Speyer Neue Abenteuer in der Pfalz

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Wer sich durch Judith Genskes Internetseite klickt, sieht eine Frau mit vielen Gesichtern. Eine Frau, die Chansons, Jazzsongs und Opernarien singen kann. Eine Frau, die als Schauspielerin auf der Theaterbühne, aber auch im Film, bei Lesungen und im Kabarett zuhause ist. Gerade ist sie aus Wuppertal nach Speyer gezogen.

„Vielseitigkeit ist mein Markenzeichen, Wandlungsfähigkeit ist meine Stärke“, sagt Genske über sich selbst. Der Klavierhocker, auf dem sie dabei sitzt, hält ihren Rücken kerzengerade, Pendant zu ihrer stets veränderlichen Mimik. Mit lebhaftem Ausdruck schildert sie, wie es sie ausgerechnet nach Speyer verschlagen hat. Mit ihren im Saarland lebenden Großeltern hatte sie das Dahner Felsenland und die Vorderpfalz kennen und mögen gelernt. „Das Idiom ist mir vertraut“, sagt Genske. Im Ruhrpott sei das Leben „laut, schmutzig und anstrengend“, befindet sie. Sie habe Veränderung und mehr Lebensqualität gebraucht, und „Speyer hat so was Schönes, ohne piefig zu sein“. Bei einem Benefizkonzert des Tenors Boris Leisenheimer im Historischen Ratssaal trat die Sopranistin Anfang November zwar bereits öffentlich in Erscheinung. Doch noch habe sie keine Kontakte zu den Kulturschaffenden in der Stadt geknüpft, was sie jetzt bald ändern möchte. Im Bioladen ausgelegte Flyer hätten ihr hier allerdings bereits zu ein paar Gesangsschülern verholfen. Als Dozentin beim Musikferienveranstalter „Musica viva“ hilft sie ihren Schülern in Urlaubskursen unter anderem dabei, ihr Lampenfieber zu bekämpfen. Die lyrische Sopranistin ist als Gesangslehrerin keineswegs aufs klassische Repertoire beschränkt: Zugangsvoraussetzungen gebe es bei ihr auch nicht. „Jeder Mensch, der sich künstlerisch äußern möchte, hat das Recht dazu“, ist Genskes Meinung. „Singen lernen ist ein Weg des Loslassens.“ Der in Deutschland verbreitete Perfektionismus sei dabei sehr hinderlich. Es gehe beim Singen um Ehrlichkeit, die eigenen Gefühle würden preisgegeben. Nicht die perfekte, sondern die eigene Stimme müsse gefunden werden. Ihre eigene künstlerische Stimme lässt Judith Genske in vielen Sparten des Großraums Musik und Schauspiel erschallen. Dabei steht sie auf einem festen Fundament, das sie sich dank dreier Ausbildungen geschaffen hat: Sie absolvierte ein Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie und Psychologie sowie eine Schauspielausbildung, bevor sie in Köln bei Reinhard Leisenheimer und Kurt Moll klassischen Gesang studierte. Schon davor stand Genske auf der Bühne – unter anderem als Lady Macbeth, als Marjorie in „Extremities“, in diversen Musicalproduktionen und Georg Kreislers One-Woman-Show „Heute Abend: Lola Blau“. Seit 1999 ist sie mit eigenen Chanson- und Musikkabarett-Programmen unterwegs. Gerade beim Musikkabarett könne sie sich als Sängerin und Schauspielerin gleichermaßen einbringen, sagt die Wahlspeyererin. Schauspiel sei in ihren Augen nicht etwa die niedrigste Kunstform. „Das unterscheidet mich von den klassischen Sängern.“ Schauspiel sei eine „ganz schwierige Kunst, besonders die Komik“. Sie steht zum Beispiel in Genskes Programm „Damen und Dramen“ im Vordergrund, durch das die selbstentwickelte Figur der egozentrischen Powertherapeutin Tschona Männle führt. Die hat kein Problem mit sich selbst, hat sie doch ein „griffiges Lebensbewältigungskonzeptchen“ in der Tasche. Am Ende verlässt niemand ungeheilt den Saal, und Judith Genske macht sich schon wieder auf den Weg zu neuen Abenteuern.

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