Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Missbrauchsvorwürfen: Erzieher verlassen Kita

Kita: In einer Speyerer Einrichtung werden Schutzkonzepten ausgebaut.
Kita: In einer Speyerer Einrichtung werden Schutzkonzepten ausgebaut.

Die katholische Kita St. Christophorus in Speyer hat turbulente sechs Monate hinter sich. Drei Anzeigen gegen zwei Erzieher hat es wegen sexueller Übergriffe gegeben. Erhärtet hat sich der Verdacht in keinem Fall. Folgen hatten sie trotzdem.

Drei Familien haben gegen zwei männliche Erzieher in der Speyerer Kita St. Christophorus Anzeige erstattet, berichtet Paul Nowicki, Vertreter der Dompfarrei Pax Christi im RHEINPFALZ-Gespräch. Anfang März sei zunächst eine Mutter zur Polizei gegangen, nachdem ihr damals dreijähriges Kind Anzeichen für Übergriffe gezeigt und entsprechende Details erzählt habe.

Unmittelbar danach sei der beschuldigte Erzieher mit sofortiger Wirkung freigestellt worden, erklärt Juristin Hanna Walter, im Bischöflichen Rechtsamt zuständig für die Klärung alter und aktueller Missbrauchsfälle, das Verfahren „zum Schutz des Kindes und des Mitarbeiters“. Sie habe von dem Vorwurf sexueller Übergriffe zunächst eines Erziehers am 9. März erfahren. Der Staatsanwaltschaft sei er am 17. März gemeldet worden. Sie habe sofort Stadt und Landesjugendamt informiert.

Von Vorwürfen entsetzt

„Wenn die Eltern keine Anzeige erstattet hätten, hätten wir es getan“, betont die Juristin. „Wir wollen nichts mehr unter den Teppich kehren.“ Über die Schuldfrage entscheide die Staatsanwaltschaft. Die Abteilung „K2“ der Ludwigshafener Polizei sei auf sexuellen Missbrauch an Kindern spezialisiert. Unter Berücksichtigung des Alters habe sie eine Expertin aus Nordrhein-Westfalen für die Vernehmung des Kindes angefordert.

Ihm sei es „kalt den Rücken herunter gelaufen“, als die Eltern den Vorfall aus Sicht ihres Kindes geschildert hätten, berichtet Nowicki. „Ich war ganz bei dem Kind und ganz bei dem Mitarbeiter“, berichtet er von einem Konflikt. Zwei weitere Anzeigen gegen zwei männliche Erzieher der Einrichtung seien später hinzugekommen. Jede Seite sei auf ihre Weise glaubwürdig gewesen. Den Eltern habe er professionelle Beratungsmöglichkeiten vermittelt. Mit deren Erklärung, die Kinder fühlten sich nach wie vor wohl, hätten sie die Kita weiterhin besucht. Das Kind aus der dritten Familie geht laut Nowicki mittlerweile zur Schule.

Die betroffenen Mitarbeiter seien „am Boden zerstört“ gewesen, schildert er deren Entsetzen über den Vorwurf sexueller Übergriffe. Die Freistellung habe auf sie wie eine Vorverurteilung gewirkt, „obwohl das keineswegs so ist“, betont Nowicki. „Angezeigt wird der Sachverhalt, nicht die Person“, bestätigt auch Juristin Walter.

Im Kita-Alltag gilt für alle Erzieher die Regel, dass sie nicht alleine mit Kindern in einem Raum sein dürfen, erklärt Nowicki. In der Praxis lasse sich so eine Situation aber nicht immer vermeiden, etwa, wenn es ums Wickeln oder den Toilettengang gehe. Jedem Kind sei außerdem ein Erzieher oder eine Erzieherin als Ansprechpartner oder -partnerin zugeteilt.

Erzieher verlassen Kita

Im Fall der beiden männlichen Erzieher in St. Christopherus haben sich der Worwürfe letztlich nicht erhärtet, berichtet Jurstin Walter. Die Staatsanwaltschaft habe deshalb die Ermittlungen im März eingestellt. „Damit sind sie vom Vorwurf sexueller Übergriffe ohne Verhandlung freigesprochen.“ Das Angebot, wieder in das Erzieherteam einzusteigen, haben die Männer jedoch nicht angenommen, berichtet Nowicki. Beide hätten die Einrichtung auf eigenen Wunsch verlassen.

„Die Vorkommnisse haben uns zum Nachdenken gebracht“, sagt Nowicki. Das Kita-Team habe die sechs Monate währende Ausnahmesituation gemeinsam mit einem externen Experten aufgearbeitet. Bereits erarbeitete Schutzkonzepte sollen laut Walter weiterentwickelt werden, „jederzeit für Eltern einsehbar“, betont sie. Die Dompfarrei wolle zudem bis 2024 ein institutionelles Schutzkonzept für alle Generationen entwickeln.

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