Speyer
Nabu-Aktion „Stunde der Wintervögel“: Gefiederte Stammgäste und Überflieger
Gleich bei der Ankunft am Haus von Cornelia Osterhorn und Walter Kreb im Speyerer Süden nahe der Rheinhäuser Straße fällt Jürgen Walter der Ruf eines „Neubürgers“ der hiesigen Vogelwelt auf. „Das ist ein Halsbandsittich“, sagt der Biologe aus Harthausen. Gerne hat sich der Naturschützer bereiterklärt, am Samstagmorgen mit dem Speyerer Christoph Kohler und dessen Frau Brigitte Behnke auf dem Grundstück des Ehepaares eine Stunde lang wildlebende Vögel zu zählen.
Die grünen Halsbandsittiche sind ursprünglich in Afrika und Asien heimisch. In Deutschland haben sich, so die Annahme, einige Exemplare der Papageienart in den 1960er-Jahren aus der Gefangenschaft befreit und in freier Wildbahn etabliert. In Speyer werden sie immer zahlreicher, wie Ergebnisse der Aktion „Stunde der Wintervögel“ des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) zeigen.
40 Kanadagänse am Himmel
Zu den Neozoen, wie Experten gebietsfremde Tiere nennen, gehört auch die Türkentaube. Die aus Asien stammende Art ist in der Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland aufgetaucht. Bis zu sechs Exemplare der Türkentaube lassen sich zeitgleich im Garten von Cornelia Osterhorn und Walter Kreb sehen. Christoph Kohler notiert den Spitzenwert für diese wie auch für die anderen Arten, die sich binnen einer Stunde in dem Garten zeigen, etwas von sich hören lassen oder die über das Grundstück hinwegfliegen. Der Speyerer übernimmt es auch, die Ergebnisse dem Nabu zu melden.
Zu den Überfliegern zählt ein Trupp Kanadagänse. Mit ihren lautstarken Rufen haben ungefähr 40 von ihnen die Beobachter hinter den großen Fenstern des Wohnzimmers auf sich aufmerksam gemacht. Die größte Gänseart Europas stammt, wie ihr Name verrät, aus Nordamerika und gehört damit ebenfalls zur Gruppe der Neozoen. Für diese „Stunde der Wintervögel“ ist die Aufzählung der „Neubürger“ damit vollständig.
14 Arten im Garten
Cornelia Osterhorn hat knapp einen Meter vor einem der Wohnzimmerfenster in rund zwei Metern Höhe ein großes Futterhäuschen aufgehängt und mit geschälten Sonnenblumenkernen befüllt. Dieses Angebot und das gelegentliche Ausstreuen getrockneter Mehlwürmer lockt zahlreiche heimische Vögel an: neun Stare, sechs Kohlmeisen, vier Grünfinken, zwei Buchfinken, zwei Amseln, eine Blaumeise, einen Buntspecht, eine Rabenkrähe, ein Rotkehlchen und einen Mäusebussard. Mit den Vertretern der genannten drei Neozoen sowie einem Graureiher im Überflug kommen so mehr als 70 Vögel aus 14 Arten zusammen. Im Schnitt waren es in Speyer anno 2024 knapp mehr als 30 Exemplare pro Zählgebiet.
„Wir lassen alte Bäume stehen, beispielsweise eine Weide. Nur Äste, die gefährlich sind, säge ich ab“, sagt Walter Kreb. In dem Totholz leben Insekten, auf die Vögel wie Buntspechte und Stare angewiesen sind. Auf eines der großen Fenster hat Kreb eine Folie mit schwarzen Punkten geklebt, die Vögel zuverlässig davon abhalten, gegen die Scheibe zu fliegen. „Früher ist das ohne diesen Schutz öfter passiert“, sagt er.
Seit der Vorkehrung am Fenster kommen Vögel auf dem Grundstück nur noch durch natürliche Ursachen ums Leben. „Ein Sperber reißt immer wieder mal eine Taube“, sagt Cornelia Osterhorn. Auch andere Greifvögel schlagen hier und da bei der großen Auswahl zu. Davor gefeit, von anderen Vögeln gefressen zu werden, sind auch Haussperlinge nicht. Die in Speyer zu den zahlreichsten Vögeln zählenden Spatzen kommen zwar nicht im hinteren Garten des Ehepaares vor, weshalb sie nicht im Meldeergebnis für den Nabu erscheinen. Dafür sind sie Stammgäste im Vorgarten. An diesem kalten Samstagmorgen sind sie aber offenbar andernorts zu finden.
