Speyer
Nach zwei Monaten: Warum es am Schipka-Pass schon wieder Schäden gibt
„Es kann nicht sein, das ein solches Millionenprojekt nach kürzester Zeit so ausschaut. Da stimmt doch meiner persönlichen Meinung als Laie die Qualität nicht“, sagt ein Speyerer, der häufig den Schipka-Pass zwischen Bahnhof- und Burgstraße überquert und die Mängel bei der Stadt gemeldet hat. 8,4 Millionen Euro betrugen die zuletzt kommunizierten Kosten für die Sanierung der 1890 errichteten Stahlkonstruktion – deutlich mehr als laut Stadtverwaltung vor dem Beschluss über den im März 2021 erfolgten Abbau abzusehen war.
Seit 15. Dezember 2025 kann die Brücke wieder überquert werden. Der Speyerer, der an die Verwaltung geschrieben hat, wundert sich, dass unter der dunklen Oberflächenbeschichtung inzwischen an etlichen Stellen rote Flecken durchschimmern. Die obere Schicht ist schon abgeschrammt. Die Situation könne zur Stolperfalle werden, sorgt sich der Bürger. Von der Stadtverwaltung hat er die Mitteilung erhalten, dass die Schäden am „reaktionsharzgebunden“ Belag bereits bei der ausführenden Firma beanstandet seien. Das könne auch mit unbefugtem Radeln über die Fußgängerbrücke zu tun haben, so die Antwort aus dem Rathaus: „Durch starkes Bremsen auf dem Fahrrad kann der Belag mitunter in Mitleidenschaft gezogen werden.“
Reparatur steht an
Die Fehlstellen seien bekannt und würden repariert, wenn die Brücke für Restarbeiten ohnehin nochmals gesperrt werde, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Dabei sei zu berücksichtigen, dass es sich beim aktuellen Belag noch um ein Provisorium handle, „da vor der Montage weder ausreichend Zeit noch geeignete äußere Rahmenbedingungen vorhanden waren, um den endgültigen Belag fachgerecht aufzubringen“. Wenn nachgebessert sei, werde es die aktuellen Probleme nicht mehr geben: Die neue Lösung werde deutlich stärker und das Einstreumaterial besser eingebunden.
„Das vorgesehene System wird auch bei Straßenbrücken eingesetzt und ist dort dauerhaft hohen Belastungen, einschließlich Bremsvorgängen von Lkw, ausgesetzt.“ Fahrräder könnten darauf keine Schäden verursachen. Beim bisherigen Belag schließt die Stadt aus, dass der Einsatz von Streusalz im Winter die Oberfläche demoliert hat, denn es handle sich um ein Material auf Epoxidharzbasis: „Streusalz kann bei unbeschichtetem Stahl Korrosionsprozesse begünstigen, nicht jedoch bei der vorliegenden Beschichtung.“
Sicherheit hat Priorität
Dass die Brücke für Restarbeiten nochmals gesperrt werden muss, war schon beim Einbau klar. Die Rede war von einer kurzen Phase im Frühjahr, möglicherweise in den Osterferien. Der genaue Termin stehe noch nicht fest, so Janine Friedmann, Sprecherin der Verwaltung: Dazu liefen noch Abstimmungen zwischen Stadt und Baufirma. Derzeit sei vorgesehen, alle Restarbeiten bis August 2026 abzuschließen. Priorität hätten sicherheitsrelevante Maßnahmen, insbesondere am Geländer der Rampe West, am Berührungsschutz sowie die besagten Ablösungen im Bodenbelag.
„Im Zuge des Transports beziehungsweise des Einhebens der Bauteile kam es zu kleineren Beschädigungen an der Beschichtung. Diese werden im Rahmen der Restarbeiten ebenfalls instandgesetzt“, nennt die Verwaltung einen weiteren Punkt, bei dem sie von den zuständigen Firmen eine Nachbesserung verlange. Nicht verändert werde die Entwässerung an der Ost-Rampe, an der Beobachter Sturzbäche zur Bahnhofstraße hin im Fall von Starkregen befürchten: Niederschlagswasser über das Gefälle der Rampe abzuleiten, reicht laut Stadt aus. Das sei auch bei der ursprünglichen Ausführung des denkmalgeschützten Bauwerks so gewesen.