Speyer
Neue Phase im Impfzentrum: Speyerer sind spontan
Cornelius Rosette ist zufrieden. Der 76-jährige Speyerer hat im großen Saal der Stadthalle gerade die erste Spritze bekommen, die ihn gegen das Coronavirus schützen soll. Tatsächlich hatte er sich durch die Aussicht, ohne Anmeldung und große Bürokratie geimpft zu werden, „locken“ lassen und hat das städtische Angebot gleich am ersten Tag des Aktionszeitraums bis 22. August angenommen. „Eigentlich wollte ich mich gar nicht impfen lassen. Ich werde nie krank, ich bin widerstandsfähig“, sagt er. Jetzt habe er sich doch für den Doppel-Piks mit dem Biontech-Vakzin entschieden, da er dem aus dem Weg gehen möchte, „was da noch kommt“, sagt er und meint die Debatte über Beschränkungen für Ungeimpfte.
„Wo geht’s jetzt hin?“, fragt Rosette, und Impfzentrum-Leiterin Birgit Walther weist ihm den Weg zur Wartezone im kleinen Saal der Halle. Sie sei „positiv überrascht“ über die Resonanz auf das offene Angebot, betont sie. Sieben Leute warteten schon morgens um 9 Uhr, als das Zentrum geöffnet wurde. Bei 32 war die Zählung am Nachmittag um 14 Uhr angekommen, bei 44 zum Abschluss um 17 Uhr. „Alles lief sehr ruhig und ohne Warteschlangen“, betonen Walther und ihre Stellvertreterin Heidi Jester. Neben den spontanen Impflingen waren 157 Personen über das Landesportal für diesen Tag angemeldet. Zwei Apotheker, zwei Ärzte, zwei medizinische Fachkräfte, Verwaltungs- und Sicherheitspersonal betreuten sie.
Hoffnung auf Zulauf
Walther und Jester hoffen, dass das Interesse am offenen Impfen bestehen bleibt. „Wir schaffen die Voraussetzungen, um möglichst viele impfen zu können“, erklärt Walther. Prognosen seien aber schwierig: War ein Großteil der Interessierten schon am ersten Tag da oder nimmt die Nachfrage erst zu, wenn des Angebot bekannter wird? Es werde immer vorsorglich genügend Impfstoff aufgetaut, betont sie.
Auch die Sonderimpfaktionen am Freitag beim Wochenmarkt auf dem Berliner Platz und am Samstag auf dem Festplatz, jeweils von 9 bis 12 Uhr und ebenfalls eine Premiere, werde das Impfzentrum bestücken. Je 100 Dosen seien dafür eingeplant, sagt Walther. Das Impfen dort übernehme das Rote Kreuz. Bis Ende der Woche werde Bilanz gezogen, wie das offene Impfen mit den auf 9 bis 17 Uhr ausgeweiteten Öffnungszeiten im Zentrum ankommt. Für 10. August sei der Impfbus des Landes beim E-Center angekündigt.
Nicht mehr bürokratisch
Ende September soll das Speyerer Impfzentrum schließen. Ob bis dahin in der Stadthalle noch Impfungen für Minderjährige möglich werden könnten, will Walther ebenfalls nicht prognostizieren. Darüber diskutieren Politik und Medizin. Leerlauf wie zwischenzeitlich wegen etlicher nicht wahrgenommener Termine komme derzeit jedoch nicht auf. Seit 14 Tagen dürfen Bürger das Impfzentrum frei wählen, was vor allem weiteren Zulauf aus der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen gebracht habe. Jetzt komme das offene Impfen hinzu, das auf einen Nerv zu treffen scheine. „Zu bürokratisch“ – so hätten viele Besucher am Montag ihren bisherigen Verzicht auf Anmeldungen erklärt. Damit sei es jetzt vorbei, sagt Walther, die dennoch eine Bitte hat: Wenn jeder neben dem Impfpass und der Versichertenkarte auch einen Personalausweis dabei hätte, wäre auch für ihr Team die Sache vereinfacht.