Speyer
Nach Tod im Seniorenheim Verwirrung um Corona-Test
Manuela Fieber trauert um ihren Vater Friedhelm. Er ist im Awo-Seniorenhaus am 28. Dezember im Alter von 78 Jahren verstorben. „Er war wahrscheinlich der erste Corona-Tote, der stirbt, bevor er positiv war“, sagt die Speyererin bitter. Sie fügt hinzu, dass ein solcher Humor im Sinn ihres Vaters gewesen wäre. Der ernste Kern dahinter: Dass der Senior mit Corona infiziert gewesen sei, habe sie als Angehörige erst gar nicht, dann nicht eindeutig und letztlich erst nach seinem Tod erfahren, so Fieber. Sie nimmt Bezug auf den Ausbruch des Virus im Heim Wochen zuvor und urteilt, Pflegebedürftige seien „in Heimen dem Coronavirus hilflos ausgeliefert“.
Der Vater sei überraschend verstorben und Corona-negativ gewesen – diese Information habe sie zunächst telefonisch erhalten, berichtet Fieber. Bei einem zweiten Anruf sei dann von einem positiven Testergebnis vom 27. Dezember die Rede gewesen. Später habe ihr jemand gesagt: „Ach nein, Ihr Vater wurde nicht getestet, er hat den Test verweigert.“ Der 78-Jährige habe nie am geselligen Heimleben teilgenommen, berichtet Fieber. Sie vermutet, dass er sich an einer Pflegeperson angesteckt hat – was die Frage aufwerfe, ob die Schutzmaßnahmen ausreichten. Auch der Hausarzt ihres Vaters sei über dessen Erkrankung nicht informiert gewesen.
Heimleiter entschuldigt sich
Heimleiter Christian Rahner macht der Fall betroffen, wie er auf Anfrage sagt. Er habe mit der Tochter gesprochen, einiges erklärt und sich in einem zentralen Punkt bei ihr entschuldigt: „Es war ein Fehler, dass wir die Familie am 27. Dezember nicht über die Verschlechterung des Gesundheitszustands informiert haben.“ Tatsächlich habe der Senior am 26. Dezember zuerst einen Corona-Schnelltest verweigert, abends dann aber doch zugestimmt. Dieser habe das positive Ergebnis erbracht, mit dem der Mann als bestätigter Verdachtsfall gegolten habe.
Ein für den sicheren Nachweis erforderlicher PCR-Test, nach dem die Familie definitiv informiert worden wäre, hätte laut Gesundheitsamt am 30. Dezember folgen sollen, so Rahner. Leider habe sich am 27. Dezember das Befinden des Speyerers sehr schnell verschlechtert, berichtet der Einrichtungsleiter. Bis zum Tod seien es nur noch einige Stunden gewesen. Im betroffenen Wohnbereich habe es letztlich 19 infizierte Bewohner gegeben. Der Verstorbene habe den Vorschlag, einen Arzt hinzuzuziehen, „mehrfach vehement abgelehnt“, sagt der Einrichtungsleiter. „Er lebte selbstbestimmt bei uns, wir haben seinen Willen respektiert.“ Generell dürften Mediziner auch in der Pandemie in die Einrichtung kommen, wenn sie angefordert würden. Für die Mitarbeiter gebe es strenge Hygieneauflagen, darunter das durchgehende Tragen von FFP2-Masken, außer etwa im eigenen Büro. Die Heimaufsicht habe jetzt eine Schließung des Heims für Besucher bis einschließlich 12. Januar verfügt, teilt Rahner mit. „Es wird erst wieder geöffnet, wenn die Tests komplett negativ ausfallen.“
„Oberhammer“ per Post
Für Manuela Fieber ist das kein Trost mehr. Sie wird an dem Trauerfall und seinen Umständen noch zu knabbern haben – zumal am 31. Dezember noch ein „Oberhammer“ gefolgt sei: Da habe sie vom Pflegeheim Post erhalten. „Hier drin befand sich ein Schreiben an meinen Vater von der Stadtverwaltung vom 22. Dezember, frankiert am 28. Dezember, mit der Mitteilung, dass sich mein Vater vom 5. Dezember bis zum 19. Dezember in Quarantäne begeben soll, da er Kontaktperson der Kategorie 1 sei. Das Gesundheitsamt habe die Stadt erst am 21. Dezember informiert.“ Ihr Vater sei ohnehin schon in Quarantäne gewesen, das Schreiben zu diesem Zeitpunkt habe „mit der Fähigkeit des logischen Denkens nichts zu tun“, urteilt die Tochter. Sie sagt: „Ich hoffe, dass es bei Personen, die sich draußen frei bewegen können, nicht zu solchen zeitverzögerten Informationen kommt, denn sonst sind wir der Pandemie völlig ausgeliefert.“
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Schlecht und gut
Auch wenn die Kommunikation im Fall eines Todesopfers kurz vor Silvester beim Awo-Seniorenhaus Burgfeld fehlerhaft war – was sehr ärgerlich ist: Nach außen hin erklärt die Einrichtung die Zusammenhänge gut, duckt sich bei Presseanfragen in unangenehmen Corona-Angelegenheiten nicht weg. Andere Seniorenheime in der Region könnten sich daran ein Beispiel nehmen.