Speyer
Otterstadt: Johann Benedom verfasst Ortsfamilienbuch
Mehr als 11 000 Menschen aus rund 2750 Familien – sie alle haben ihren Platz im Ortsfamilienbuch für Otterstadt, an dem der Schifferstadter Johann Benedom mehrere Jahre lang gearbeitet hat. Damit es in Druck gehen kann, müssen genügend Interessenten ein Exemplar bestellen. Doch was ist das überhaupt, ein Ortsfamilienbuch?
„Ein Ortsfamilienbuch ist keine Ortschronik“, stellt Johann Benedom klar. „Es kann diese aber mit Leben füllen, indem es die Menschen in ihrer Zeit darstellt, wie und wo und mit was sie gelebt haben.“ Der 80-Jährige muss es wissen, schließlich ist das Werk über Otterstadt schon sein elftes Ortsfamilienbuch. Es schließt die letzte Lücke in der Verbandsgemeinde Rheinauen: Für Altrip, Neuhofen und Waldsee existieren bereits Ortsfamilienbücher.
Seit rund fünf Jahren beschäftigt sich der Schifferstadter mit Otterstadter Familien aus den vergangenen fünf Jahrhunderten. Seit zwei Jahren hat Benedom, der in Schifferstadt ehrenamtlich das Stadtarchiv pflegt, seine Recherchen intensiviert. „Oft habe ich um 7 Uhr morgens den Computer ein- und ihn erst nach 23 Uhr wieder ausgeschaltet“, berichtet Benedom, der früher bei der BASF gearbeitet hat und nach seiner Pensionierung seine Liebe zur Heimatgeschichte entdeckte.
Bis zum Jahrgang 1910
Doch was genau ist das nun eigentlich, ein Ortsfamilienbuch? „Darin sind von einem bestimmten Ort alle erkennbaren Familiennamen enthalten“, erklärt Benedom. Doch nicht nur das: In alphabetischer Reihenfolge sind darin alle Otterstadter aufgelistet, die sich in Kirchenbüchern oder Standesamtsakten seit dem 16. Jahrhundert finden – und zwar samt Geburts- und Sterbedaten, Eltern, Ehepartnern, Beruf und Kindern. Durch Querverweise lassen sich Verwandtschaften erkennen. Mehr als 11.000 Personen aus rund 2750 Familien enthält das Werk. Lebende Otterstadter sind allerdings keine mehr darunter: „Das Buch endet mit dem Geburtenjahrgang 1910 und dem Sterbejahrgang 1990“, sagt der Hobbyhistoriker. Die Eltern- oder Großelterngeneration lasse sich also durchaus darin finden.
In manchen Fällen gibt es auch noch zusätzliche Informationen über die aufgelisteten Menschen, die einiges über die Lebensverhältnisse in früheren Zeiten verraten: Da wäre zum Beispiel Jakob Mühleisen, 1825 in Otterstadt geborener Leinweber, der im Laufe seines fast 70 Jahre währenden Lebens nicht weniger als 20 Kinder zeugte: sieben mit seiner ersten Frau, einer gebürtigen Böhlerin, die 1863 starb, und nochmals 13 mit seiner zweiten Gattin, die aus Dannstadt stammte. Elf der Nachkommen starben schon als Kleinkinder, zum Teil wenige Tage nach der Geburt. Über den jüdischen Otterstadter Handelsmann Daniel Lehmann verrät das Ortsfamilienbuch, dass dessen Leiche am 28. Dezember 1859 „am Rheindurchstich bei der Brühlüberfahrt“ an Land geschwemmt worden sei. Die Todesumstände sind unbekannt. Angehörige konnten den 68-Jährigen identifizieren, obwohl dessen Körper „gänzlich fleischlos und die Gesichtszüge unkenntlich“ waren. Und über Karl Robert Doser erfährt der Leser, dass diesem im März 1915 wegen „Tapferkeit vor dem Feind bei der Schlacht am Reichsackerkopf in den Vogesen“ das Adelsprädikat verliehen wurde.
Mormonen-Internetseite als Hilfe
Bei der Recherche für seine Ortsfamilienbücher hat sich für Johann Benedom die Internetsuchmaschine „Familysearch“ als äußerst hilfreich erwiesen. Auf der Seite sind Daten aus Kirchenbüchern und ähnlichem aus aller Welt gesammelt. Angelegt hat die Internetseite die Religionsgemeinschaft der Mormonen, die aus religiösen Gründen großes Interesse an solchen Daten über die Vorfahren ihrer Mitglieder hat.
Vergütet bekommt Benedom seine Arbeit nicht. „Für mich ist das ein reines Hobby“, sagt er. Sein erstes Ortsfamilienbuch hat der Schifferstadter vor mehr als 20 Jahren verfasst. Was ihn an der Materie fasziniert? „Ich kann bei anderen mitreden und weiß zum Teil mehr über die Familien als sie selbst“, sagt er. „Außerdem ist es besser etwas Sinnvolles zu tun als dazusitzen und Trübsal zu blasen.“
Damit das rund 750 Seiten starke Werk auch gedruckt werden kann, benötigt Benedom aber Sponsoren oder mindestens 50 feste Bestellungen. Ein Betrag von 3000 bis 4000 Euro sei nötig, damit das Buch erscheinen und für einen Preis von 40 bis 45 Euro verkauft werden kann. Bei seinen bisherigen Ortsfamilienbuch-Projekten ist Benedom stets auf rund 100 bestellte Exemplare gekommen. „Das hoffe ich natürlich beim Otterstadter Ortsfamilienbuch auch“, sagt er. Schließlich sei ein Ortsfamilienbuch auch „immer ein schönes Weihnachtsgeschenk“.
Kontakt
Wer ein Ortsfamilienbuch für Otterstadt bestellen möchte oder Fragen dazu hat, kann sich an Johann Benedom, E-Mail: johann.benedom@t-online.de, Telefon 06235 5966, oder an das Rathaus in Otterstadt, Telefon 06232 36061, wenden.