Speyer
Neue Bäume nach Umbau der Bushaltestelle
„Die zwei Bäume haben Schatten gerade an der Haltestelle gespendet“, betont die Speyererin Mary von Fritschen. Sie wundert sich über die Fällung. Eine weitere Leserin erinnert sich ebenfalls wehmütig an „zwei sehr schöne Edelkastanienbäume“, an die nach dem Motorsägen-Einsatz nur noch die Stümpfe erinnerten. „Ich beobachte mit großer Sorge, dass in Speyer trotz des Klimawandels mit stark abnehmender Biodiversität und stetiger Erderwärmung viele Bäume gefällt werden“, schreibt die Frau.
Ursache ist laut Stadtverwaltung der anstehende Umbau der Bushaltestelle, um Barrierefreiheit herzustellen. Bis kürzlich hatten die Bäume mit einer Einfassung den kleinen Unterstand an der Haltestelle umrahmt. Die Baumaßnahme wäre mit den Bäumen nicht möglich, zumal eine barrierefreie Haltestelle mit Aufpflasterungen, um beeinträchtigten Passagieren den niveaugleichen Einstieg in Busse zu ermöglichen, mehr Platz benötigt als die bisherige Lösung. Die Beobachtung der Leserin aus Speyer, beide Bäume seien gesund gewesen, weist Stadt-Sprecherin Lisa Eschenbach zurück: „Einer der Bäume war bereits abgängig, und auch der zweite war nicht mehr vital und hätte der Baumaßnahme nicht standgehalten.“ Wenn die neue Bushaltestelle fertig sei, würden zwei junge Bäume gepflanzt, verspricht Eschenbach.
Der Umbau der Haltestelle hatte eigentlich schon im vergangenen Jahr auf der Liste der Stadtverwaltung gestanden. Die beiden Stadthallen-Busstopps sowie weitere in der Spaldinger Straße, in der Waldseer Straße und in der Paul-Egell-Straße sollten barrierefrei werden – die Nummern elf bis 16 von rund 200 in der Stadt. Als geschätzte Kosten waren 850.000 Euro genannt worden. 550.000 Euro davon übernehme das Land.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Zielkonflikt
Ein typischer Zielkonflikt. Die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und der Barrierefreiheit erfordert Einschnitte bei der Begrünung. Bei der Schaffung neuen Wohnraums oder auch beim Ausbau vom Radwegen könnte Ähnliches drohen. An dieser Stelle ist es zudem eine optische Beeinträchtigung, denn der Vorplatz wirkt ohne die beiden Kastanien ziemlich karg. Es bleibt der Appell, die grüne Stadt in einer Phase verstärkten Wohnungsbaus noch konsequenter mitzudenken. Hoffentlich ist planerisch ernsthaft geprüft worden, ob die Bäume zu erhalten gewesen wären. Auch eine mögliche Verengung der Fahrbahn sollte in solchen Fällen kein Tabu sein.