Speyer
Nachbarschaftshilfe Römerberg sucht neue Helfer
Menschen, die alltägliche Dinge nicht mehr alleine erledigen können, weil sie alt, krank oder behindert sind, können sich in Römerberg schon seit rund 25 Jahren an die Nachbarschaftshilfe wenden. Aktuell werden wieder Helfer gesucht. Beigeordnete Simone Hoffner (Grüne) spricht im Interview mit Timo Leszinski darüber, warum ein paar starke Männer hilfreich wären und wie viel dörfliches Miteinander es in Römerberg noch gibt.
Frau Hoffner, Nachbarschaftshilfe klingt nach Dorfidylle, wo jeder jeden kennt. Ist das in einem Ort wie Römerberg mit mittlerweile rund 10.000 Einwohnern und vielen Zuzügen überhaupt noch gegeben?
Wenn wir unter Dorfidylle einen Ort mit 300 Einwohnern verstehen, in dem der Dorfpolizist mit dem Fahrrad unterwegs ist und nur 30 Autos pro Tag fahren, dann haben wir das natürlich nicht mehr. Wenn wir aber unter Dorfidylle verstehen, dass es Menschen gibt, die sich Zeit nehmen können und wollen, für andere da zu sein, und die Interesse daran haben, nicht jeden aber zumindest viele Mitbürger kennen zu lernen, dann ist Römerberg durchaus dörflich geprägt. Der Anteil an Menschen, die in Römerberg wohnen, aber als Berufspendler den ganzen Tag außerhalb verbringen, hat durch die Neubaugebiete zugenommen. Diese Menschen haben keine Zeit, wie früher Einkäufe einzeln beim Metzger, beim Bäcker oder beim Bauer zu Fuß oder mit dem Rad zu erledigen und anschließend noch zur Post oder zur Bank zu fahren. Alle diese Einrichtungen haben wir ja zum Glück noch und sie werden von vielen Menschen, gerade den fitten Senioren und Seniorinnen, den Go-Gos, geschätzt. Und es gibt sehr viele hilfsbereite Menschen, vor allem Frauen, denen es am Herzen liegt den dörflichen Charakter zu erhalten und die gerne Helfen und das als Bereicherung für ihr eigenes Leben empfinden. Und diese Menschen findet man nicht nur bei den alt eingesessenen Bürgern, diese Menschen findet man eben auch bei den Zuzügen, so dass Dorfidylle und Zuzüge keinen Gegensatz darstellen.
Steigt der Bedarf für solche Hilfsdienste mit dem demografischen Wandel?
Der demografische Wandel betrifft Römerberg natürlich auch. Aber zum Glück nimmt in unserer Gemeinde nicht nur der Anteil der Älteren zu, sondern durch die Zuzüge auch der Anteil der Jüngeren. Ein größeres Problem ist die sinkende Kinderzahl und der Wegzug der Kinder durch die zunehmende Mobilität. Ehepartner werden nicht wie früher üblich im Dorf oder der Nachbargemeinde gefunden, sondern kommen von weiter entfernt. Die Ausbildung und die berufliche Karriere finden nicht mehr in Speyer, Ludwigshafen oder Mannheim statt, und die zurückbleibenden, älter werdenden Eltern brauchen eben „die Nachbarn“ für kleine Hilfsdienste.
Seit wann gibt es die Nachbarschaftshilfe und wie viele engagieren sich dort?
Die Nachbarschaftshilfe wurde Mitte der 1990er-Jahre vom damaligen Beigeordneten Heinz-Peter Schneider auf den Weg gebracht. Aktuell sind die drei Ansprechpartnerinnen in ihren jeweiligen Ortsteilen – Edith Flögel für Heiligenstein, Bärbel Steinmetz für Mechtersheim und Nadja Orth für Berghausen – aktiv als Helfer. Sie erledigen insbesondere Fahrdienste zu medizinischen Anwendungen, Arztterminen und Einkäufen oder sie beraten bei Fragen zu Pflege oder Haushaltshilfe für Senioren. Hier arbeiten wir auch mit dem Pflegestützpunkt Schifferstadt zusammen. Als weitere regelmäßige Helfer insbesondere für Gartenarbeit oder Pflegetätigkeiten sind rund acht bis zehn Personen gemeldet. Auf unsere Anzeige im Amtsblatt haben sich schon zwei neue Helferinnen gemeldet – übrigens Zugezogene. Am häufigsten wird Hilfe im Haushalt nach Krankenhausaufenthalten angefragt. Da geht es nicht nur um medizinische Pflege, sondern um Hilfe beim Einkaufen, beim Putzen, Straßefegen oder Mülltonnen hinausstellen – eben Tätigkeiten, die früher von den eigenen Kindern, den Schwiegertöchtern oder sonstigen Verwandten oder Nachbarn erledigt wurden.
Gibt es Unterschiede zwischen den Ortsteilen? Ist zum Beispiel im etwas abgelegenen Mechtersheim das Dorfgefühl noch größer als in Berghausen und Heiligenstein, die ja eigentlich zu einem Großdorf zusammengewachsen sind?
Mechtersheim hat schon eine Sonderstellung, aber nicht hinsichtlich des Dorfgefühls. Das ist in Heiligenstein und Berghausen trotz der räumlichen Nähe für jeden Ortsteil genauso ausgeprägt wie im getrennt liegenden Mechtersheim. Ich bemerke in Gesprächen aber auch ein zusätzliches Dorfgefühl Römerberg. Die Sonderstellung Mechtersheims im negativen Sinn ist leider durch die schlechtere Anbindung an den ÖPNV und einen fehlenden Supermarkt bedingt – obwohl zum Beispiel die Märkte Edeka Hauguth und Lidl geografisch näher an Mechtersheim liegen als am nördlichen Dorfende von Berghausen. Positiv in Mechtersheim ist sicherlich die deutlich niedrigere Verkehrsbelastung und der Badesee.
Welche Hilfsdienste sind am meisten gefragt?
Am häufigsten werden Fahrdienste angefragt sowie Hilfe im Haushalt nach Krankenhausaufenthalten. Außerdem Gartenarbeit und Beratung zu Pflege. Vorlesen und Spaziergänge, die wir auch anbieten, werden seit Jahren kaum mehr angefragt. Ein günstige Putzfrau, Bügelhilfe oder einen Gärtner vermittelt die Nachbarschaftshilfe aber nicht. Bei technischen Hilfen im Haushalt oder schwereren Tätigkeiten – zum Beispiel Möbel rücken, Lampen anschließen – müssen wir oft passen, da sich keine passenden Helfer bei uns gemeldet haben. Hier können wir noch hilfsbereite starke Männer gebrauchen.
Werden die Helfer in irgendeiner Form vergütet? Und kostet die Hilfe für diejenigen, die sie in Anspruch nehmen, etwas?
Die Helfer erhalten eine Aufwandsentschädigung in Form von fünf Euro pro Stunde für Fahrdienste oder ähnlich leichte Tätigkeiten. Für körperlich anstrengendere Tätigkeiten, wie Gartenarbeit oder hauswirtschaftliche Arbeit setzen wir einen Betrag von zehn Euro pro Stunde an. Das Geld wird direkt vom Hilfesuchenden an den Helfer übergeben, die sich zuvor auf einen für beide passenden Betrag einigen. In der Regel werden keine Rechnungen von der Ortsgemeinde geschrieben. Wenn die angefragte Hilfe in dieser Form nicht abzudecken ist, suchen wir gemeinsam unter Vermittlung der Ansprechpartner und gegebenenfalls auch meiner Hilfe nach Lösungen. So gibt es auch Haushaltshilfe, die von der Krankenkasse unbürokratisch gezahlt wird, ohne dass sie von einem Pflegedienst oder einem anderen gewerblichen Anbieter für haushaltsnahe Dienste erbracht werden müssen. Hier konnten wir im vergangenen Jahr eine Frau nach einer Operation mit einer Helferin erfolgreich zusammen bringen und aus diesem Kontakt hat sich eine neue Freundschaft entwickelt.
Wie groß ist der Zeitaufwand für die Helfer?
Jeder Helfer, jede Helferin kann selbst entscheiden, in welchem Zeitrahmen sie sich einbringt. Manchmal ist die Hilfe relativ regelmäßig, zum Beispiel Fahrdienste einmal pro Woche zu Terminen bei der Krankengymnastik, manchmal ist es eine saisonale Hilfe für mehrere Stunden an einigen Tagen im Garten. Und manchmal ist es ein Zeitraum von mehreren Wochen, nach Krankenhausaufenthalten auch drei bis vier Tage pro Woche, an denen im Haushalt oder beim Einkaufen geholfen wird. Jeder gibt beziehungsweise jeder tut das, was er kann und möchte.
Es wird auch ein Ansprechpartner für Berghausen gesucht: Was ist dessen Aufgabe?
Der Ansprechpartner bzw. die Ansprechpartnerin ist zunächst Vermittler zwischen Hilfesuchenden und potenziellen Helfern. Von den Helfern werden die Kontaktdaten, die angebotenen Leistungen und die zeitlichen Ressourcen erfasst. Bei einer Hilfe-Anfrage werden dann die beiden Parteien in einem Erstkontakt, bei dem der Ansprechpartner mit anwesend ist, zusammengebracht und die Rahmenbedingungen der Hilfe besprochen. Alles Weitere läuft dann ohne den Ansprechpartner. Oft sind beratende Tätigkeiten zu erledigen. Insbesondere im Bereich Pflege stellt der Ansprechpartner dann den Kontakt zum Pflegestützpunkt Schifferstadt her. Dort können Bedürftige Listen von Pflegediensten oder haushaltsnahen Diensten oder auch weiterführende Beratung erhalten. Die Ansprechpartnerinnen in Heiligenstein und Mechtersheim erledigen Fahrdienste aktuell auch selbst. Der Zeitaufwand ist recht individuell und wechselnd. Hilfe-Anfragen erfolgen im Mittel ein- bis zweimal pro Monat. Bei Problemen sind sich die Ansprechpartner gegenseitig behilflich und können sich natürlich auch an mich wenden.
Kontakt
Wer Interesse hat, Helfer oder Ansprechpartner zu werden, kann sich an die Ortsbeigeordnete Simone Hoffner, Telefon 0174 5951641 oder E-Mail simone.hoffner@vgrd.de, wenden.