Speyer „Nie wieder ist jetzt“: Rund 350 Menschen zeigen Flagge auf dem Domplatz

Zeichen setzen: Demonstranten auf dem Domplatz machen deutlich, was sie von den Rezepten der Populisten halten.
Zeichen setzen: Demonstranten auf dem Domplatz machen deutlich, was sie von den Rezepten der Populisten halten.

Rund 350 Speyerer sind laut Polizei am Samstag vor den Dom gekommen, um für Demokratie und gegen Ausgrenzung einzustehen. Es ist klar, an wen sich die Botschaft richtet.

„Im Ort getrennt, in der Sache vereint“, schickte Anna Grohmann, Sprecherin des Speyerer Bündnisses für Demokratie und Zivilcourage, einen Gruß an die Demonstranten in Bad Dürkheim. Dort wurde am Samstag zeitgleich zur Kundgebung auf dem Domplatz gegen eine Wahlkampf-Veranstaltung der AfD mit deren Bundesvorsitzenden Alice Weidel in der Salierhalle protestiert. Viele Speyerer hatten sich daher der Demo in der Kurstadt angeschlossen. Die Kundgebung in der Domstadt sei keine Konkurrenz, betonte Grohmann.

Ihm sei es wichtig, sich ohne Angst gegen Populismus und Faschismus zu stellen, sagte Rainer Löbs, der das Banner „Nie wieder ist jetzt“ zwischen sich und Ehefrau Margret spannte. Unter dasselbe Motto hatte das Bündnis für Demokratie und Zivilcourage die Demonstration gestellt. Zahlreiche Teilnehmer hielten den Schriftzug hoch, darunter viele Familien, die ihre Kinder mitgebracht hatten. Vertreterinnen der Omas gegen Rechts forderten von allen ein friedliches Miteinander. „Die politische Entwicklung weltweit wie auch die Veränderung der Gesellschaft machen Angst“, beschrieb eine Oma ihre Empfindungen angesichts der täglich neuen erschreckenden Nachrichten. „Wir stehen auch für die mutigen Iraner hier“, betonte eine andere ihre Solidarität mit der Bevölkerung in Teheran.

Hass bietet keine Perspektive

Der gerade wieder gewählte Jugendstadtrat Christian Häuser hatte „null Toleranz für Rassismus und Faschismus“. Dem 14-Jährigen gelangen mit seiner emotionalen und gleichzeitig klaren Rede Gänsehaut-Momente. Hass, Populismus und Ausgrenzung seien auch unter Jugendlichen allgegenwärtig, kritisierte der Neuntklässler im Nikolaus-von-Weis-Gymnasium. Er appellierte an die Zuhörenden, demokratisch zu wählen, „damit es auch für uns Jugendliche eine Perspektive gibt“. Immer und überall für die Demokratie einzustehen, sei für ihn Motivation gewesen, aktiv an der Kundgebung teilzunehmen, erläuterte Häuser, warum er zugesagt habe, eine Rede zu halten: „Wir wollen eine Zukunft haben, Faschismus kann keine bieten.“

Sich ein Herz fassen, den Mund aufmachen gegen Rassismus auch im Alltag: Der evangelische Dekan Arne Dembek fand deutliche Worte für Möglichkeiten der Gegenwehr gegen alle, die die Demokratie abschaffen wollen. Auch er erklärte die Solidarität der Kirchen mit den Iranern, die derzeit ihr Leben für die Rückkehr zur Demokratie einsetzten. Er spreche auch für den erkrankten katholischen Vertreter, Pastoralreferent Markus Lamm, so der Dekan.

Die Demokratie verteidigen

„Es liegt an uns, das Kreuz auf dem Wahlzettel an der demokratischen Stelle zu setzen“, forderte DGB-Vertreter Axel Elfert die Demonstranten auf, bei der Landtagswahl im März eindeutige Zeichen zu setzen. Klar war sein Nein zum von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angekündigten Besuch des US-Präsidenten in der Pfalz. Vor Donald Trump „zu ducken“ sei keine Lösung, empfahl Elfert deutschen Politikern mehr Selbstbewusstsein. Grundsätzlich werde Politik indes in der Kommune gemacht, wies er auf die Bedeutung der Lokalpolitik hin. Gemeinsam Stärke zu zeigen sei angesagt, betonte Elfert: „Wir sind mehr.“

Seine Angst vor Perspektivlosigkeit beschrieb ein Vertreter vom Offenen Antifaschistischen Treffen Speyer eindringlich. „Alle Demokraten müssen zusammenstehen“, begründete Christine Jung ihre Teilnahme an der Kundgebung. Die Weltlage werde täglich komplizierter und damit die Demokratie anstrengender, riet die Demonstrantin dazu, sich stets zu informieren, demokratisch zu wählen und für Freiheit und Toleranz einzustehen. „Entscheiden wir uns für Zuversicht“, rief Bündnis-Sprecherin Grohmann den Teilnehmern zu. Eine Oma gegen Rechts schulterte ihr Plakat mit der Aufschrift „Herz statt Hetze“ für den Heimweg.

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