Speyer
Nach dem Großbrand: Erst wird rasiert, dann tapeziert
Nein, in den Betrieb gestartet ist nicht der „Blumenladen“, in dem in jener Dezembernacht das Feuer ausgebrochen war. Hier kann die Eigentümerfamilie noch keine Aussage dazu treffen, ob und wann es eine Wiedereröffnung gibt, wie Sohn Alexander Walch erklärt. Licht brennt jedoch wieder im „Anwr“-Barbershop in der Roßmarktstraße 38, der direkt an das Brandhaus anschließt und zunächst ebenfalls geschlossen bleiben musste. Am 1. März konnte Anwr Mustafa den Friseurladen für Männer, Frauen und Kinder öffnen. Der Neustart-Termin habe nach dem Brand bis zuletzt in der Schwebe gehangen, sagt er.
Vier der fünf Frisierplätze stehen, die Decke ist gestrichen, alles gründlich gereinigt. Inhaber Mustafa und zwei Mitarbeiter freuen sich montags bis freitags von 9 bis 19, samstags bis 18 Uhr über jeden Kunden. Er sei sehr erleichtert über die Freigabe seines Geschäfts und der darüber gelegenen Wohnung Anfang März, betont Mustafa. Die erste Woche hätten sie ohne Heizung überstanden, inzwischen sei es warm, berichtet der Friseur von schneller Hilfe nach dem wochenlangen Warten auf die Rückkehr. Seit Dezember habe er mit Frau und Kind in einer Ferienwohnung gelebt, erzählt Mustafa. „Wir wurden von allen Seiten unterstützt“, sagt er und dankt.
Möbel fehlen noch
Der Barbershop-Inhaber hofft, dass in einem Monat auch der fünfte Frisierplatz fertiggestellt ist. Noch ist die Wand drumherum nicht tapeziert und der kleine Nebenraum unrenoviert. „Bis dahin haben wir wohl auch die Möbel in unserer Wohnung, die wir noch brauchen.“ Mit der Vermieterin sei er im Gespräch, betont der Geschäftsmann. Er sei froh, die Bedingungen des Fünfjahresvertrages nun wieder erfüllen zu können, sagt er.
Geschäft und Wohnung waren nach dem Brand über Nacht unbewohnbar geworden. Wochenlang habe sich beißender Geruch in den Räumen gehalten, der Brandschutz habe das Betreten des Hauses verboten, berichtet Mustafa. Vor der Geschäftseröffnung im September habe er für Renovierung und Ausstattung viel investiert. Jetzt habe er Pandemie-bedingt zusätzlich einen Luftreiniger angeschafft. „Es geht langsam vorwärts“, so der syrische Flüchtling.
Sanierung läuft
Ähnlich sieht das auch die Familie Schultz/Walch, der das eigentliche Brandhaus gehört. „Aktuell laufen in der Roßmarktstraße 39 die Sanierungsarbeiten an. Das wird einige Zeit dauern. Der Abschlusszeitpunkt ist offen“, sagt Alexander Walch auf Anfrage. Zunächst sei es darum gegangen, den Schutt aus dem Gebäude zu entfernen, jetzt werde das Dach des Brand- und Nachbarhauses neu erstellt. Die Bausubstanz könne erhalten bleiben, das sei geklärt. Die Polizei hatte den Sachschaden nach dem Feuer – Ursache: technischer Defekt – mit rund 300.000 Euro beziffert. Für die Brandbekämpfung und die Gebäudesicherung waren rund 50 Feuerwehrleute sowie 30 Angehörige des Technischen Hilfswerks mehr als einen Tag lang im Einsatz gewesen.