Speyer
Nachkomme jüdischer Speyerer bittet um Stolpersteine
Jonathan Rose fühlt sich wohl im früheren Stadtarchiv, das im Neuen Trausaal im Historischen Rathaus aufgegangen ist. Sein dritter Besuch in der Domstadt ist kurz, sein Wunsch groß. Der pensionierte Juraprofessor, geboren im US-Bundesstaat Minnesota, arbeitet derzeit an einer Biografie über seinen Urgroßvater Isidor Roos, der 1832 in Speyer geboren wurde und 1850 nach Amerika auswanderte.
Die Familie Roos ist weit verzweigt. Mütterliche Vorfahren hießen Selig und waren in Bischofsheim im Landkreis Groß-Gerau beheimatet. An der Stolperstein-Verlegung für seine jüdischen Verwandten dort hat Rose gerade teilgenommen. „Meine Großmutter mütterlicherseits ist schon in den USA zur Welt gekommen“, berichtet er. Sie sei früh aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert.
Beziehung zur Schuhfabrik Roos
1976 war Rose zum ersten Mal in Speyer, hat sich die Umgebung der ehemaligen Schuhfabrik Roos in der Burgstraße 6 und 11 angeschaut inklusive der angrenzenden Villa und Ahnenforschung betrieben. Heute lebt er mit Ehefrau Wendy in den Sommermonaten in Phoenix im Bundesstaat Arizona, im Winter in Tempe/Arizona. Wendy hat ihren Mann stets auf seinen Reisen auch nach Speyer begleitet. „Heute bleiben wir nur kurz, am Abend geht es zurück nach Bischofsheim“, sagt sie über die Rundfahrt von Hessen nach Rheinland-Pfalz und zurück. Sie erinnert sich an Besuche in der Gutenbergstraße, wo im 19. Jahrhundert eine Mikwe, ein jüdisches Ritualbad, in einem Privathaus betrieben worden sei.
„Speyer atmet viel jüdische Geschichte“, sagt Wendy Rose. Ehemann Jonathan zeiht alte Schwarz-Weiß-Fotos aus einem Umschlag, die unter anderem eine Aufnahme des Speyerers Isidor Rose aus dem Jahr 1904 zeigen. Von 1802 bis 1942 waren Teile der Familie in Speyer angesiedelt. Sie zählten zu den ersten Familien, die hierher gezogen seien, nachdem es Juden wieder erlaubt worden sei, sich in der Domstadt niederzulassen, sagt Rose. Einige der Mitglieder der damals neuen jüdischen Gemeinde hätten ihren Glauben konservativer gelebt als die Mehrheit, die liberale Juden gewesen seien, weiß er. Auch er sei säkular aufgewachsen, schildert er die Jugend in einer weltlich orientierten Familie. „So ist es bis heute geblieben“, sagt der Akademiker mit großer Leidenschaft für seine Vorfahren.
Buchveröffentlichung geplant
„Ich bin ein Speyerer“, sagt Rose auf Deutsch in Anlehnung an Präsident John F. Kennedys Ausspruch in Berlin 1963. Er erzählt von früheren Aufenthalten in Berlin und Hamburg und kehrt gedanklich gerne zurück zu seiner Heimat Minnesota. „Da gibt es viele Truthähne“, sagt er und holt ein ums andere Foto mit sichtbarer Geschichte aus der Tasche. Alle Dokumente will er in einem Buch zusammenfassen, am liebsten mit aktuellen Fotos der Stolperstein-Verlegung für Familienmitglieder väterlicherseits in Speyer. Zwei seiner Verwandten sind 1943 und 1944 in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz ums Leben gekommen. „Spätestens 2025 planen wir, zwei bis drei Steine zu verlegen“, stellt Bürgermeisterin Monika Kabs in Aussicht.