Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Nicole Schall übernimmt Römerberger Volkshochschulleitung

Die neue mit der ehemaligen Volkshochschulleiterin: Nicole Schall und Charlotte Kahl (rechts). Foto: Lenz
Die neue mit der ehemaligen Volkshochschulleiterin: Nicole Schall und Charlotte Kahl (rechts).

„Sie haben aber einen schönen Job.“ Als Nicole Schall das vor einem halben Jahr zu Charlotte Kahl, der örtlichen Leiterin der Volkshochschule Römerberg, sagte, war ihr nicht bewusst, was sie damit auslöste. „Ja“, sagte die nämlich, „wollen Sie ihn haben?“ Der Dialog ging weiter „Warum nicht? In zwei Jahren vielleicht?“ „Nein, jetzt im Sommer“. So schnell kann es gehen.

Für Charlotte Kahl ist Nicole Schall die Idealbesetzung: „Sie ist selbst Kursleiterin und Teilnehmerin. Die Entscheidung ist uns beiden leicht gefallen“, erklärt Kahl. Die 53-jährige Schall ist eine echte Power-Frau. Sie wurde in Speyer geboren und lebt nun, nach einigen Jahren in Kaiserslautern und Speyer, mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Berghausen. Sie hat ein duales Studium als Wirtschaftsassistentin absolviert und arbeitet 30 Stunden pro Woche in einem Bauunternehmen. Nebenbei gibt sie Sportkurse im Verein und nun in der Volkshochschule. Sie hat mehrere Trainerscheine, unter anderem für Nordic Walking, Haltung und Bewegung, Stressbewältigung und Entspannung, Funktionsgymnastik und – ganz neu – für Aroha. „Das muss man mögen. Es ist entstanden aus einem Maori-Kriegstanz. Man ist ständig in Bewegung zu spezieller Musik im Dreiviertel-Takt und es ist geeignet für jedes Alter“, erklärt sie, und die Begeisterung ist ihr anzumerken.

Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie wichtig der richtige Sport für die Wirbelsäule ist, und das gibt sie auch gerne an Kursteilnehmer weiter. Außerdem ist sie Stadtführerin in Speyer, tanzt mit ihrem Mann Tango Argentino – auch eine Idee für einen VHS-Kurs – und sitzt nachts an der Werkbank und stellt Silberschmuck her – auch das wäre ein toller Kurs, aber da wäre die Ausstattung zu teuer. Kunst- und kulturbegeistert sei sie obendrein auch noch und fasziniert vom Zehnthaus als Kulturstätte.

„Kooperationen waren prägend“

Die Chemie stimmt, wie Charlotte Kahl zufrieden feststellt. Bei ihr liefen die Fäden der VHS Römerberg die vergangenen 14 Jahre zusammen. „Es war eine lange Zeit, in der viel passiert ist. Ich habe viele Menschen kennengelernt und mich auch mit Themen beschäftigt, für die ich mich anderweitig nicht interessiert hätte“, resümiert sie. Prägend in der Zeit sei die gute Kooperation mit dem Kunst- und Kulturverein und der Mediathek gewesen. An die erste Konzertveranstaltung unter ihrer Regie kann sie sich noch gut erinnern: ein Gitarrenkonzert mit der Nichte des Liedermachers Franz-Josef Degenhardt. „Ich hab damals den Fehler gemacht, zur Abschlussparty zu mir nach Hause einzuladen“, sagt sie und lacht. Die Party habe dann ohne sie stattgefunden, denn sie habe anfangs unterschätzt, dass sie als Leiterin der VHS nicht nur vor, sondern auch nach Veranstaltungen viel zu tun habe.

Die Zahl der jährlichen Veranstaltung schwanke, erzählt Kahl. Wenn das Hallenbad geöffnet hat, seien es rund 140 Kurse, da viele Aquafit-Kurse auf dem VHS-Programm stehen. Während der Sanierung des Bades seien es rund 80 Kurse. Nachgefragt seien vor allem Kurse aus dem Gesundheits- und Sport-Bereich. Da gebe es so alle zwei bis drei Jahre einen neuen Trend. Auch Kurse für Persönlichkeitsbildungen seien nun im Trend, Kreativkurse dagegen seien nicht mehr gefragt. Bei den Sprachkursen habe sich einiges geändert. Da habe die VHS nun Kurse mit zehn statt 15 Veranstaltungen im Angebot, weil sich Teilnehmer nicht mehr so lange binden möchten. Sprachkurse für den Urlaub sind dazugekommen. Persönliche Höhepunkte für Charlotte Kahl waren die Ausstellungen, die oft überraschend gut besucht gewesen seien.

Größte Veränderung: die neuen Räume

Die größte und wichtigste Veränderung in den vergangenen 14 Jahren sei aber im Dezember geschehen. Dann bekam die Volkshochschule eigene Räume in der ehemaligen Realschule plus in Berghausen. „Die Leute wissen nun, dass sie nicht mehr auf zu kleinen Stühlen sitzen müssen. Die Kursleiter können Gruppentische stehen lassen. Da kann man ganz toll arbeiten“, schwärmt sie.

Mit 60 Jahren, findet Charlotte Kahl, gelernte Sparkassenkauffrau aus Berghausen und Mutter dreier erwachsener Kinder, sei es an der Zeit aufzuhören. „Es ist besser, wenn die Leute jetzt sagen: ,Was, du gehst schon?’, als wenn sie später sagen: ,Was, du bist immer noch da?’“ Ganz in Rente geht Kahl aber noch nicht, denn in der Mediathek arbeitet sie weiter mit. Auch für die VHS möchte sie sich weiter engagieren, nun aber als Kursleiterin im Bereich Patchwork/Quilt. Und den ein oder anderen Kurs wird sie in Zukunft nicht mehr als Leiterin der VHS kurz zur Begrüßung, sondern ganz in Ruhe als Teilnehmerin besuchen.

x