Speyer Neunmal zugestochen

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Vor dem Landgericht Frankenthal hat der Prozess gegen einen 20-jährigen Mann aus Eritrea wegen des Vorwurfs des Totschlags begonnen. Ihm wird vorgeworfen, im Juni bei einem Familienfest in Ludwigshafen-Pfingstweide einen anderen Asylbewerber, der zuletzt in einer Wohngemeinschaft in Otterstadt untergebracht war, erstochen zu haben.

20 Jahre alt war Kubrom, als er getötet wurde – bei einer Familienfeier, auf die er sich sehr gefreut hatte. So hatte es kurz nach der Tat Brigitte Bauer, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Netzwerks Asyl in Otterstadt, der RHEINPFALZ geschildert. In der Wohngemeinschaft, die Bauer betreute, hatte Kubrom zuletzt gewohnt. Sie hat von seinen Mitbewohnern von der Tat erfahren – zu dem Zeitpunkt wussten sie allerdings noch nicht, dass er gestorben war. Das haben die Asylbewerber und Bauer erst im Internet gelesen. Der 20-jährige Tatverdächtige sitzt seit der Tat im Juni in Untersuchungshaft. Laut der Anklageschrift waren er und das spätere Opfer am 19. Juni von einem Landsmann aus Eritrea zur Feier einer Taufe in das Gemeinschaftshaus Pfingstweide eingeladen. Dort eskalierte ein Streit zwischen den beiden Männern, es kam vor dem Gemeinschaftshaus zu einer tätlichen Auseinandersetzung. Dabei soll der Angeklagte neunmal mit einem Messer zugestochen haben. Zwei Stiche gingen in die Brust, das Opfer konnte auch durch eine Not-Operation nicht mehr gerettet werden. Zum Prozessauftakt ließ der Angeklagte am Mittwoch über seinen Rechtsanwalt erklären, derzeit keine Angaben zur Tat machen zu wollen und nur Fragen zu seiner Person zu beantworten. Eingehend beleuchtete das Gericht in zahlreichen Fragen die bisherige Lebensgeschichte des 20-jährigen Afrikaners. Er sei mit 16 oder 17 Jahren zwangsweise zum Militärdienst in Eritrea eingezogen worden, teilte der Angeklagte über einen Dolmetscher mit. Schließlich sei ihm die Flucht gelungen. Sein Weg führte durch mehrere afrikanische Staaten bis nach Libyen, von wo aus er über das Mittelmeer nach Europa kam. Seine Familie habe an Schleuser einige Tausend Dollar bezahlt, ihr letztes Geld gegeben, schilderte der Angeklagte. Seit 2014 habe er in einer Unterkunft in Rheingönheim gelebt. Dort lernte er auch den Landsmann kennen, der ihn und rund 40 weitere Afrikaner im Juni zu einer Taufe in die Pfingstweide einlud. Der Gastgeber sagte als Zeuge der Tat am Mittwoch vor dem Landgericht aus. Er habe sich am Abend noch mit rund 15 anderen Gästen im Gemeinschaftshaus aufgehalten. Als er ins Freie ging, habe er die zwei jungen Männer aufeinander losgehen sehen. Er habe zunächst gedacht, es handele sich um einen „normalen“ Streit, und versucht, die beiden Kontrahenten zu trennen. Einer schrie, er sei verletzt. Ein Messer habe in dessen Brust gesteckt. Der Gastgeber rief die anderen Gäste herbei und alarmierte die Polizei. Während der Aussage hielt der Angeklagte den Kopf gesenkt, schaute kaum auf. Dem Gericht fiel es schwer, das Motiv für die Tat und den genauen Ablauf zu rekonstruieren. Die Tatwaffe, ein Küchenmesser, diente wohl für die Festvorbereitungen. Termin Der Prozess wird am Dienstag, 3. Januar, 9 Uhr, am Landgericht Frankenthal, Bahnhofstraße 33, mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt. |büg/krx

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