Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Buch über Erdboden: Wie ein Sohn Speyers gegen dessen „Imageproblem“ kämpft

Nicht nur in der Weihnachtszeit gerne in seiner Speyerer Heimat: Wissenschaftler Matthias Rillig.
Nicht nur in der Weihnachtszeit gerne in seiner Speyerer Heimat: Wissenschaftler Matthias Rillig.

Biologie-Professor Matthias Rillig aus Speyer veröffentlicht gemeinsam mit Co-Autor Jörg Blech sein erstes Buch: „Mutter Erde“, eine Liebeserklärung an den Erdboden.

Als Matthias Rillig (57) kürzlich wie jedes Jahr zu Weihnachten seine Eltern und Freunde in Speyer besuchte, führte ihn einer seiner ersten Wege in die Buchhandlung Osiander. „Sie haben mein Buch“, berichtet er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. In seiner Stimme klingt Freude darüber mit, dass seine erste derartige Publikation drei Monate nach dem Erscheinen in seiner Geburtsstadt verfügbar ist, in die Hand genommen und dort direkt gekauft werden kann.

„Mutter Erde. Wie der Verlust des Bodens unseren Planeten bedroht“, so lautet der Titel von Matthias Rilligs fast 400 Seiten umfassendem Erstling, den er gemeinsam mit dem Journalisten und bereits erfolgreichen Buchautor Jörg Blech binnen „eineinhalb Jahren“ geschrieben hat. Einige Medien hätten sich schon für das Buch interessiert, sagt der Professor an der Freien Universität (FU) Berlin. So besprachen es zwei überregionale Tageszeitung in Deutschland und der Schweiz positiv – und er selbst habe bereits mehreren Radiosendern Interviews gegeben.

Erste Begegnung am Fußballplatz

Die Idee, das Thema Erdboden wissenschaftlich fundiert und zugleich allgemeinverständlich – also populärwissenschaftlich – in einem größeren Format medial aufzugreifen, habe Rillig gemeinsam mit Blech entwickelt. Die beiden kennen sich schon lange und sind miteinander befreundet. Gleich zu Beginn ihres Buches beschreiben die Autoren, wie sie sich anno 2009 am Rand eines Fußballplatzes in Berlin erstmals trafen, während ihre beiden Söhne, die in dieselbe Klasse gingen, auf dem Spielfeld dem Ball hinterherjagten.

Wie der Speyerer studierte auch Blech (59) das Fach Biologie, nur wandte sich der gebürtige Kölner nach seinem Diplom statt der Wissenschaft dem Journalismus zu. Er wurde an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg entsprechend ausgebildet und ist seit mehr als 25 Jahren für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ als Wissenschaftsjournalist tätig. Darüber hinaus hat Blech mehrere Sachbücher vorwiegend zu medizinischen Themen verfasst, zuletzt „Masterplan Gesundheit: Was Körper und Geist brauchen, um lange jung und fit zu bleiben“ (2023).

Neues Terrain für Biologe

Matthias Rillig, der sein Abitur seinerzeit am Speyerer Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium ablegte, hat bisher zahlreiche Beiträge zur Ökologie des Bodens und zu Pflanzen in Fachzeitschriften veröffentlicht, aber nie ein Fachbuch geschrieben. „Darin sehe ich keinen Sinn“, sagt Rillig, der als einer der Ersten die Bedeutung von Mikroplastik im Boden als Forschungsthema erkannt hat. „Der Forschungsstand wäre teilweise schon nicht mehr aktuell, wenn so ein Buch herauskommt“, erklärt er.

Nun also ein populärwissenschaftliches Werk. Stellt sich die Frage: Was will Rillig damit erreichen? Seine Antwort darauf lässt sich im Grunde verstehen wie die Fortsetzung seiner intensiven Betätigung als Wissenschaftserklärer auf ziemlich jedem Social-Media-Kanal, der sich dafür eignet. „Es ist mir ein Anliegen, dass die Menschen den Boden besser verstehen. Dieses Thema ist nicht so einfach zugänglich. Der Boden hat eher ein Imageproblem. Das Leben im Boden ist zwar extrem vielfältig, aber das weiß kaum jemand. Man kann es nicht streicheln, nicht in die Hand nehmen und ohne Mikroskop auch nicht sehen. Das ist ein großes Problem“, sagt er.

„Wer Erde retten will, muss Boden heilen“

Die weitverbreitete Unwissenheit, was einen gesunden Boden ausmacht, steht im Gegensatz zu dessen großer Bedeutung für das Leben auf der Erde. Unter anderem hängt der Ertrag von Kulturpflanzen wie Getreide und Kartoffeln vom Bodenzustand ab.

Darüber hinaus ist der Kontakt mit einer Vielfalt an Bodenlebewesen, insbesondere Bakterien, wichtig für die menschliche Gesundheit, vor allem für die Entwicklung eines starken Immunsystems. Insofern ist es bedenklich, dass die Böden überall auf der Welt, die zusammen ungefähr 60 Prozent der irdischen Artenvielfalt beherbergen, unter vielen potenziell schädlichen Einflüssen leiden – vom Klimawandel über Mikroplastik bis hin zu Giftstoffen, die in der Landwirtschaft gegen unerwünschte Organismen eingesetzt werden.

In „Mutter Erde“ beschreiben Rillig und Blech anschaulich, was im Boden alles lebt, welche Gefahren den Organismen dort drohen und welchen Ausweg aus der Misere der weltweit sich verschlechternden Bodengesundheit es gibt. Gerade die Mikroorganismen, die in intakten Böden leben, spielen dabei die Schlüsselrolle. Die Autoren kommen zu dem Schluss: „Wer die Erde retten will, muss den Boden heilen.“

Info

„Mutter Erde. Wie der Verlust des Bodens unseren Planeten bedroht“, Matthias Rillig und Jörg Blech, ISBN: 9783550202957.

Kartoffeln vom Acker: Für die Qualität ist der Boden mitentscheidend.
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