Waldsee
Neujahrskonzert von PalatinaKlassik
Bereits seit zehn Jahren gehört das Neujahrskonzert des Barockensembles Palatina Klassik – immer im katholischen Pfarrzentrum – zur Tradition in Waldsee. Ebenfalls schon traditionell ist das Programm, das im ersten Teil von der Hitliste der bekanntesten Stücke aus Barock und Klassik bestimmt wird und im zweiten Teil von den Hits der etwas leichtgewichtigeren Muse, teils in deutlicher Anlehnung an das berühmte Wiener Neujahrskonzert.
So darf der Donauwalzer ebenso wenig fehlen wie der Radetzky-Marsch zum Finale, zu dem die Zuhörer mit rhythmischem Klatschen den Takt verstärken dürfen. Im ersten Teil fehlt nie der „Winter“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, und immer gehört Mozart und Johann Sebastian Bach dazu. Am Sonntag war es das Brandenburgische Konzert Nr.3 von Bach zur Eröffnung und Mozarts Salzburger Sinfonie Nr. 3 in F-Dur. Selbst Zuhörer, die nicht oft ins klassische Konzert gehen, erkennen diese Stücke sofort, und sie wurden auch in Waldsee mit andächtiger Begeisterung willkommen geheißen. Das Palatina-Ensemble, das von Leo Krämer am Klavier oder Cembalo geleitet wird, ist ein Streichensemble mit Robert Frank als brillanter Erster Violine, den beiden Schwestern Susanne und Stephanie Phieler, zweite Geige und Viola und Michael Steinmann am Cello. Überaus reizvoll ist die Übertragung der in der Regel für große Orchester geschriebenen Stücke auf das Format eines Kammermusikensembles. Oft hört man dadurch die so bekannten Stücke noch einmal neu mit Details, die bei großen Orchester im Gesamtklang aufgehen.
Liebesfreud und -leid
zweite Teil bot nach dem Donauwalzer von Fritz Kreisler „Liebesleid“ und „Liebesfreud“. Der Wiener Fritz Kreisler, der vor den Nazis nach New York fliehen musste und dort bis zu seinem Tod 1962 seinen Hauptwohnsitz behielt, hat in diesen beiden kleinen Stücken heiter die Freuden und Leiden des Verliebtseins bis ins Detail so ausbuchstabiert, wie es im Worten kaum möglich wäre. Das Stück „Jalousie“ , zu deutsch „Eifersucht“, ist ein Tango, der ebenfalls präzise eine Gefühlslage beschreibt. Der dänische Komponist, der vor allem für dieses eine Stück, ein Klassiker der Salonmusik, bekannt ist, schrieb es 1925 als Musikbegleitung für einen Stummfilm. Bis heute wird er gerne in der Filmmusik verwendet, etwa auch in der im Weihnachts-Fernsehprogramm gelaufenen Agatha-Christie-Verfilmung „Tod auf dem Nil“.
Eine weitere kleine Verbeugung vor der Strauß-Dynastie war die Polka schnell „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauß Sohn, und mit der „Meditation“ von Jules Massenet konnten die Zuhörer wieder zur Ruhe finden, ehe das Konzert in die Zielgerade ging. Die „Meditation“ ist eigentlich ein instrumentales Zwischenstück aus der orientalisch angehauchten Oper „Thais“ des Spätromantikers Massenet, ein Solostück für Violine mit Orchesterbegleitung, wobei das Orchester in Waldsee aus den weiteren Mitgliedern des Palatina-Ensembles bestand, die Violinist Robert Frank begleiteten.
„Gern hab ich die Frau’n geküßt“
Vor dem Radetsky-Marsch gabs dann noch eine Überraschung: Michael Wagner, der für die CDU im Landtag sitzt, betätigte sich als Operettentenor und sang „Gern hab ich die Frau’n geküßt“ aus der Operette „Paganini“ von Franz Lehár. Eigentlich dürfe man das heute gar nicht mehr aussprechen, meinte Wagner, aber seine Frau sei ja dabei. Wagner ist ein sehr respektabler, gut ausgebildeter Sänger, und sicher der einzige Landtagsabgeordnete, der sich so musikalisch Gehör verschaffen kann. Das Publikum war zu recht begeistert und belohnte ihn mit entsprechendem Applaus. Überhaupt trug das Publikum mit seinem aktiven Mitgehen und seiner Begeisterung nicht wenig dazu bei, dass das Konzert über den reinen Hörgenuss hinaus zu einem richtigen Fest wurde. Ohne Zugabe ging es natürlich nicht, Leo Krämer teilte mit, dass es in St. Petersburg seit gestern einen Meter Neuschnee gegeben habe, also war die „Petersburger Schlittenfahrt genau richtig.