Speyer
Nach Verkauf: So geht es bei der Kirche St. Ludwig weiter
Es war und ist eine Herzensangelegenheit für die Marketing-Unternehmerin Doris Grethen: Die entweihte und leerstehende Kirche mit Wurzeln im 13. Jahrhundert sei ein derart faszinierender Raum, dass er wieder mit Leben gefüllt und der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden müsse. Das war der Gedanke hinter ihrer Investitionsentscheidung, die aber natürlich irgendwann auch mit Einnahmen gegenfinanziert werden müsse. Ihre Hoffnung, dass es 2023 schon soweit sein könnte, habe sich zerschlagen, so Grethen im RHEINPFALZ-Gespräch. Aufgeben will sie nicht.
Sie habe durchaus etwas erreicht, betont die 56-Jährige. Die Erschließung der Liegenschaft habe begonnen, Konzeptideen seien konkretisiert und architektonische Entwürfe erstellt worden. Das sei in eine Bauvoranfrage bei der Stadtverwaltung gemündet, die zumindest in einigen Punkten positiv beschieden worden sei. Die Vergrößerung der Empore im Kircheninneren auf gut das Doppelte würde wohl vom Denkmalschutz genehmigt, die Öffnung eines der Bögen an Seitenschiff-Fassade zur Korngasse hin durch ein großes Glaselement mit Tür ebenso.
Großer Sprung geplant
Das seien aber nur kleine Schritte, so Grethen. Vor dem großen Sprung nach vorn stehe ein noch unüberwindliches Aber. Die Entwurfsplanung des Karlsruher Architekten Burkhard Meyer – mit Speyer vertraut seit der Domplatz-Umgestaltung über das Büro Ungers in den 1980er-Jahren – sehe drei geöffnete Arkadenbögen vor, die auch wichtig wären, um nicht den ganzen Tag auf Kunstlicht in der Kirche angewiesen zu sein. Es wäre ein symmetrische, optisch gute Lösung, so Grethen, die nun auf Unterstützung des Gestaltungsbeirats hofft, dem sie im Dezember ihre Pläne vorstellen darf.
Eigentlich hätte der Beiratstermin schon im September stattfinden sollen, wurde dann aber von der Stadtverwaltung verschoben, erklärt die Eigentümerin mit einem Stirnrunzeln. Ähnliche Verzögerungen habe ihr Projekt immer wieder erfahren. Hemmschuh sei zudem ein Rechtsstreit mit dem Verkäufer über die Strom- und Wasserversorgung. Sie habe bereits Interessenten für ein anspruchsvolles kulinarisches Konzept gehabt, denen jedoch alles zu lang gedauert hätte. Grethen: „Mein größtes Problem ist, dass ich möglichen Partnern nicht sagen kann, wann es losgeht.“ Sie wage derzeit keine Prognose. Selbst wenn nach der Sitzung des Gestaltungsbeirats alles in Butter wäre, müssten noch die Detailplanung, ein Bauantragsverfahren, die Suche nach bezahlbaren Handwerkern und natürlich die Ausführung folgen. Der Ausbau eines Nebengebäudes zur Predigergasse hin und der Einbau einer WC-Anlage wären die ersten Schritte.
„Kulinarik trifft Kunst“
„So schnell wie möglich“ will Grethen bauen. Zum Motto „Kulinarik trifft Kunst und Kultur“ könnten ein gehobenes Lokal („nichts, das es in der Innenstadt schon gibt“), ein Café oder Genussmanufakturen mit Produkten aus der Region passen. Ihr wären mehrere Pächter, „die sich als Gemeinschaft verstehen“, am liebsten. Bewirtet und eingekauft werden könnte vor und in der Kirche, drinnen wäre auch Platz für Ausstellungen oder „Pop-up-Events“ mit Kunstcharakter. „Ich will die Vielfalt in der Innenstadt stärken“, sagt die im Alleingang tätige Investorin.
Abgesehen von all den baulichen Fragen plant Grethen für dieses Jahr schon einen Adventsmarkt auf dem Außengelände mit Zugang von der Korngasse: Stände mit Kunsthandwerk und Kulinarik könnten freitags bis sonntags öffnen. Grethen hat ihre Pläne im Rathaus vorgestellt und hofft auf grünes Licht. Interessierte Schausteller und Kunsthandwerker könnten sich bei ihr schon unter doris.grethen@t-online.de melden.
