Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Otterstadter Manfred Weiskopf mit 90 Jahren an Tischtennisplatte

Schlägt gerne Jüngeren ein Schnippchen: Manfred Weiskopf.
Schlägt gerne Jüngeren ein Schnippchen: Manfred Weiskopf.

Manfred Weiskopf spielt mit 90 Jahren Tischtennis in einer Mannschaft. Welch ein Leben, was für eine berufliche Laufbahn. Hat er ein Rezept?

Am 22. März dieses Jahres steht Manfred Weiskopf für die dritte Mannschaft des TTV Otterstadt gegen die zweite des ASV Harthausen an der Tischtennisplatte. Er gewinnt eins seiner zwei Einzel beim 9:6-Heimsieg des TTV. Das klingt unspektakulär, ist es aber nicht. Manfred Weiskopf ist 90 Jahre alt.

Weiskopf spielt seit 71 Jahren Tischtennis. Er war 1953 Gründungsmitglied des TTC Niederauerbach, einem Vorort seiner Geburtsstadt Zweibrücken. Mit dem TTC spielte Weiskopf ab 1956 in der 1. Pfalzliga. „Damals hat ja noch keiner ein Auto gehabt“, erinnert er sich: „Wir mussten nach Ludwigshafen oder Maikammer mit dem Zug fahren. Die Spiele waren immer sonntags, und mit Hin- und Rückfahrt war der ganze Sonntag weg.“

Bewegtes Leben

Beinahe wäre es nie dazu gekommen. Weiskopfs Familie überlebte im Zweiten Weltkrieg zwei Mal nur mit viel Glück Bombenangriffe. Sein Vater zog als Stanzmeister in einer Schuhfabrik beruflich oft um. „Wir haben in Germersheim gewohnt, in Butzbach, in Durlach und in Karlsruhe. Das erste Mal wurden wir 1942 in Karlsruhe ausgebombt bis auf das Nachthemd. Dann sind wir zurück nach Zweibrücken gegangen, wo wir bei meiner Oma gewohnt haben. Dort wurden wir 1945 wieder ausgebombt.“

Erneut verlor die Familie ihr gesamtes Hab und Gut. „Aber das Leben geht ja trotzdem immer weiter“, stellt Weiskopf nüchtern fest. Weiskopf selbst war, ganz der Vater, in seinem Berufsleben ebenfalls ein Wandervogel. Er arbeitete in vielerlei unterschiedlichen Berufen, erst als Stahlbauschlosser, danach als Vorzeichner und als Arbeitsplaner, wofür es ihn für ein paar Jahre nach Dortmund verschlug.

Energiegeladener Rentner

Danach wurde er Fahrlehrer mit eigener Fahrschule in Zweibrücken und kam anschließend nach Speyer als Haustechniker im chemischen Untersuchungsamt. Vor knapp 30 Jahren endete die berufliche Karriere. Doch der energiegeladene Rentner hatte noch lange nicht genug. Beim Speyerer Steuerbüro Dengler arbeitet er bis heute vier Mal pro Woche zwei Stunden lang.

„Ich mache die Ablage und was so anfällt. Ich bin das Mädchen für alles,“ sagt der Senior. Während viele Altersgenossen über größere oder kleinere Wehwehchen klagen, verspürt Weiskopf keine chronische Schmerzen. „In meinem Alter haben die meisten Leute ja Probleme mit den Knochen, ich nicht. Ich könnte bis nach Zweibrücken laufen.“

Schokolade hilft

Fit hält sich der Rentner mit Radfahren und täglichen Spaziergängen mit seiner Frau. Natürlich wird er oft auf das Geheimnis seiner ungewöhnlichen Fitness angesprochen. Seine Antwort: „Das kann niemand wirklich wissen. Aber bei einem bin ich mir sicher, wenn ich keine Süßigkeiten essen würde, dann wäre ich schon lange tot. Wenn ich mich mal schlapp fühle, esse ich eine halbe Tafel Schokolade und schon geht’s wieder.“

Manche Beobachter meinen, Tischtennis sei kein laufintensiver Sport. Könnte das ein Grund für Weiskopfs lange Laufbahn sein? Der Rentner widerspricht: „Ich spiele mehr aus der Abwehr, und da muss man schon viel laufen. Aber das bereitet mir keine Probleme.“ Dabei bekommt er es mit deutlich jüngeren Gegnern zu tun.

Einzigartige Taktik

Selbst die Ältesten darunter zählen selten über 60 Jahre. Teilweise trifft der Otterstadter auf Teenager. Denen schlägt er jedoch mit Erfahrung und Technik ein Schnippchen: „Es gibt viele junge Leute, die mit meinem Spiel nicht zurechtkommen. Ich stehe oft vier oder fünf Meter hinter dem Tisch und spiele viele angeschnittene Bälle. Das macht heute fast niemand mehr. Manche jungen Leute vertragen das nicht so gut.“

Wann plant Weiskopf denn, seine Tischtenniskarriere zu beenden? „Ich spiele seit 71 Jahren, und es macht immer noch Spaß. Und solange ich noch 18- oder 19-Jährige schlagen kann, macht es auch weiterhin Spaß, auch, weil man sieht, wie sehr die sich ärgern, gegen mich zu verlieren.“

Bei der Arbeit fasst Weiskopf ein Ende seiner Tätigkeit ins Auge: „Ich habe meinem Chef gesagt, wenn ich 100 bin, höre ich auf“, berichtet er und lacht. Beim Tischtennis geht es hingegen weiter, solange die Beine ihn tragen und er die jüngeren Gegner noch ärgern kann.

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