Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Wohnungen auf dem Hipp-Gelände

Fläche für Wohnungsbau: das sogenannte Hipp-Gelände in der Paulstraße.
Fläche für Wohnungsbau: das sogenannte Hipp-Gelände in der Paulstraße. Foto: Lenz

Im Mittelkämmerer hat Paulus Hipp drei bebaute und unbebaute Grundstücke verkauft. Neuer Besitzer ist Stefan Johann, Geschäftsführer der Pada Immobilien und Projektentwicklungsgesellschaft GmbH, Speyer. Weil der bisherige Besitzer schon einen Bauantrag gestellt und die Genehmigung hatte, könnte Johann einsteigen und das ursprünglich geplante Vorhaben umsetzen. Ob er das jedoch tut, weiß er noch nicht.

(Bezahlbare) Wohnungen sind und bleiben Mangelware in der Domstadt. Das weiß auch Stefan Johann. Der Investor, der nach eigenen Angaben inzwischen im elften Jahr in Speyer lebt, hat zuletzt am Hofschlösschen und in der Ludwigstraße in Wohnungsbau investiert. Er ist auch im Industriehof engagiert. „Die Paulstraße ist ein großes Projekt in toller Lage“, sagt er zur Begründung des neuen Engagements seiner familieneigenen GmbH. „Wir sind Altbau-affin. Die vorhandenen Wohnungen sind in gutem Zustand“, sagt er zu Objekt und Möglichkeiten.

Rund um den „Zwieback-Heintz“

Es geht um eine Fläche Paulstraße 23 (Ecke Paulstraße / Hirschstraße). Derzeit stehen derzeit dort Garagen und eine Lagerhalle. Dazu zählen Wohngebäude und das Gebäude der ehemaligen „Kinderernährungsmittelfabrik“ August Heintz KG - im Volksmund „Zwiebackfabrik“ genannt. Das Gelände insgesamt rund 2200 Quadratmeter groß.

Eigentümer des Areals war bisher Paulus Hipp aus Pfaffenhofen. Vor wenigen Tagen hat der Mann das Areal verkauft an Stefan Johann und dessen Gesellschaft Pada GmbH. „Notartermin war noch gar nicht“, sagt Johann. Ungefähr ein halbes Jahr lang habe er mit dem Vorbesitzer über dessen Beauftragten Theo Trucksaess verhandelt. Drei Wettbewerber habe es gegeben. „Dann haben wir ein Angebot abgegeben, das wohl überzeugt hat“, so Johann.

Zu seinem Besitz gehören nach Abschluss aller Formalitäten 15 Wohnungen in fünf Häusern, eine Lagerhalle, Garagen sowie das alte Fabrikgebäude. Darin sind derzeit drei Gewerbebetriebe – Kochschule, Dentallabor und Druck- und Kopier-Unternehmen – ansässig.

An Dächern, Kellern und den Treppenhäusern der Häuser bestehe Investitionsbedarf. „Mieter wie Gewerbetreibende dort müssen sich jedoch keine Sorgen machen. Sie können alle bleiben. Ich darf drei Jahre lang gar nichts ändern, nicht kündigen, bei Mieterhöhungen gibt es eine Obergrenze“, sagt Johann. Das sei im Vertrag festgehalten. „Das hat Herr Hipp so gewollt.“

Drei Geschosse erlaubt

„Dem früheren Eigentümer wurde Anfang des Jahres 2019 eine Baugenehmigung erteilt. Diese ist – auch nach der Veräußerung des Grundstücks nach wie vor gültig. Demnach könnte auch der neue Eigentümer basierend auf dieser Genehmigung bauen“, teilt Lisa Eschenbach von der Presseabteilung der Stadt mit. Nach dem rechtskräftigen Bebauungsplan für das Areal dürfe dort dreigeschossig in geschlossener Bauweise gebaut werden. „Es gilt an der Stelle der rechtskräftige Bebauungsplan, darin ist keine explizite Zahl an Wohnungen festgelegt.“ Die neu vereinbarte „Sozialquote“ mit den Akteuren am Wohnungsmarkt (25 Prozent Sozialquote bei Neubauprojekten) gelte in diesem Fall nicht, da die Baugenehmigung vor Unterzeichnung des Bündnispapiers erteilt wurde, erklärt Eschenbach auf Nachfrage.

Aber „unsozial“ soll das Vorhaben deshalb nicht abgewickelt werden: Trucksaess, der in München ansässige und freiberuflich unter anderem für Hipp in Immobilien und Vermögensangelegenheiten tätiger Geschäftsmann, hat den Bauantrag für den vormaligen Besitzer eingereicht und Gespräche mit der Stadt dazu geführt. Er berichtet im Gespräch mit der RHEINPFALZ über seinen Auftraggeber: „Herr Hipp ist ein sehr sozial eingestellter Mensch. Ihm liegen die Stadt, sein Besitz und die Mieter immer am Herzen. Er hat die Wohnungen stets in Schuss gehalten. Die Mieter haben an ihn Dankesbriefe geschrieben für sein Engagement.“ Die soziale Ader Hipps bestätigt unter anderem auch Klaus Walter, Inhaber der Kochschule „Concoquo“ in der alten Zwiebackfabrik. „Das stimmt, der Vermieter war immer sehr freundlich und zuvorkommend uns gegenüber.“

Wegen seiner engen Beziehung zu den Mietern habe Hipp im Kaufvertrag festschreiben lassen, dass die Miete drei Jahre stabil zu halten sei. Bei Anpassung dürfe der Mietzins den Betrag von 8,50 Euro pro Quadratmeter nicht übersteigen.

Bis Ende des Jahres Klarheit

Trucksaess hat die Verhandlungen mit den potenziellen Käufern geführt. Aus steuerlichen Gründen habe Hipp sein Areal nur komplett verkaufen können, sagt er. Damit und weil es sich zum Teil um Gewerbeflächen handelt, seien die in der Stadt engagierten Baugesellschaften Gewo und Baugenossenschaft außen vor gewesen. „Übrig blieben drei Private. Alle drei haben die Bedingungen zugunsten der Mieter akzeptiert. Am Ende hat Johann den Zuschlag erhalten“, bestätigt er gegenüber der RHEINPFALZ dessen Angaben.

Ob Johann den Plan des Vorbesitzers unverändert umsetzt, ist derzeit völlig offen. „Wir sind in einem frühen Stadium der Evaluierung“, beschreibt er die aktuelle Lage. Diese Bewertung werde mindestens bis Ende des Jahres dauern. Dann wisse er wohl, wo die Reise hingeht. „Der Bestand soll auf jeden Fall erhalten werden“, sagt er. „Ich könnte mir auch vorstellen, dort nur sozial geförderten Wohnraum zu schaffen.“

Chronologie:

Paulus Hipp hat das Grundstück an der Paulstraße von seiner Mutter geerbt. Es gehört ihm seit über 50 Jahren. Der Mann, Vater von drei Töchtern, hatte sich zuletzt überlegt, auf dem noch zu bebauenden Areal vier Häuser mit je sechs Wohnungen sowie zwei Doppelhaushälften zu bauen. Der Pläne waren eingereicht und sind seit Anfang des Jahres genehmigt. Zur Bewirtschaftung des Immobilienbesitzes in Speyer hat Hipp die Spira GbR, eine Gesellschaft bürgerlichen Recht gegründet. Es gab vier Gesellschafter: Hipp und seine drei Töchter. Die allerdings machten die Neubau- und Investitionspläne des Herrn Papa nicht an. „Die Damen hatten andere Vorstellungen“, sagt Trucksaess über den spürbaren Widerstand. Die Folge: Hipp gab die Pläne auf. Die Spira GbR wurde liquidiert, das Areal angeboten. „Herr Hipp möchte sich ordentlich und korrekt aus Speyer verabschieden“, sagt sein Mann für das Geschäft in Speyer. Neben der jetzt verkauften Fläche gehören Hipp noch weitere in Speyer.

RHEINPFALZ-Einwurf von Stefan Keller:

Guter Deal

Unverhofft kommt oft: wie die Chance für Stefan Johann, an der Paulstraße innenstadtnah neue Wohnungen zu bauen. Im Wettbewerb um das Baugelände, auf das er nach eigenen Angaben schon lange ein Auge geworfen hatte, hat er zwei Konkurrenten ausgestochen. Sein (finanzielles) Angebot hat überzeugt. Nun überlegt er sich, was er genau daraus macht. Am besten guten Wohnraum. Dann wird es ein guter Deal auch für die Stadt.

Die Geschichte des Zwieback-Heintz

Von Wolfgang Kauer

Von 1899 bis Juni 1969 gab es in der Paulstraße 15 ein Unternehmen, dessen Produkte in ganz Deutschland bekannt waren: die Kindernährmittelfabrik August Heintz, bekannt als „Zwieback-Heintz“. Letzter Geschäftsführer war Gert Boegner (93). Er erinnert sich im RHEINPFALZ-Gespräch: „Wir mussten schließen, weil wir gegen die Discounter-Preise nicht länger angekommen sind.“ Mit dazu beigetragen habe die Millionenklage des US-amerikanischen Konzerns „Ketchup-Heinz“. Boegner: „Da fehlte zwar ein Buchstabe zu unseren Firmennamen, aber es wurde wegen Namensgleichheit trotzdem geklagt.“ Mit einem Kompromiss habe er die Klage abwenden können: Der Name August Heintz durfte fortan nur noch auf Faltschachteln stehen.

Noch während der letzten Jahre von „Zwieback-Heintz“, die er letztlich an ein Babynahrung-Unternehmen in Pfaffenhofen/Bayern verkaufte, gründete Gert Boegner die Firmen DELEG und FEN.

Im Stadtarchiv befindet sich ein Brief der Firma August Heintz vom 22. Juli 1946 an den Oberbürgermeister. Darin heißt es, dass der Namensgeber die Nährmittelfabrik 1899 gegründet hat. „Herr Heintz hat in Zusammenarbeit mit Herrn Professor D. Halenke, Vorstand der Staatlichen Versuchsanstalt Speyer, das ursprüngliche Rezept zu dem einzigen Erzeugnis der Firma entwickelt, dem Heintz’schen gemahlenen Haferzwieback mit Kalkzusatz, ein Nährmittel für Säuglinge und Kleinkinder.“

Der Firmengründer starb 1926, Witwe Anna und Sohn Eduard Heintz leiteten danach die Firma. Die „gute Auftragsentwicklung machte es 1930 notwendig, auf den Grundstücken Paulstraße 17 und 19 einen Erweiterungsbau zu errichten. 1938/39 wurde an der Paulstraße 21 ein weiteres Anwesen angefügt“. Im Brief heißt es: „Bereits 1930 gehörte der Betrieb zu den bedeutenderen Unternehmen der Kindernährmittel-Herstellung in Deutschland. In den letzten Jahren wurden jährlich 2.500.000 Päckchen Kindernährmittel hergestellt, das sind 937.550 Kilogramm.“

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