umgesetzt werden kann“, sagt er. Den strebsamen, ehrgeizigen und kreativen Charakter hat der Junior von seinem Vater geerbt. Und trotzdem war ihm von vornherein Veränderung wichtig. Er habe die Arbeitsstruktur verändern wollen, „da ich gesehen habe, dass es anders nicht so gesund ist“, meint Barth. Er weiß um die Sorge, die seinen Opa Peter Barth dahingehend umtreibt.

Das Credo des Enkels daher: alle Mitarbeiter mitnehmen und deren Selbstständigkeit fördern. Er hat beispielsweise Standleitungen eingeführt. Die müssen selbsttätig ein Auge auf den Bestand und den Schichtplan haben. Das gibt Barth wiederum mehr Freiraum für andere Dinge – auch für sich selbst. Und für den betrieblichen Ausbau, den er vorangetrieben hat.

Viel investiert

„Als ich das Geschäft übernommen habe, hat Corona gerade begonnen. Ich musste schauen, dass alles läuft“, erzählt Barth. Dank des guten Netzwerks seines Vaters bekam er die Zusage für seinen Biergarten am Rheinufer in Germersheim. „Der Kommune habe ich viel zu verdanken“, weiß Barth. Der Biergarten sollte ein Übergang sein, bis der Messebetrieb wieder aufgenommen wurde. Inzwischen läuft beides parallel. „Ich habe gemerkt, dass das Konzept gut funktioniert“, merkt der 25-Jährige an.

Dafür hat er investiert und Bänke, Tische und weiteres Material nochmals gekauft, um beide Standorte bespielen zu können. „No risk, no fun“, erklärt Barth grinsend. Sein Mut wurde belohnt. Sein Team hat sich vergrößert: 40 Festangestellte, ein Pool von 80 Aushilfen, plus eine Bürokraft.

Sieben Tage die Woche gearbeitet

Sein erfolgreicher Weg ist nicht selbstverständlich. Das weiß der Domstädter. „Ich muss ehrlich zugeben: Im ersten Jahr habe ich gedacht, das schaffe ich nicht“, sagt er. Als klar war, dass sein Vater seine Krankheit nicht besiegen wird, wurde gemeinsam geackert. „Ich habe sieben Tage in der Woche Minimum zwölf Stunden gearbeitet, um auf alles bestmöglich vorbereitet zu sein“, erklärt Barth. Die Präzision seines Vaters hat vieles erleichtert: „Von jedem Aufbauplatz waren zentimetergenaue Pläne da.“

Kurz inne hält der Schausteller, wenn er an die Anfangszeit in der Chefposition denkt. Die meisten Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten im Betrieb. Er als Jungspund hatte es da schwer. „Den Respekt musste ich mir anfangs erarbeiten“, macht Barth deutlich. Er hat es geschafft. Aber der Schausteller ist längst nicht am Ende mit seinen Ideen. Seine Augen verraten: Da kommt was. Was genau, will Barth nicht enthüllen. Die Richtung nennt er aber: „Ich möchte das Konzept von Germersheim noch woanders umsetzen.“ Bis dahin bleibt er seiner Linie treu. „Ich wollte die Firma unbedingt übernehmen und bereue die Entscheidung keineswegs“, unterstreicht Barth.

Drei Schausteller-Generationen mit v.l. Andreas, Peter und Patrick Barth.
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Schon als Kind im Weihnachtsmarkt-Einsatz: Patrick Barth.
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