Eishockey
National Hockey League: Darian Rolsing aus Speyer im Draft der besten Liga der Welt
Der in Speyer geborene Eishockeyprofi Darian Rolsing steht vor den wichtigsten Wochen seiner bisherigen Karriere. Am 26. und 27. Juni findet in Buffalo (US Bundesstaat New York) der Draft der besten Liga der Welt, der National Hockey League (NHL), statt, bei dem die Mannschaften die vielversprechendsten Nachwuchsspieler auswählen.
Dann entscheidet sich, wohin seine Reise geht. Der 18-jährige Rolsing begann bei den Jungadlern aus Mannheim mit dem Eishockey. Seine Ausbildung führte ihn nach Tampere in Finnland und aktuell nach Wenatchee im Nordwesten der USA, wo er sich in einer Nachwuchsliga auf den nächsten großen Schritt vorbereitete.
70 Spiele für Wenatchee
Mit Wenatchee absolvierte er zum ersten Mal in seinem Leben eine volle Saison nach US-Maßstäben: „Wir hatten 70 Saisonspiele. Ich habe sehr viel gelernt. Wir mussten teilweise 15 Stunden mit dem Bus zu unseren Spielen fahren. Die Spiele sind viel physischer als in Europa, und durch die kleinere Eisfläche hat man viel weniger Zeit am Puck. Alles geht viel schneller.“
Auch Rolsings spielerischer Entwicklung tat die Saison in Wenatchee gut: „Es ist wirklich ein Riesenunterschied zum Beginn der Saison. Ich habe mich darauf konzentriert, besser zu verteidigen, meine Größe und Reichweite besser zu nutzen.“ Er bringt mit 1,97 Meter zumindest schon einmal das erforderliche Gardemaß für einen NHL-Verteidiger mit.
Rolsing legt zu
Was das Körpergewicht angeht, muss er sicherlich noch einiges zulegen, obwohl der Teenager im vergangenen Jahr schon von 84 auf 88 Kilogramm zulegte, Muskelmasse versteht sich. Gewicht zu machen, um gegen die robusten NHL-Profis zu bestehen, bedeutet allerdings harte Arbeit: „Ich esse viel, mache auch Krafttraining. Ich nehme aber nicht leicht zu. Mein Problem ist, ich esse ständig, und nichts passiert.“
Im April spielte der gebürtige Speyerer mit der deutschen Nationalmannschaft der Unter-18-Jährigen bei der Weltmeisterschaft in der Slowakei. Das Ziel lautete Klassenverbleib. Doch Niederlagen gegen Dänemark und in der Relegation gegen Norwegen besiegelten den Abstieg des Nachwuchses.
Norwegen besser
Besonders die Pleite im entscheidenden Match gegen Norwegen tat weh: „Wir haben kurz vor Schluss noch mit 3:2 geführt, haben dann aber zwei Strafen kassiert und uns in den letzten beiden Minuten noch zwei Gegentore eingefangen. Das war richtig frustrierend.“ Auch die Saison in Wenatchee verlief nicht erfolgreich.
Rolsings Team verpasste die Play-offs knapp. Er sieht Parallelen zum Nationalteam: „Auch dort haben wir die wichtigen Spiele verloren. Wir waren nahe an den Play-offs. Aber es hat nicht ganz gereicht.“ Nun steht also der NHL-Draft auf dem Programm. Die Vorbereitungen darauf laufen schon das ganze Jahr.
Speyerer vorsichtig
Während der Saison schicken die NHL-Teams immer wieder Scouts zu den Duellen der Nachwuchsliga, die sich mit den Spielern direkt und vor allem mit ihren Trainern austauschen. „Bei diesen Gesprächen hört man immer sehr viel Positives von den Scouts. Das ist natürlich schön. Aber keiner sagt, dass er dich draften wird“, erzählt Rolsing.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Scouts auch in ihrem Team nur Empfehlungen aussprechen. Die Entscheidung über eine Verpflichtung treffen die Trainer und Sportdirektoren. Zur NHL-Combine, bei der die 90 hoffnungsvollsten Nachwuchstalente von der Liga eine Einladung erhielten, um von den Teams auf Herz und Nieren durchgecheckt zu werden, erhielt Rolsing keine Einladung.
138 bei Elite Prospects
Trotzdem hat der Deutsche gute Chancen, gedraftet zu werden. Die Eishockey-Scouting-Website Elite Prospects listet ihn als Nummer 138 der Zugelassenen. Das bedeutet, dass er irgendwo in der vierten oder fünften von insgesamt sieben Draftrunden verpflichtet werden sollte. Danach entscheidet das Team, das den Spieler auswählte, was mit ihm passiert.
Athleten mit 18 Jahren sind selten bereit für die physische Herausforderung NHL. Deshalb spielen sie oft noch weiter in Europa, in ihrer Nachwuchsliga oder bei einem Farmteam des eigenen NHL-Klubs. Nur die wenigsten laufen sofort in der besten Eishockeyliga der Welt auf. Darian Rolsing würde gerne weiter in Wenatchee spielen.
Dort lebt er bei einer Gastfamilie, kann sich weiterentwickeln, noch mal 70 Spiele machen und trifft dort auf Gegenspieler, die in der Vergangenheit auch teilweise schon in der ersten Runde des NHL-Drafts ausgewählt wurden. Die endgültige Entscheidung darüber hat allerdings sein neues Team. Bis zum August verbringt Darian Rolsing seine Zeit im Sommertraining in der Heimat. Da heißt es viel trainieren und essen, sehr viel essen.