Speyer Neuer Falter aus dem Süden

DUDENHOFEN. Mit Löchern übersäte Blätter hat Naturforscher Erich Bettag (80) in den vergangenen Tagen an zahlreichen Feigenbäumen im Ortsgebiet von Dudenhofen festgestellt. Bei der Suche nach der Ursache ist er auf eine grüne Raupe gestoßen. Wie Bettag herausfand, handelt es sich um die Larve des Feigen-Spreizflügelfalters, lateinisch Choreutis nemorana, eines für die Region neuen Kleinschmetterlings.
Der Dudenhofener Insekten-Kenner Erich Bettag sagt: „Der Feigen-Spreizflügelfalter ist aus Südeuropa eingewandert. 2010 hat Schmetterlingsexperte Ernst Blum von der Pollichia den Falter in Neustadt entdeckt. Das war der erste Fund in Rheinland-Pfalz.“ Nach einschlägigen Quellen (www.lepiforum.de) wurde der Kleinschmetterling in Deutschland erstmals 2006 am Kaiserstuhl (Südbaden) nachgewiesen. Der im Mittelmeerraum heimische Falter ist bisher im Raum Dudenhofen nicht vorgekommen, wie Bettag betont. „Jetzt hat ihn fast jeder Feigenbaum im Ort“, berichtet er. „Ich habe an einem befallenen Baum einige Raupen gesammelt und mitgenommen“, erinnert sich der 80-Jährige, wie er dem Verursacher der durchlöcherten Blätter auf die Spur kam. In seinem Haus setzte er die rund zwei Zentimeter langen grünen Raupen mitsamt einigen Feigenblättern in eine Plastikbox. Bis dato seien zwei Falter geschlüpft, „beides Männchen“, sagt Bettag. „Ich hoffe, es schlüpft auch noch ein Weibchen“. Für seine Insekten-Sammlung benötigt er von jeder Art jeweils ein Exemplar von jedem Geschlecht. Die Schmetterlingsart hat der Naturforscher mithilfe eines englischsprachigen, von einem italienischen Wissenschaftler verfassten Buches über Kleinschmetterlinge in Europa bestimmt. „Viele Falter haben grüne Raupen als Larven. Erst als der erste Schmetterling geschlüpft war, konnte ich ihn anhand der Abbildungen und Beschreibungen eindeutig einer Art zuordnen“, erklärt Bettag. Als Sofort-Maßnahme rät Bettag betroffenen Feigenbaum-Besitzern zum Absammeln der Raupen, die sich laut Fachliteratur in der Regel zweimal jährlich in Falter verwandeln: im Juli und im Herbst. Die zweite Generation überwintert demnach als Schmetterling. Die Raupen seien im Übrigen nicht so einfach in die Hand zu bekommen, weil sie zum Schutz vor potenziellen Fraßfeinden ein Gespinst aus Seidenfäden anlegten, sagt der Insekten-Fachmann. Nach Angaben des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt (www.dlr-rheinpfalz.rlp.de) ist der Feigen-Spreizflügelfalter (auch Feigenblattmotte genannt) für die Feigenbäume „relativ harmlos“. Die durch die Raupen verursachten Schäden seien „in erster Linie optischer Natur“. Eine befallene Pflanze behalte genügend Blattmasse, so dass sie in ihrer Entwicklung nicht behindert werde, heißt es. Eine Bekämpfung sei bisher in unseren Breiten nicht notwendig, lautet die Einschätzung des DLR. Wer dennoch etwas gegen den Schmetterling unternehmen möchte, der sollte nach Empfehlung der Neustadter Behörde ab Ende Mai die Pflanzen nach Fraßspuren und Gespinsten absuchen. Wer Raupen entdeckt, der sollte diese mitsamt der Gespinste einfach zerdrücken. Damit würde der Pflanzenfreund auch das Risiko verringern, dass die Raupen sich nicht allein an den Blättern, sondern auch mal an den Früchten laben. Dieses Verhalten wurde jedenfalls schon in der Schweiz beobachtet (www.strickhof.ch). DIE RUBRIK Unter dem Titel „Dienstagsfrage“ beantworten wir einmal die Woche Fragen, die im Alltag im Speyerer Umland auftauchen. |tbg