Speyer „Musik gehört zur Weihnachtszeit“

Instrumental: die Lingenfelder Dorfmusikanten.
Instrumental: die Lingenfelder Dorfmusikanten.
„Ihr Kinderlein kommet“ als Rap

«HARTHAUSEN.»Die Atmosphäre beim Weihnachtsmarkt in Harthausen spricht eine deutliche Sprache: Die Verlegung in den Malerwinkel im vergangenen Jahr war eine fantastische Idee. Aus einem Baumstamm flackert ein Lagerfeuer, dicht an dicht gestellte Holzbuden bieten tolles Handwerk und leckere Speisen. Die Kinder der 2b der Karl-Hufnagel-Grundschule stehen bereit. „Es ist Zeit zu spielen in der Weihnachtsliederband“, singen sie und untermalen das Ganze mit Rhythmusgerät. Rote Zipfelmützen auf den Köpfen wippen und das Publikum geht mit. Kinderstimmen zum ersten Advent erfreuen die Besucher. Altes verpackt der Nachwuchs mit Lehrkraft Alexandra Zeiler in ein neues Kleid. So wird „Ihr Kinderlein kommet“ im Rap-Stil vorgetragen. Schaumküsse und Schnäpse, Futtertöpfe und Feuerwurst, Crêpes und Kesselgulasch sind zu entdecken. Edith Engel passt mit ihrem Namen und ihrem Stand mit Teelichthaltern und Sternenleuchten gut ins vorweihnachtliche Bild. „An Heiligabend wird bei uns noch gesungen“, sagt sie. Allerdings nicht mehr in dem Maße wie früher. „Alle Jahre wieder“ und „Tochter Zion“ mag Engel bis heute gerne. Ortsbürgermeister Harald Löffler (CDU) erinnert sich an die Zeit, als seine Mutter noch lebte: Ohne Gesang keine Bescherung, lautete das ungeschriebene Gesetz. Zeit nimmt sich Löffler heuer immer noch, um seine Hammondorgel auszupacken und ein, zwei Stunden zu spielen – für sich ganz allein. Dass die „Stille Nacht“ dabei mal rockiger ausfallen kann, ist durchaus drin. Neuer Platz, schönere Atmosphäre «LINGENFELD.»In Lingenfeld gehört für Maren Hartenstein „Oh Tannenbaum“ fest dazu, wenn sie mit ihren Kindern Weihnachtslieder singt. Sie betreut mit Katja Bayer und Christina Guth am Eröffnungsabend des Weihnachtsmarkts den Stand der Kita St. Martinus. Marktbesucherin Margitta Hoffmann hat ähnliche Erinnerungen wie der Harthausener Ortschef: „Bei uns daheim gab es keine Bescherung ohne Musik.“ Sie selbst hat am Samstagabend schon ihren gesanglichen Beitrag zum Spiel des Drehorgelmannes Richard Lechnauer geleistet. „Kling Glöckchen“ und „Ihr Kinderlein kommet“ wurden geschmettert. Wer lieber inaktiv in Weihnachtsstimmung kommen will, kann den Lingenfelder Dorfmusikanten lauschen. Instrumentalversionen von „Leise rieselt der Schnee“ und „Oh du Fröhliche“ hat das Ensemble, dirigiert von Krissy Knaack, mitgebracht, wie Saxofonisitin Cara (16) und Klarinettistin Johanna (17) berichten. Der Vereinsvorsitzende Holger Kronschnabel betont: „Ich finde es wichtig, dass das Musizieren an Weihnachten aufrecht erhalten wird - live gespielt, nicht aus der Konserve.“ Weihnachtliche Klänge erfüllen vom toll dekorierten Brunnen aus den Platz vor dem Rathaus. Die Verlagerung dorthin hat dem Flair des Weihnachtsmarkts in seinem 35. Jahr gut getan. Gemeinsam singen und freuen «HANHOFEN.» In Hanhofen trifft vor der katholischen Kirche tiefer Bass auf hellen Sopran, wenn es heißt „Hanhofen singt“. Klein und fein ist der Markt in der 2500-Seelen-Gemeinde, in der am Samstagabend adventliches Leben herrscht. „Musik gehört zur Weihnachtszeit dazu“, macht Bernhard Steigleider, Vorsitzender des MGV Hanhofen, deutlich. Der Gesang werde rund ums Fest zu wenig gewürdigt. „Deshalb laden wir ein zum Zuhören und Mitmachen“, sagt Steigleder und zieht lächelnd ein Liedblatt hervor. Neben Altbekanntem ist dort der Text des Rolf-Zuckowski-Klassikers „In der Weihnachtsbäckerei“ zu lesen und auch „Jingle Bells“ verspricht sangesfreudige Minuten. Generationenübergreifend wird frohlockt vor der Kirche, was Bürgermeisterin Friederike Ebli (SPD) auch aus dem Familienkreis so kennt. Dort wird der Brauch zum Fest aufrecht erhalten. Damit steht sie nicht alleine. „Bei uns wird an Weihnachten noch richtig gesungen“, verrät Silke Aschbacher und strahlt, als sie ergänzt: „Wir zelebrieren das.“ Traditionelles Liedgut wird ausgepackt. „In den letzten Jahren hat sich ,Last Christmas’ eingeschlichen und bei ,Feliz Navidad’ wird gerockt“, plaudert Aschbacher aus dem Nähkästchen. Einfach schön sei es, gemeinsam mit der Familie nach dem Essen zu singen. Alle seien mit Spaß dabei. Zum Mitsingen angeregt «Römerberg.» Bereits vor Einbruch der Dunkelheit sorgen Hobbykünstler und -konditoren sowie Projekt-Unterstützer am Samstag rund um katholische Kirche und Zehnthaus in Berghausen für weihnachtliche Stimmung. Weihnachtslieder aus aller Welt erklingen, Tannenzweige und Lichter schmücken die Holzbuden, zwischen denen sich das Kinderkarussell unablässig dreht. Hölzerne Elche, Wichtel aus Papier oder selbst hergestellte Schmuck-Unikate wechseln die Besitzer, Pralinen mit und ohne Alkohol, Waffeln der Weiberbraten-Vereinigung und Kaffee und Kuchen im Zehnthaus gehören zu Höhepunkten im kulinarischen Angebot, mit dem Jugendfeuerwehr, KJG. Pfälzerwald- und Fußballverein die zahlreichen Besucher verwöhnen. Musikalisch gibt es neben Weihnachtshits vom Band an beiden Weihnachtsmarkt-Abenden jeweils ein Platzkonzert des Musikvereins Berghausen. Die alten, wohl bekannten Lieder regen die Umstehenden am ersten Adventswochenende zum Mitsingen und auch zur Teilnahme an der „Nacht der Lichter“ in der Pfarrkirche an. Wie Sterne leuchten die Kerzen im Glas, die Familie Schneider zugunsten eines Babykrippen-Projekts in Chile anbietet. Zur Unterstützung der Mukoviszidose-Gesellschaft haben Berghausener Frauen der Familie Jester-Zürker niedliche, kuschelige Teddybären genäht, die sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt erfreuen. Am Sonntag steigt die Speyerer Stadtjugendkapelle in das musikalische Weihnachtsmarkt-Programm ein. Mit stimmungsvollen Liedern lässt der MV Berghausen den diesjährigen Weihnachtsmarkt am ersten Advent ausklingen. Rote Teufel in Adventsstimmung «WALDSEE.» Ganz schön viel los, ist der erste Eindruck vom Winterdorf am Samstagnachmittag. Unzählige Autos und Fahrräder säumen die Straße an dem mit Lichterketten geschmückten Vereinsheim des FCK-Fanclubs Westkurve 80 Waldsee. Zum zweiten Mal haben die Fußballfreunde ein Winterdorf aufgebaut. „Da es keinen Weihnachtsmarkt mehr in Waldsee gibt, wollten wir den Leuten eine Alternative bieten“, erklärt Mitorganisator Steffen Renner. Offenbar haben sie den richtigen Nerv getroffen. Vor dem Schafstall, der ein bisschen Krippenatmosphäre vermittelt, spielen die Kinder und wärmen sich zwischendurch am knisternden Lagerfeuer. Alle Kleinkinder haben ein Geschenk bekommen. Die Erwachsenen stehen bei einer Tasse Glühwein und Bratwurst oder Gyros beisammen und unterhalten sich. Nicht ganz so viele Kunsthandwerker wie im vergangenen Jahr sind zu Gast, doch es gibt schöne Holzarbeiten, Aquarelle und Tiere aus Metall zu bestaunen. Und für die Fußballfans gibt es Fanartikel. Bis 23 Uhr stehen die Besucher bei entspannter Musik am Lagerfeuer, danach geht es weiter an der Bar der Untermieter, den Motorradfreunden MC HMTN. „Rundum gelungen. Nächstes Jahr wieder“, ist das Fazit des Fanclubs.

Generationenübergreifendes Singen: „Hanhofen singt“ vor der Kirche.
Generationenübergreifendes Singen: »Hanhofen singt« vor der Kirche.
x