Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Osterlämmer: Besonderes Projekt auf dem Sonnenberg

Ist bereit für ihren Einsatz am Müllberg: die Schafherde von Günter Weick.
Ist bereit für ihren Einsatz am Müllberg: die Schafherde von Günter Weick.

Speyers Osterlämmer sind schon geboren, warten aber noch im badischen Stall auf ihren Einsatz: Das Beweidungsprojekt auf dem Müllberg geht in die zwölfte Saison.

Bald ist es soweit: Ein Bock, der die Herde stets im Blick hat, zwölf Muttertiere und 14 Lämmer – aktuell zwischen fünf und acht Wochen alt – werden aus Philippsburg-Huttenheim nach Speyer kommen. Sie gehören dem dortigen Garten- und Landschaftsbaubetrieb Weick, der seit der Premiere im Sommer 2014 für den besonderen Auftrag zuständig ist: „Grünflächenpflege auf dem Sonnenberg“. Bei der 40 Meter hohen Erhebung in der Nähe der K2 handelt es sich um die rekultivierte frühere Hausmülldeponie im Nonnenwühl, die ihren heutigen Namen der großen Photovoltaikanlage verdankt, die sie beheimatet.

„Es wurde damals der Maschineneinsatz gegen die Arbeit der natürlichen Graser abgewogen. Nicht nur ökologisch haben die Schafe den Vergleich gewonnen“, berichtet Jürgen Wölle, Leiter der bei den Stadtwerken angesiedelten Entsorgungsbetriebe (EBS), über den Projektstart. Seither werde die Leistung in Abständen neu ausgeschrieben. „Wir sind mit den Huttenheimern – Zwei- und Vierbeinern – sehr zufrieden“, so Wölle. „Beweidung steht für eine naturnahe und kontinuierliche Mahd. Sie fördert den Artenreichtum der Pflanzen- und Insektenwelt. Schafe sind geländegängig, fressen auch rund um die PV-Anlagen und unterstützen die Öffentlichkeitsarbeit.“

Speyerer Sonnenberg „wunderbar geeignet“

Maschineneinsatz beim Rasenmähen wäre lauter und in den Hanglagen am Berg klar unterlegen, sagt Wölle. Auch Felix Weick, Juniorchef des Huttenheimer Betriebs, ist von den Vorteilen der Tiere überzeugt: „Der Speyerer Sonnenberg eignet sich wunderbar zur Beweidung mit Schafen, da diese lediglich den Boden bearbeiten und dadurch sowohl die umstehende Natur als auch die Solarpaneele nicht beschädigt werden.“ Die PV-Anlagen müssten andernfalls mühsam per Hand von zu hohem Grün befreit werden. Es gebe mehrere Möglichkeiten der Beweidung: Bei sonnigem Frühlingswetter werde der obere Teil des Berges bevorzugt, im Hochsommer hingegen die Fläche unterhalb mit ausreichend natürlichem Schatten.

Günter Weick hat den Auftrag, seine Schafe am Müllberg in Speyer grasen zu lassen, schon seit 2014 inne.
Günter Weick hat den Auftrag, seine Schafe am Müllberg in Speyer grasen zu lassen, schon seit 2014 inne.

Zum Einsatz kommen Shropshire-Schafe. „Unsere Shroppies“, sagt Weick liebevoll. Seine Mutter Katrin, 2023 verstorben, war einst die Initiatorin. Sie hatte sich für die Tiere begeistert und die Idee entwickelt, sie auch „beruflich“ einzusetzen. „Seitdem sind sie aus unserem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken, und wir führen das Projekt mit Herz weiter.“ Die Rasse mit kräftigen, eher kurzen Beinen, schwarzen Gesichtern und dichter grauer Wolle kommt ursprünglich aus England. Sie ist bekannt dafür, dass sie sich hauptsächlich von Gräsern ernährt, aber dabei keine Gehölze verbeißt und keine Rinde schält. Die „Shroppies“ sind laut EBS ideal, um Wiesen kurz zu halten, aber den für die Verdunstung so wichtigen Baumgürtel nicht zu gefährden.

Lämmer fressen erstmals Gras

Wenn die Schafe wieder hinaus auf die Weide dürfen, sind die Lämmer zwei bis drei Monate alt und fangen an, zusätzlich zur Muttermilch, frisches Gras zu fressen. Das Osterfest mit Schafen als Symbol für Reinheit und Frieden ist dann knapp vorbei. Weick erklärt: „Der Magen der Kleinen stellt sich langsam um, und sie werden recht schnell zu ,großen’ Schafen, denen man ihr junges Alter kaum mehr ansieht.“ Über Sommer seien die Tiere unter stetiger Kontrolle auf der Weide; zum Ablammen und Überwintern kommen sie danach wieder in den geschützten Stall. Weick-Mitarbeiter fahren regelmäßig mit entsprechender Ausrüstung nach Speyer-Ost, sorgen für ausreichend Wasser und bei Bedarf ergänzendes Futter. „Als Produkt bleibt bei uns lediglich die Wolle der Schafe, die bei der jährlichen Schur abkommt“, so Weick. Diese nehme der Schafscherer nach getaner Arbeit als „Bonus“ zur Weiterverarbeitung von Wollprodukten mit.

In diesem Jahr gibt es die Besonderheit, dass sich die Mäh-Experten den Sonnenberg mit Monteuren teilen müssen: Die seit 2007 bestehende Freiflächen-Photovoltaikanlage der Stadtwerke wird erweitert. Die 3122 Module sollen nochmals deutlich aufgestockt, der Strombedarf der angrenzenden Kläranlage danach zu 100 Prozent aus dieser Quelle gedeckt werden. „Die Schafe müssen dann vorübergehend aufs Gipfelgrün verzichten“, erklärt EBS-Chef Wölle. „Es sind weiter große Weideflächen vorhanden. Noch mehr Paneele brauchen die weichen Mäuler für mehr Stromertrag und liefern im Gegenzug Schattenplätze zum Wiederkäuen.“ Wiederkäuen spielt übrigens eine wichtige Rolle im Tagesablauf der tierischen Stadt-Mitarbeiter: acht Stunden fressen, acht Stunden wiederkäuen und acht Stunden schlafen, so der grobe Zeitplan …

Mehr zum Thema
x