Speyer Muckis und Sprungkraft verhindern Treffer

Placeholder-Image

SPEYER. Von der Bundesliga des Fußballs bis zu dessen Nachwuchsklassen gäbe es weniger Treffer, wenn die Tormänner besser trainiert wären. Dieser Ansicht ist der Speyerer Günter Thomas (65), ehemaliger Profi des 1. FC Kaiserslautern. Daher bereitet er junge Spieler mit der Nummer 1 auf dem Trikotrücken in seiner Torwartschule Vorderpfalz auf ihre Laufbahn vor.

In den langen Jahren seiner Torwart-Karriere als Amateur, Vertrags- und Berufsfußballer bei FSV Schifferstadt, ASV und VfR Speyer, Jahn Zeiskam, Kaiserslautern, Südwest Ludwigshafen und VfR Heilbronn stellte Thomas fest: Nur wenn die Muskelpartien im Rumpf und Oberschenkeln besonders trainiert gut sind, hat ein Tormann, hat eine Torfrau auf Dauer Erfolg. „Was die Sprungkraft betrifft, wäre jeder Gewichtheber und jede Gewichtheberin den meisten Bundesliga-Torleuten überlegen“, sagt Thomas im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Diese steigere nämlich auch die Grundschnelligkeit, die bei der Ballabwehr auf der Torlinie und im gesamten Strafraum unerlässliche Voraussetzung zur erfolgreichen Reaktion. „Die Zeit, dass einer im Training dem Torwart bloß die Bälle um die Ohren haut, ist schon lange vorbei“, findet er. Thomas nahm daher ein ausgiebiges Athletikprogramm in sein Vorbereitungsprogramm auf, bei dem ihn sein gleichnamiger Sohn unterstützt. Zweimal in der Woche jeweils eineinhalb Stunden trainieren derzeit Fußballer aus mehreren Vereinen von der E- bis zur B-Jugend im Gewichtheberraum des AV Speyer, dazu einmal wöchentlich in der großen Sporthalle. Dort baut der 50-malige Auswahlspieler dann eine Erfindung auf, die er „Reaktions-Reflex-Torwart-Trainingswand“ nennt. Das ist im Grunde eine einfache Vorrichtung, die freilich ihre Tücken aufweist, deren Sinn dem Betrachter aber sogleich aufgeht. Denn der hinter dieser über ein Rohrgestänge gezogenen „Wand“, einer 2,90 Meter breiten und 1,70 m hohen Tuchbespannung, lauernde Torwart sieht die darunter oder drüber mit unterschiedlicher Wucht getretenen Bälle erst im letzten Moment. Er braucht dann eine blitzartige Reaktion, will er sie abwehren oder – am besten – fangen. Weil die Bälle unterschiedlich groß sind und zudem auch noch durch die in sich verstellbare „Wand“ fliegen, kommt der Prüfling alsbald gehörig ins Schwitzen. Das bestätigen seit kurzem auch Marcos Cerqueira und Finn Mutschmann von Rot-Weiß Speyer ebenso wie ihre Torwartkollegen Mica Spindler (FC Speyer 09), Eric Steinbach (JFV Vorderpfalz Westheim-Lustadt) und Philipp Winschel vom SV Rülzheim. Als Schlussmann lernte Thomas die Methoden bekannter Trainer kennen. Dazu zählten Klaus Dorndorf und Günter Jansen vom Südwest-Verband, Dettmar Cramer, Udo Lattek, Jupp Derwall, Gyula Lorant, Werner Liebrich, Egon Piechaczek und Frantisek Buffka, ehemals Nationalcoach der CSSR. Ihre Vorstellungen von einem ausgereiften Training des wichtigsten Spielers seiner Fußball-Mannschaft verhalfen dem Speyerer zu einem besonderen Status. Thomas erreichte die höchste Stufe der vom Deutschen Fußball-Bund seit 2013 angebotenen Ausbildung zum Torwart-Trainer im Leistungsfußball. „Das haben bis jetzt erst drei Kollegen aus der Ersten Bundesliga geschafft“, sagt er. Gerry Ehrmann vom 1. FCK sei zum Beispiel keiner davon.

x