Speyer
Neues Lokal beweist: Saumagen schmeckt auch vegan
Der „Eulenspiegel“ und die Kleine Pfaffengasse sind Sonja Petzinger vertraut. Gleich nebenan hat sie in ihrer ersten eigenen Wohnung gelebt, bevor es sie beruflich nach Mannheim gezogen hat. Gelernt hat sie Zahntechnikerin, geträumt von Gastronomie, vom eigenen Lokal. Camille Guillier hat ihre Ausbildung zur Köchin in der Küche der BASF absolviert. In einem vegetarisch-veganen Restaurant in Mannheim haben sich die Frauen kennengelernt. Petzinger war Restaurantleiterin, Guillier Küchenchefin.
„Zuerst war es Spinnerei, dann wurden unsere Vorstellungen konkret“, berichtet Petzinger von der Idee zum gemeinsamen Wechsel ins Unternehmerinnen-Dasein. „Nach zweijähriger Suche haben wir im ,Eulenspiegel’ die Erfüllung unserer Träume gefunden“, sagt Guillier. Das Lokal war zuletzt geschlossen. In der Zwischenzeit wurde die Optik aufgefrischt: Nach Abschluss des Pachtvertrages mit der Eigentümerin hätten die Polster neue Bezüge erhalten, die Tische frische Farbe und die Küche eine Rundumerneuerung, berichtet Petzinger. Rund 30 Plätze im Lokal und ebenso viele im Biergarten stehen zur Verfügung. Mehr oder minder ist die rustikale Einrichtung die gleiche wie zu Zeiten des im März dieses Jahres verstorbenen langjährigen Wirts Claus-Dieter Heller.
„Lücke in Speyer schließen“
„Mit Speisen auf Pflanzenbasis wollen wir eine Lücke in Speyer schließen“, erklärt Petzinger den Anspruch der Pächterinnen. Vor knapp zwei Wochen haben sie den veganen Eulenspiegel eröffnet – etwas später als ursprünglich vorgesehen. „Corona ist dazwischengekommen“, sagt Guillier. Die Gastronominnen berichten von viel Begeisterung der Gäste über die pflanzliche Alternative. „Viele sind überrascht, dass Saumagen, Wurstsalat oder Bratwurst auch vegan schmeckt“, erzählt die Küchenchefin von eingefleischten Fleischessern, die die Probe aufs Exempel gemacht und das Ergebnis für gut befunden hätten. „Wir möchten weder nur Veganer bedienen noch jemanden bekehren“, versichert Petzinger.
Fernab jeder Ideologie
Beide Pächterinnen essen aus Überzeugung kein Fleisch, positionieren sich indes fernab jeder Ideologie. Ihnen sei wichtig, ein qualitativ gutes veganes, saisonales und regionales Angebot zu machen, stellt Guillier heraus. „Wir freuen uns, wenn der eine oder andere die gängige Fleischproduktion und den eigenen Konsum tierischer Produkte hinterfragt.“
Kaffee gibt es mit Hafermilch, Kuchen backt Petzinger ohne Ei. Guillier bereitet Pfälzer Saumagen und auch Dampfnudeln selbst zu. Die Speisekarte soll nach und nach erweitert werden, „je nach Vorlieben unserer Gäste“, kündigen die Frauen an. Noch kommen die beiden Jung-Unternehmerinnen ohne weiteres Personal aus. „Nicht mehr lange“, glauben sie. Tierisches wird es im „Eulenspiegel“ nicht geben, sind die Pächterinnen sicher. Dagegen spricht schon ihr Slogan. Er kommt Fans der Region in abgewandelter Form nicht unbekannt vor und lautet: „Zum Wohl die Pflanz“.
Kontakt
- Weinstube Eulenspiegel, Kleine Pfaffengasse 23, Telefon 06232 77955, E-Mail zumwohl@weinstube-eulenspiegel.de, im Netz: weinstube-eulenspiegel.de.
- Geöffnet dienstags bis donnerstags, 11.30 bis 14.30 Uhr und 17 bis 22 Uhr, freitags und samstags, 12 bis 14 Uhr und 17 bis 23 Uhr, sowie sonntags 12 bis 15 Uhr. Montags ist Ruhetag.