Speyer Nah am Team
Anja Hermann ist die neue Geschäftsführerin des Vereins Kinderhospiz Sterntaler und damit Chefin von etwa 100 Mitarbeitern in Pflege und Verwaltung. Die 41-jährige Mannheimerin folgte auf die im September im Alter von 49 Jahren verstorbene Gründerin des Hospizes, Ursula Demmer.
Anja Hermann ist zwar die neue Chefin, aber neu ist die Mannheimerin bei Sterntaler nicht. Sie ist seit 2006 beim Verein tätig, war die rechte Hand von Gründerin Ursula Demmer: „Als Assistenz durfte ich viele Lehrjahre erfahren. Ich bin reingewachsen und kenne alle Stationen“, sagt die 41-Jährige. Von den 100 Mitarbeitern, die beim ambulanten Pflegedienst, im Kinderhospiz in Dudenhofen und der Verwaltung in Mannheim arbeiten, sei ihr der Anfang als Chefin leicht gemacht worden. Sie sei zur Hälfte der Zeit in Dudenhofen, zur anderen in Mannheim. Linnford Nnoli, der bei Sterntaler für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, lobt die Art, wie Hermann an die neue Aufgabe ging: „Die Verlorenheit durch den Verlust von Ursula Demmer musste aufgefangen werden. Anja Hermann hat das in ganz außergewöhnlicher Weise getan.“ Hermann mache sich vor Ort kundig und sei als Ansprechpartnerin für die Mitarbeiter da, das zeichne sie aus, so Nnoli: „Nah sein am Team – das ist für die Leute wertvoll.“Ein Kinderhospiz ist ein Ort, an dem schwerstkranke Kinder mit ihren Familien eine Auszeit verbringen können. Ihre Hauptaufgabe sieht Anja Hermann darin, über die Kinderhospiz-Arbeit aufzuklären, sie weiter bekannt zu machen. Zudem müssten der laufende Betrieb gesichert und weiterhin Spenden akquiriert werden. Sprecher Nnoli sagt, durch die vielen Spenden, die Sterntaler bekomme, entstünde der Eindruck, dass der Verein „massiv Geld“ habe. „Aber unser Kernproblem ist: Wir müssen das Geld immer wieder neu generieren.“ Und das müsse auch immer wieder aufs Neue kommuniziert werden, sagt Nnoli. Eine Möglichkeit der Sterntaler, Geld einzunehmen, ist die Vermietung der so genannten kleinen Scheune für Schulungen und Seminare (mit Catering). Das werde gerne angenommen, aber es gebe auch noch viel Luft nach oben, so Hermann. Eine andere Möglichkeit ist die Teilnahme an Veranstaltungen wie der Dudenhofener SpargelSpitze, wo die Sterntaler mit ihrem Koch vertreten waren. Was bedeutet die große Hilfs- und Spendenbereitschaft für Flüchtlinge für Sterntaler? Nnoli sagt, Sterntaler ist es ein Anliegen, sich auch mit und für andere Institutionen zu freuen, die Spenden bekommen, deshalb: „Wir erkennen die Notwendigkeit und freuen uns für die anderen – und hoffen, dass es für uns auch noch reicht.“ Zumal auch Kinder von Migranten an lebensverkürzenden Krankheiten leiden und bei Sterntaler betreut werden können. Warum Hermann vor zehn Jahren zu Sterntaler ging? „Ich habe nach mehr Sinn gesucht“, sagt die Mutter zweier Kinder und berichtet mit Blick auf ihre vorher 13-jährige Tätigkeit als Versicherungskauffrau: „Da denkt man: Das kann doch nicht alles gewesen sein.“ Sie wolle das Personal bei Sterntaler „hegen und pflegen“. Zumal der Job oft belastend sei. Sterntaler-Sprecher Nnoli berichtet, dass Pflegekräfte händeringend gesucht würden. Zum einen für den 2004 gegründeten ambulanten Pflegedienst, dessen Mitarbeiter 20 Kinder im Rhein-Neckar-Raum aufsuchen. Zum anderen aber auch fürs Kinderhospiz in Dudenhofen. Nnoli sagt mit Blick auf die Bezahlung oder außergewöhnliche Lock-Mittel: „Wir haben nicht die Möglichkeit, zu locken. Denn wir sind gemeinnützig und hantieren mit Spendengeldern.“ Sterntaler könne mit Qualität für sich werben, berichtet Nnoli. Der ambulante Pflegedienst sei vom medizinischen Dienst mit einem „Hervorragend“ bewertet worden, Hermann fügt an: „Wir haben sehr hohe Standards und legen Wert auf Qualität.“ Der Personalmangel wirke sich sowohl auf den ambulanten Pflegedienst als auch aufs Kinderhospiz aus, sagen die Sterntaler-Mitarbeiter: Zum einen gebe es sehr viele Anfragen nach dem ambulanten Pflegedienst für die kranken Kinder, denen nicht nachgekommen werden könne, weil Fachkräfte fehlten. Zum anderen sei auch mehr Pflegepersonal vonnöten, wenn die zwölf Plätze, die es im Neubau in Dudenhofen gibt, komplett belegt werden sollen. Im Betrieb ist der Neubau seit Anfang April, im Moment können vier, fünf Kinder dort betreut werden. Um zwölf Kinder gleichzeitig in Dudenhofen pflegen zu können, müsse sukzessive Personal aufgebaut werden, sagt Hermann. Die Stellen seien ausgeschrieben, erzählt Nnoli: „Wir konnten ja nicht vorher schon Personal einstellen.“ Die Mitarbeiter, sagt er, freuen sich über die moderne Pflegeausstattung und Technik (Deckenlifter über Badewanne und Betten) im neuen Haus, über Platz und Raum. Und die Eltern der Kinder seien „ganz happy“ über die neuen Räume, erzählt Nnoli: „Sie haben so lange darauf gewartet.“ Der Umgang mit kranken, mit sterbenden Kindern mache traurig, sagt Anja Hermann: „Aber man wird aufgefangen hier. Das ist Familie. Wir lachen hier genauso viel wie wir weinen.“ (snr) Internet www.kinderhospiz-sterntaler.de