Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Nonnenbachstraße: Besserung erhofft, Verschlechterung gespürt

Unzufrieden mit der Verkehrssituation in der Nonnenbachstraße: Christine Batteiger (links) und Beate von Tiesenhausen.
Unzufrieden mit der Verkehrssituation in der Nonnenbachstraße: Christine Batteiger (links) und Beate von Tiesenhausen.

2024 wurde die Nonnenbachstraße umgebaut – ein 200.000-Euro-Projekt mit großen Erwartungen in eine Verkehrsberuhigung. Diese haben sich nicht erfüllt, klagen Anwohner.

„Das Wohnen hier macht keinen Spaß mehr“, sagt Beate von Tiesenhausen. Ihre Heimat ist seit drei Jahrzehnten die Nonnenbachstraße in Speyer-Ost. 14 Häuser stehen dort, meist mit mehreren Wohneinheiten – deren Nutzer alle die Nachteile kennen: Neben dem seit einigen Jahren auch nachts stärker genutzten Industriegleis der Bahn ist das vor allem der Durchgangsverkehr auf der Straße. Vereinfacht gesagt: Sie leidet darunter, dass sie für den Verkehr aus dem Eselsdamm oder dem Sterngarten oft eine Abkürzung in den Bereich Hafenstraße, Schillerweg, Festplatz darstellt.

Während des RHEINPFALZ-Besuchs im Wohnzimmer von Tiesenhausens ist das Fenster gekippt: Die Belastung ist weder zu übersehen noch zu überhören. In den drei Monaten, in denen in der Franz-Kirrmeier-Straße Bauarbeiten laufen, ist sie nochmals erhöht. Vor allem durchfahrende Lkw und Busse sind störend. „Sie fahren hier quasi durch die Zimmer“, sagt die Anwohnerin. „Wir sind alle genervt“, ergänzt ihre Nachbarin Christine Batteiger. Sie habe in einer Stunde schon 100 Autos gezählt. Aus Sicht der Frauen müsste viel strenger kontrolliert werden – von der Stadt die Begrenzung auf Tempo 30, von der Polizei das Einfahrtsverbot für Lastwagen über 3,5 Tonnen vom Eselsdamm her.

Auch abends keine Ruhe

„Am schlimmsten ist es abends zwischen 22 und 24 Uhr“, sagt Melanie Batteiger, die zwei Häuser neben ihrer Mutter wohnt und sich besonders betroffen sieht: In den Abendstunden steuerten regelmäßig acht Linienbusse durch die Straße, und morgens ab 2 Uhr kämen schon wieder Güterzüge mit ihrem markerschütternden „Achtungspfiff“ am Anfang und Ende der Straße. Sie müsse jobbedingt um 4.30 Uhr morgens aufstehen – und komme nur selten zur erholsamen Nachtruhe. Von Tiesenhausen hat bei der Stadtverwaltung schon vorgesprochen, mit Detlef Scholz hat ein weiterer Nachbar gerade vorige Woche einen Brief ins Rathaus geschickt. Er schreibt von einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität, massiver Lärm- und Dreckbelastung sowie Missachtung der Verkehrsregeln.

Besonders tragisch für die Anwohner ist, dass sie sich so auf Besserung gefreut hatten. Die Probleme gibt es nicht seit gestern, und seit einem Kampf, den von Tiesenhausen mit zehn Jahren taxiert, hatte der Stadtrat 2023 einstimmig eine Umgestaltung beschlossen. Wegen Protesten aus der Alternativstrecke Am Heringsee, deren Anwohner eine Mehrbelastung befürchtet hatten, war die Nonnenbachstraße jedoch nicht wie zunächst geplant als Sackgasse ausgewiesen worden. Zentrale Maßnahme war der Umbau der Einmündung zur Hafenstraße, die nun nur noch 14 statt 38 Meter breit ist. Damit könne nicht mehr so schnell wie zuvor auf das Stopp-Schild zugefahren und dieses nicht mehr so oft missachtet werden. Damit würden auch die Radler auf dem beidseitigen Hafenstraßen-Radweg direkt an der Kreuzung besser geschützt.

Weniger „Fremdparker“

Außerdem sind die 24 Parkplätze unter den Rosskastanien zwischen der Fahrbahn und den Bahngleisen weggefallen sowie Verschwenkungsinseln montiert worden, um den Verkehr auszubremsen. Bei den Parkplätzen sind sich die Anlieger uneins – von Tiesenhausen und Christine Batteiger loben den Wegfall, weil er das „Fremdparker“- und Müll-Problem behoben habe, Scholz hingegen berichtet von großen Nöten, nun einen Platz für sein Auto zu finden. Die Stellflächen für Anwohner seien ohne adäquaten Ersatz um 70 Prozent reduziert worden, das müsse sich ändern. Einig sind sich die „Nonnenbachler“ darin, dass die kleine Verschwenkung wenig gebracht habe.

Die Stadtverwaltung bestätigt, dass es Probleme gibt. Aus ihrer Sicht habe sich der Umbau „nur begrenzt bewährt“, so Sprecherin Janine Friedmann auf Anfrage. Erstens fließe weiterhin Durchgangsverkehr. Zweitens müsse der Verkehr an den recht schmal ausgefallenen Fahrbahnverengungen sein Tempo „nicht in jedem Fall spürbar reduzieren“, was mit den Anforderungen an die Befahrbarkeit für Müllfahrzeuge und Rettungsdienste zu tun habe. Drittens komme es weiterhin zu Verkehrsunfällen im Bereich der Einmündung zur Hafenstraße: Die Beschilderung dort werde nur „unzureichend“ beachtet. Abhilfe sei allerdings schwierig, weil vieles mit vielem zusammenhänge. Der Radweg an der Hafenstraße zum Beispiel sei unverzichtbar und aus Platzgründen auch nicht verlegbar.

Behörden im Austausch

Die Stadt kündigt Geschwindigkeitskontrollen in der Hafenstraße an. Aus der Nonnenbachstraße sei sie auf zu schnell fahrende Lkw hingewiesen worden, was sie jedoch durch die Straßenführung „erschwert“ sieht. „Dennoch wird die Situation weiterhin beobachtet, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu prüfen“, so Friedmann. Die Ordnungsbehörde sei auch im Austausch mit der Polizei und dem Betreiber der Stadtbusse. Busse für die Personenbeförderung seien jedoch vom Einfahrtsverbot für 3,5-Tonner ausgenommen. Das wolle die Straßenverkehrsordnung so. Es könne allenfalls appelliert werden, dass Busse, die regelmäßig die Tankstelle im angrenzenden Sterngarten nutzen und dann durch die Nonnenbachstraße möglichst zügig zum Depot in der Heinkelstraße fahren, sich andere Wege suchen. Die Linie 565 fährt regulär jede halbe Stunde durch die Straße.

Ein Umbau der Einmündung Eselsdamm steht laut Stadt derzeit nicht auf der Agenda. Die Anwohnerinnen weisen darauf hin, dass die für Kraftfahrzeuge geschmeidig gestaltete Kurve oft zu schnell genommen und die dort platzierten Verbotsschilder nicht beachtet würden. Ein Umbau könnte den Verkehr ausbremsen, heißt es dazu seitens der Stadt, könnte aber den Erfordernissen des Rettungs- und Entsorgungsverkehrs widersprechen. „Eine signifikante bauliche Verschärfung ist daher nicht umsetzbar.“ Die Anwohner wollen weiter für ihre Anliegen werben. „Vieles ist schlimmer geworden seit dem Umbau“, sagt von Tiesenhausen. Sie regt eine Änderung in den Navigationsgeräten sowie eine Ampel an der Einmündung zur Hafenstraße an, die den Durchfahrtsverkehr unattraktiver machen würde. Scholz fordert Schwellen und Blitzer zur Verkehrsberuhigung.

Jetzt schmaler: Einmündung in die Hafenstraße (rechts) wurde umgebaut.
Jetzt schmaler: Einmündung in die Hafenstraße (rechts) wurde umgebaut.
Tempo 30: Höchstgeschwindigkeit ist begrenzt.
Tempo 30: Höchstgeschwindigkeit ist begrenzt.
Mehr zum Thema
x