Speyer Nicht insolvent, aber auch nicht mehr richtig da
Die Firma BRH Viabus, Nachnachfolger des früheren Omnibusbetriebs Arthur Merl, bricht ihre Zelte in Speyer teilweise ab. Vom vorläufigen Insolvenzverfahren über die Deutschland-Tochter ihres englischen Mutterkonzerns Metropolitan European Transport (MET) soll sie jedoch nicht betroffen sein.
Merl war nicht irgendein Speyerer Unternehmen, sondern von 1934 bis 2007 ein großer Busanbieter und in der überwiegenden Zeit Betreiber des Stadtbusverkehrs. 2007 wurde die Firma von der schottischen First-Gruppe übernommen, später folgte MET. Einen Einschnitt gab es, als vor fünf Jahren der Speyerer Stadtbusverkehr an eine Tochter der Deutschen Bahn ging. Der große frühere Merl-Betriebshof in der Heinkelstraße wurde seither nicht mehr in Gänze für eigene Busse benötigt. Regionale Aufträge hat BRH derzeit in Ludwigshafen im Werksverkehr der BASF und im Kreis Germersheim. BRH-Personal zieht aktuell offenbar von Speyer nach Ludwigshafen um. Der Betriebshof ist nach RHEINPFALZ-Informationen verkauft worden. Die Stadt bestätigt den Besitzerwechsel. Sie habe vom Investor auf einen Brief hin keine Antwort erhalten. Die deutsche MET-Internetseite ist inaktiv („in Bearbeitung“), die Viabus-Telefonnummern sind „nicht erreichbar“ – ebenso wie Unternehmensvertreter. Von dem Anfang Mai beantragten Insolvenzverfahren über die Essener Firma MET Deutschland ist BRH Viabus nicht direkt betroffen, sagt Marko Bärschneider, für den Fachbereich Verkehr zuständiger Sekretär der Gewerkschaft Verdi. Anders gehe es der zweiten MET-Tochter im Bundesland, der Firma Axel Tücks in Prüm in der Eifel, für die teilweise ebenfalls das Speyerer Personal zuständig war. Eine Ursache des Unterschieds: „Es gibt keine Zahlungsverbindungen zwischen BRH und der insolventen MET“, so Bärschneider nach Gesprächen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Rolf Weidmann von der Kölner Kanzlei Görg. Dieser hat auf RHEINPFALZ-Fragen seit voriger Woche nicht reagiert. Bärschneider sagt, der Tücks-Betrieb laufe fort, der Fortbestand des Unternehmens sei das Ziel. Er sei froh, dass Tücks jetzt nicht mehr unter MET-Verantwortung stehe. Derzeit könne er aber zur Geschäftspolitik nichts Näheres sagen. BRH Viabus hatte in der Vergangenheit zum Teil für Negativschlagzeilen gesorgt, weil es zu Schwierigkeiten unter anderem in der Schülerbeförderung in Hessen und im Kreis Germersheim gekommen war. Die Germersheimer Buslinien sind laut Landrat Fritz Brechtel (CDU) nicht gefährdet. In Hessen hat Viabus einen Auftrag zurückgegeben. In Speyer waren in der Vergangenheit gut 100 der rund 400 Mitarbeiter stationiert. Aufgegeben worden ist nach RHEINPFALZ-Informationen die hiesige Reisebussparte. Es gab mehrere Geschäftsführer-Wechsel: Auf Marcus Schmitt war 2014 Lars Kongsbak und 2016 Heiko Schütte gefolgt. Schütte hat mittlerweile die Firma verlassen.