Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Streit auf einem Auge blind: Streit landet vor Gericht

Faust eingesetzt: Streit wegen Drogengeschäft.
Faust eingesetzt: Streit wegen Drogengeschäft.

Nach einer Schlägerei in der Bahnhofstraße hat ein Mann die Sehkraft auf einem Auge verloren. Jetzt wird der Fall vor Gericht aufgearbeitet. Noch gibt es Unklarheiten.

Vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts war ein 51-Jähriger aus Speyer angeklagt. Er soll zusammen mit einem Mittäter im März 2022 einen 30-Jährigen mit Fäusten traktiert haben, wobei dieser am Auge so schwer verletzt wurde, dass dieser die Sehkraft an diesem Auge fast komplett verloren hat. Er kann gerade noch Helligkeit und schemenhafte Bewegungen erkennen. Die Aufklärung entwickelte sich zum Durcheinander: Was genau hat sich abgespielt, wer hat zugeschlagen, wer hat das Opfer festgehalten – oder haben beide zugeschlagen?

Der Verletzte wurde als Zeuge insgesamt vier Mal vernommen, zuletzt jetzt vor dem Schöffengericht. Vier Mal waren laut Beweisaufnahme seine Aussagen jeweils ein wenig anders. Der Angeklagte, der von Rechtsanwalt Matthias Scheller verteidigt wird, schwieg zum Tathergang, der Verletzte hat Nebenklage erhoben, die von Rechtsanwalt Tobias Hahn vertreten wird.

Was sich zugetragen haben soll

Wovon die Anklage ausgeht: Am 19. März 2022 nachmittags wollte der später Verletzte von dem Angeklagten und seinem Mittäter ein wenig Cannabis kaufen für zwei Joints. Offenbar hatten sie sich dazu verabredet. Der eine sei im schwarzen Mercedes vorgefahren (an das Automodell erinnerte sich das Opfer sehr genau), der andere sei zu Fuß oder per Fahrrad dazugekommen.

Es entstand ein Streit über den Preis, daraus wurde „Herumgeschubse“ nach den Worten des Verletzten, dann sei er vom Angeklagten spontan an den Armen festgehalten worden, während der andere ihn mit den Fäusten überall traktiert habe. Dabei gab es diesen verhängnisvollen Schlag aufs Auge mit der Folge der Netzhautablösung, die trotz mehrerer Operationen zu fast völliger Erblindung auf diesem Auge führte.

Mittäter vor Gericht kein Unbekannter

Im Laufe der weiteren Vernehmung gab es die Aussage, beide Männer hätten zugeschlagen. Zur Erklärung meinte der Zeuge, er könne sich jetzt eben besser erinnern als unmittelbar nach der Tat. Der Mittäter stand bereits im Herbst 2024 in Frankenthal vor Gericht, aber nicht direkt wegen dieser Sache. Deshalb war sowohl sein damaliger Verteidiger, der Mannheimer Rechtsanwalt Steffen Michael Kling, im aktuellen Verfahren Zeuge, als auch der Richter beim Amtsgericht Frankenthal. Beide hatten, geübt kurz und knapp, zu diesem Verfahren nichts Erhellendes beizutragen. Der Vorfall in Speyer habe keine Rolle gespielt, soweit man sich überhaupt an Details erinnere.

Dann allerdings brachte Verteidiger Scheller noch eine Neuigkeit auf, die er in letzter Minute erfahren habe: Der Streit hatte sich in der Bahnhofstraße abgespielt, direkt vor einer Spielhalle mit Café. Ein Verantwortlicher des Cafés habe den Vorfall durchs Fenster sehen müssen. Er sitze allerdings derzeit im Gefängnis in Frankenthal. Ein sofortiger Transport nach Speyer war organisatorisch nicht möglich und musste auf den nächsten Verhandlungstermin am 11. Juni verschoben werden. Scheller erinnerte außerdem an einen Streit zwischen Angeklagten und Opfer bereits 2018 im damaligen Restaurant des Angeklagten – womöglich seien also Rachegelüste im Spiel ...

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