Speyer
Nutzung umstritten: Keine Alternative für den Berzelhof?
„Der Berzelhof scheint in Speyer ein Politikum zu sein.“ Das hat Harald Schlumpp, Gesellschafter des Johanneshofs, schon wenige Wochen nach Verkündung von dessen Expansion auf die pfälzische Seite bemerkt. Damit spielt er weniger auf die „vielen sehr netten Reaktionen“ darauf und auf all die Bewerbungen für einen Job im neuen Hofladen an, die schon eingegangen sind. Es geht vielmehr um die Erfahrungen aus anderen Gesprächen. Schlumpp war zu Gast im Speyerer Rathaus und hat „sehr ausführlich“ über Eckdaten der Betriebsgenehmigung beraten, die er benötigt. Und er hat sich mit einer Nachbarsfamilie an den Tisch gesetzt, die in der Vergangenheit kritisiert hatte, dass der Vorgänger-Betrieb Weinlounge zu lange und zu laut bewirtet habe.
Menschlich passt es – das machen Schlumpp wie auch die Nachbarsfamilie klar. „Sehr wertschätzend“ habe man sich kennengelernt und ausgetauscht, betont die Nachbarin. Die geplanten Öffnungszeiten des Betriebs täglich von 9 bis 22 Uhr bereiten ihr dennoch Sorgen. Sie fürchtet wiederum Betriebslärm in den Abendstunden, der sich negativ auf die Nachbarschaft am Altstadtrand auswirke. Das war nach ihrer Auffassung monatelang bei der früheren Weinlounge der Fall, die in dieser Form gar nicht genehmigt gewesen sei. Die Familie hatte sich unter anderem bei der Stadtverwaltung darüber beschwert.
Konzept von 2015 hinfällig
Die Konstellation beim Berzelhof ist besonders, weil die Stadt das vorher für einen Flohmarkt genutzte, dann leerstehende Gebäude 2015 mit einer Konzeptausschreibung an den Markt gebracht hatte. Die Stadt wollte es bewusst nicht für reine Gastronomienutzung abgeben. Sie verkaufte es an die Betreiberin eines Blumenladens mit Kursangebot und angegliedertem Café. Als diese das Areal nach eigenen Aussagen wegen Folgen der Pandemie abgeben musste, zog die Weinlounge, hinter der der neue Hausbesitzer steht, zunächst als zweiter und zuletzt als alleiniger Betrieb ein.
Ende September hat das Lokal geschlossen und den Umzug ins Weingut Weegmüller nach Neustadt-Haardt angekündigt. Parallel hatte die Stadt nach Konsultation des Stadtrats mitgeteilt, den Grundbucheintrag für den Berzelhof zu ändern, sodass Gastronomie nicht mehr „nur untergeordnet“ zulässig wäre. Sie solle auch weiterhin von einer künstlerischen oder sozialen Nutzung oder einer Manufaktur flankiert werden, es müsse aber ein Konzept ermöglicht werden, das „auch wirtschaftlich auf Dauer tragbar ist“, so eine Stadtsprecherin.
Speyerer Firma mit anderer Idee
Dass das nur mit einem weiteren gastronomischen Betrieb möglich ist, bezweifelt mit Pascal Nitsche ein junger Unternehmer aus Speyer. Er betreibt zusammen mit Partnerin Jana Smets in der Wormser Straße die auf handgeschöpftes Saatpapier spezialisierte Firma Heylittlegreen. „Auch wir hatten als kunsthandwerklicher Betrieb eine Idee, die wir gerne im Zusammenhang mit den finanziellen Rahmenbedingungen bewertet hätten“, sagt er mit Bezug auf den Berzelhof. Er sei deshalb enttäuscht, auf eine Anfrage an die Stadt zu einer Ausschreibung für den Berzelhof seit Mitte September keine Antwort erhalten zu haben, betont Nitsche.
Auch wenn die Immobilie in Privathand sei, habe es zumindest im September immer noch die im Grundbuch verankerte Zweckbindung gegeben. Er bedauere es daher, dass es keine Möglichkeit gab, seine „modernere und kreative Idee im Einklang mit dem ursprünglichen Konzept“ vorzustellen. Es handle sich um ein Vorhaben, das er noch nicht im Detail skizzieren möchte, für das nun aber unabhängig vom Heylittlegreen-Betrieb ein anderer Standort gesucht werde.
Keine Abendveranstaltungen
Johanneshof-Chef Schlumpp als neuer Berzelhof-Pächter legt nach eigener Aussage Wert darauf, dass auch bei seinem „Hof-zu-Hof-Laden“ die Gastronomie nicht dominieren solle. „Wir legen das Augenmerk weiter auf den Laden und unsere eigenen Sachen. Wir sind auch eine Manufaktur und stellen sehr viel selbst her.“ Es werde keine Abendveranstaltungen geben. Er deutet eingeschränkte Öffnungszeiten im Winter an. Die ergänzend zum Hofladen geplante Bewirtung bis in die Abendstunden sei erforderlich, „weil wir als Unternehmen auch schauen müssen, dass wir Geld verdienen“. Bedenkenträgern will er den Wind aus den Segeln nehmen: „Wir halten uns absolut an alle behördlichen Vorgaben und nehmen darüber hinaus zusätzlich Rücksicht auf unsere Nachbarn.“ Der Johanneshof habe auch in Hockenheim bewiesen, dass es nur miteinander geht: „Wir sehen auch die Bedürfnisse der anderen, nicht nur unsere eigenen.“