Speyer
NonkiCon: Fernöstliche Vielfalt lockt 1500 Besucher
Wer nicht schon sehr mit der japanischen Kultur vertraut ist und bisher auch noch keine Veranstaltung wie die NonkiCon besucht hat, den können die vielen unterschiedlichen Eindrücke in der Stadthalle leicht überwältigen. Frauen mit bunt oder weiß geschminkten Gesichtern, Männer in martialischen Uniformen oder auch mal in farbenfrohen Fantasy-Kostümen prägen den ersten Eindruck.
Gelegenheit zur Sammlung besteht für die Besucher im Großen Saal. Dort präsentieren sich mehr als 60 Künstler zwar dicht an dicht, doch jede und jeder einzelne an einem abgegrenzten Stand. Aylin aka Basabiarts und Viktoria aka Pearlcore sind zwei junge Manga-Zeichnerinnen, die ihre Werke neben Branchengrößen wie Lena Kölsch (Le Kitsune) und Marcel Kühn (Drawing Lika A Sir) zeigen. Aka steht übrigens für „also known as“; vom Englischen ins Deutsche übersetzt heißt das „auch bekannt als“.
Zeichnerinnen begeistern
„Ich habe schon früh angefangen zu zeichnen. Inspiriert wurde ich von Anime-Serien“, sagt Aylin. Ähnlich wie Viktoria begann sie klassisch mit Stift und Papier und nutzt inzwischen Computerprogramme, um digitale Zeichnungen zu erschaffen. „Es geht mir zum Beispiel darum, Emotionen darzustellen“, sagt Viktoria. „In manchen Bilder-Serien von mir stehen Farben für bestimmte Gefühle. So bedeutet Grün für mich Trauer.“ Bei einem ihrer Motive ist ein Mädchen halb von einer Pflanze überwachsen.
Auf der Bühne zeigt die Gruppe Maido no Kisetsu einen Tanz in modernem Gewand. Die Kostüme sind Dienstmädchenkleidung nachgebildet. Kaum haben die Darstellerinnen ihren Auftritt beendet, eröffnen sie ihr „Maid Café“ im Stadthallen-Foyer. „Solche Cafés, in denen die Gäste rundherum umsorgt werden, gibt es auch in Japan. An diesem Vorbild orientieren wir uns“, sagt Mine. Ihre Vorhersage vom Morgen trifft zu: Am Nachmittag sind alle Plätze besetzt und es gibt eine Warteschlange.
Tänzerin als Glanzlicht
Kurz vor der Mittagszeit sind dann gleich ein halbes Dutzend Tanzaufführungen auf der Bühne zu erleben. Unbestrittener Star ist Senyumeji Nishikawa. Die gebürtige Japanerin hat in ihrem Heimatland den traditionellen Kimono-Tanz Nihonbuyo erlernt und es darin früh zur Meisterschaft gebracht. Seit einigen Jahren betreibt Tanzlehrerin Sachiko Nagai – so ihr bürgerlicher Name – ein Studio für klassischen japanischen Tanz in Frankfurt. „Mit dem Nihonbuyo werden Emotionen ausgedrückt wie Trauer und Glück“, sagt sie im Interview mit der RHEINPFALZ. Im orangeroten Kimono, mit Fächern und Tüchern ausgestattet, durchmisst sie die ganze Welt der Gefühle. Mal nimmt Nishikawa eine ausdrucksstarke Position ein, dann nutzt sie den Raum für Bewegungen voller Dynamik; ob fließend oder pointiert, stets mit beeindruckender Präzision und der Anmutung eines freien Geistes ausgeführt.
Wohltuend für Geist und Körper ist japanischer Grüntee. Mayumi Inayama-Thenent offeriert eine Auswahl im Foyer. Neben dem bekannten Sencha zählt dazu der Shincha. „Ein neuer Tee“, so die Tee-Instruktorin mit einem Teeraum in Heidelberg namens „en-cha“. Der Shincha ist die erste Pflückung einer Saison (First Flush).
Auch Reisen im Angebot
Auf der Wiese hinter der Halle klärt Baba Nobuhara als einer der 24 Generäle des japanischen Takeda-Clans zur Mitte des 16. Jahrhunderts die Besucher über die Rüstung und Waffen der Samurai auf. Die Cosplayer-Gruppe hat sich der Historie der Kämpfer mit Schwert, Dolch sowie Pfeil und Bogen verschrieben. Wen das alles verlockt, selbst einmal Japan zu besuchen, der ist bei Heinrich Bauer vom Reisebüro Takeda Bauer in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) richtig. Es bietet Individual- und Gruppenreisen an und gibt in Speyer auch einen Workshop.
Martin Moser vom Verein „Kopf hoch, Japan!“ zieht am Sonntagnachmittag eine positive Bilanz: „Eine fantastische Veranstaltung mit unheimlich hochwertigen Beiträgen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende. Als Beispiele nennt er die Kampfkunst-Vorführungen des Aiki-Dan-Do Dojos aus Germersheim, die Präsentation des Schwertkampfs Kendo durch eine Gruppe des Heidelberger Vereins Ken Zen Kan, die vereinseigene Trommelgruppe Tenshin Taiko und die „sehr populären“ Workshops. „Es waren an beiden Tagen sicher mehr als 1500 Besucher“, so Moser, der das Festival mit seiner Frau Tomoko, der Vereinsvorsitzenden, und Team organisierte.