Speyer
Neuer Vinothekenführer: Liebliche Orte
Vor zwei Jahren legte der an sich für Regionalkrimis bekannte Gmeiner-Verlag erstmals ein Buch aus dem Genre der Führer zu Weingütern und deren Vinotheken vor. Und zwar zu solchen in der Pfalz vorwiegend an der Weinstraße. Der „missing link“, also die Verbindung zwischen dem eigentlichen Programm des Verlags um auch düstere Seiten der menschliche Existenz und dieser durchaus bibliophil zu nennenden Publikation zu dem „Göttergeschenk“ des Rebensaftes war der Autor Uwe Ittensohn, seit einigen Jahren Autor bei Gmeiner mit seinen in Speyer und der Vorderpfalz spielenden Kriminalromanen um die Privatschnüffler André Satorius, der immer wieder den Kriminalen von der Mordkommission in Ludwigshafen helfend unter die Arme greift.
Jener Satorius, der als Stadtführer in Speyer tätig ist, lässt sich in einem der Romane gerade zum Wein- und Kulturbotschafter Pfalz, einer zertifizierten Ausbildung beim gleichnamigen Verein, ausbilden. Das ist keine Fiktion, denn der Romanheld gleicht hier seinem Schöpfer, der just dieses auch getan hat.
Mit Fotos optisch attraktiviert
Es nimmt denn auch nicht wunder, dass in den jüngsten Ittensohn-Krimis das Thema Wein und Weinbau eine bestimmende Rolle spielt. Zum einen in „Winzerblut“ um neue pilzresistente Rebsorten, zum anderen in „Letzte Lese“ um seltsame Umtriebe in Weinberge bei Landau.
Daneben hat Uwe Ittensohn eben einen Leitfaden durch Vinotheken entlang der Weinstraße – und manchmal auch mehr oder weniger abseits davon – verfasst, durch eigene Fotos und solche anderer Fotografen optisch attraktiv ergänzt. In dem ansprechenden Layout hat 2022 der Gmeiner-Verlag den ersten vorgelegt, der gleich zu einem Verkaufsschlager wurde und etwa bei Amazon in einschlägigen Rankings den ersten Platz erreichte. Das ist bei dem neuen Band nicht anderes.
Subjektive Auswahl
Der schon auf dem Cover und der Rückseite ganz anders gestaltete Band ist alles andere als eine neue Auflage, er ist neu geschrieben und bringt neue Infos und neue Bilder. Auch hat sich die Auswahl etwas verändert, es sind nun 40 statt vorher 36 Vinotheken vorgestellt, davon sind 12 neu dabei, zwei schon vorgestellte haben jetzt eine neue Leitung, bei einem Weingut ist eine neue Location entstanden.
Schon im Vorwort zum ersten Band betont Ittensohn, dass seine Auswahl subjektiv ist und ja auch nicht anders sein kann. Das wiederholt er im neuen Band natürlich auch wieder. Interessant ist die etwas andere Anlage des Vorworts. Während im ersten Vinothekenführer an dieser Stelle die spürbaren Wandlungen in Auftritt und Qualität beim pfälzischen Weinbau nachgezeichnet werden, geht der Autor im neuen Buch quasi von Status quo und den längst etablierten neuen Vinotheken als Aushängeschildern einer Weinkultur mit hohem Lifestylefaktor und hohem Qualitätsstandard der Produkte aus. Dass er die schönste und beste aller pfälzischen Vinotheken natürlich nicht nennen kann, sagt er mit Recht, will aber der Nutzerin und dem Nutzer des Buches Wege aufzeigen, die für sie oder ihn ideale Vinothek zu finden.
Lebendiger, lockerer Stil
Ein schöner Gedanke: die Vinothek als locus amoenus, als lieblicher arkadischer Lustort. Schließlich ist diese Vorstellung, die in der Kunst des Abendlandes so große Wirkung entfaltet hat, in der römischen Antike entstanden, also jener Kultur, der wir ja auch den Wein verdanken.
Apropos Literatur: Wie in seinen Krimis, so erweist sich Uwe Ittensohn auch in seinem Vinothekenführer und eben nicht zuletzt in dem neuen als Autor von lebendigem und lockerem Stil, der viel interessante Informationen in ansprechender Weise vermittelt und dabei erfreulicher Weise sich aller Werbespruchdiktion enthält.
Dass Uwe Ittensohn dabei auch seine Fachkompetenz effektiv einbringt, versteht, und ist ein weiterer Pluspunkt des Bandes, der beim Lesen und Betrachten allen Wein- und Naturfreuden und solchen, sie es werden wollen, viel Vergnügen beschert.
Nicht zu vergessen sind die nun von 12 auf 18 angewachsenen Wanderrouten, die zu den schönsten Orten an der Weinstraße und im Pfälzerwald führen und natürlich auch eine engen Bezug zur Weinkultur hier haben.
Lesezeichen
Uwe Ittensohn: Weinbar. Essbar. Wanderbar. Die Junge Pfälzer Vinothekenkultur entlang der Weinstraße 2, 240 Seiten, 28 x 22 cm, Broschur, 260 farbige Abbildungen, 28 Euro, ISBN 978-3-8392-0657-7