Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Orchestrale Orgel ganz grandios: Auftakt beim Internationalen Orgelzyklus

 Marcel Andreas Ober spielt im Dom.
Marcel Andreas Ober spielt im Dom.

Der Auftakt gelang fulminant. Der Speyerer Dom war sehr gut besucht. Es spielte Marcel Andreas Ober, Organist an der St.-Hedwigs-Kathedrale in der Hauptstadt Berlin.

Ober hatte ein sehr vielfältiges, sinnfälliges Programm gewählt, das zu Beginn einen österlichen Akzent setzte und mit einem gewaltigen Te Deum endete. Er spielte zunächst Bachs Präludium und Fuge a-Moll BWV 543 sowie die Fantasia sopra „Christ lag in Todesbanden“ BWV 718. Bei beiden Werken war der Sinn des Organisten für einen lebendig pulsierenden Vortrag sowie eine farbenreiche, anschauliche Klanggestaltung spürbar.

Es folgten Bearbeitungen von Orchesterwerken für die Orgel. Zunächst war Ober zugleich Solist und „Orchester“ im Konzert-Rondo D-Dur KV 382 von Mozart, dem er eine schillernde und mitreißende Gestalt gab. Schon hier verstand er es ausgezeichnet, eine selbstständige, eigenwillige Version des Originals für die Orgel zu schaffen. Er sorgte für einen Klangzauber besonderer Art, der das Stück neu erleben ließ. Es folgte ein noch bekannteres Werk: das Allegretto, der zweite Satz aus Beethovens Siebter Sinfonie A-Dur op. 92. Die Wirkung war erneut verblüffend. Wieder staunte man, welche Klangeffekte und Wendungen der Satz im Orgelgewand gewann.

Schlicht phänomenal

Danach erklang nicht das Scherzo aus dieser Sinfonie, sondern ein Scherzo in E-Dur für Orgel von Eugène Gigout, das in Charakter und frischer Bewegung gut passte und mit seiner Tonart den Bogen zum Hauptwerk des Abends schlug: zur Ouvertüre zu Richard Wagners romantischer Oper „Tannhäuser“ in der Orgelfassung von Edwin Lemare. Die rahmende Musik des Pilgerchores ist im sakralen Raum des Doms bestens verortet, die Venusberg-Musik in der Mitte naturgemäß etwas weniger.

Die Interpretation von Marcel Andreas Ober war schlicht phänomenal und von erhabener Wirkung. Erneut begeisterten die kluge Registrierung und die großen dynamischen Bögen – nicht zuletzt die Intensität und Spannung des Spiels.

„Mein Heil ruht in Maria“ singt Tannhäuser bei seinem Auszug aus dem Venusberg – und so war das zarte „Ave Maria“ von Alexandre Guilmant das passende Gegenstück zu Wagners Musik.

Ober zeigte hier seine lyrische Qualität im Orgelspiel. Besinnlich wirkte auch das Pater noster aus den „Esquisses grégoriennes“ („Gregorianische Skizzen“) von Naji Hakim, ehe dessen monumentales Te Deum Ober noch einmal die ideale Gelegenheit gab, seine Meisterschaft und die Klangmöglichkeiten der Speyerer Orgelanlage eindrucksvoll zu demonstrieren.

Im Vorgespräch mit dem Speyerer Domorganisten Markus Eichenlaub und dem Journalisten Klaus Gaßner erklärte Marcel Andreas Ober zudem überzeugend, warum er so viele Bearbeitungen spielte: Schon in Renaissance und Barock waren – wie er zu Recht sagte – Transkriptionen orgelfremder Werke für die „Königin der Instrumente“ an der Tagesordnung.

Info

Am 23. Mai, 19.30 Uhr, ist das Abschiedskonzert des scheidenden Domorganisten Markus Eichenlaub. Dazu ist Eintritt frei.

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