Speyer
Neuer Park soll an Widerstandskämpferin erinnern
Die Stadt schlägt für die Anlage den Namen „Emma-Schultheis-Park“ vor. Der Stadtvorstand – Oberbürgermeisterin, Bürgermeisterin, Beigeordnete – habe sich einstimmig dafür entschieden. Die Entscheidung soll der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag, 3. Juli (17 Uhr, Stadtratssitzungssaal), treffen. Emma Schultheis ist eine Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus aus Speyer. Die von 1892 bis 1978 lebende Sozialdemokratin hat selbst Verfolgung und Repression erlitten. Ihr Gatte Jakob wurde hingerichtet, ein Sohn fiel im Zweiten Weltkrieg.
Jakob und Emma Schultheis engagierten sich in der SPD. In der Zeit des Nationalsozialismus, als die Partei verboten war, unterstützten sie mit großem persönlichen Risiko andere Opfer, wie die Stadt in ihrer Begründung des Vorschlags betont. Sie gründeten die Untergrund-Gruppe „Speyerer Kameradschaft“, druckten regimekritische Flugblätter, sammelten Spenden, half Zwangsarbeitern und politisch Verfolgten. Im Frühjahr 1944 wurde Emma Schultheis bei einer Geldübergabe von der Gestapo verhaftet. Ebenso erging es danach ihrem Ehemann, ihrer hochschwangeren Tochter und weiteren Mitgliedern der Kameradschaft.
Gatte zum Tode verurteilt
Im Februar 1945 kamen die Schulheis’ und sieben weitere Mitglieder der Speyerer Kameradschaft in Potsdam vor Gericht. Jakob Schultheis wurde zum Tode verurteilt und kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs hingerichtet. Das Urteil gegen seine Gattin lautete auf „zwei Jahre Zuchthaus und Ehrverlust“. Nach der Befreiung durch die sowjetische Armee kehrte sie nach Speyer zurück, musste laut Stadt jedoch jahrelang um die ihr zustehende Witwenrente kämpfen und erhielt keine Entschädigung als Opfer des NS-Regimes.
„Bis zu ihrem Tod im Jahr 1978 äußerte sie sich nur selten zu ihrer Rolle im Widerstand“, so die Stadt in ihrer Vorlage. Sie bezeichnet Schultheis als „mutige Kämpferin gegen das Unrecht des Nationalsozialismus“. Vor ihrem Speyerer Wohnhaus „Im Lenhart“ sind Stolpersteine zu Ehren der Familie verlegt worden. „Ihre Nachfahren leben noch heute in Speyer und würden sich über eine entsprechende Würdigung freuen.“
Straße wird gewidmet
Die Verwaltung begründet ihren Vorstoß außerdem damit, dass die Benennung zur „Erschließung und eindeutigen Zuordnungsmöglichkeit“ der Freianlage erforderlich sei. In der Ratssitzung steht auch die formelle öffentliche Widmung der Straße „Alte Ziegelei“ auf der Tagesordnung. Das von der Straße und dem Park erschlossene Bauprojekt „Am Fluss“ umfasst gut 340 Wohneinheiten. Die weitgehende Finanzierung des öffentlichen Parks war dem Investor Deutsche Wohnwerte im Vorfeld auferlegt worden. Das Unternehmen rechnet im September mit einem Abschluss der weitgediehenen Arbeiten.
