Speyer „Motivation, so weiterzumachen“

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Das Bundesverdienstkreuz ist die höchste Auszeichnung, die in Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl verliehen wird. Gestern ist es in Mainz dem Römerberger Paul Neumann überreicht worden. Der 73-Jährige engagiert sich seit den 1980er-Jahren für den Austausch mit Osteuropa. Heuer ist er zum 27. Mal Mitorganisator von Erholungsreisen von Kindern aus Tschernobyl in seine Heimatgemeinde.

Ans Aufhören denkt Paul Neumann noch lange nicht. „Wenn es die Situation erlaubt, möchte ich so lange wie möglich weitermachen“, sagte der 73-Jährige gestern nach der Feierstunde. Er sieht die Auszeichnung vielmehr als Ansporn, sein Engagement weiterzuführen: „Das bestätigt mich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Es ist eine Motivation.“ Neumann wurde 1943 in Ostpreußen geboren. Zwei Jahre später ging das Gebiet infolge des Zweiten Weltkriegs an Polen über, weshalb Neumann zweisprachig aufwuchs: polnisch und deutsch. 1958 ist seine Mutter mit ihm und seinem älteren Bruder nach Berghausen gezogen; sein Vater war im Krieg gefallen. In einer Patentanwaltskanzlei arbeitete Neumann bis zu seinem Ruhestand 2008 als Übersetzer für Russisch und Polnisch. Seine Herkunft spielte wohl auch für Neumanns gesellschaftliches Engagement eine Rolle: Schon 1984 war er einer der Hauptantreiber für eine Partnerschaft zwischen seiner Heimatpfarrei Berghausen und der polnischen Dompfarrei Oppeln. Teil dieser Partnerschaft waren Hilfsgütertransporte für die notleidende Bevölkerung nach Beendigung des Kriegsrecht in Polen. Die Kontakte nach Oppeln bestehen auch heute noch, erzählt Neumann: „Die Begegnung mit unseren Freunden gehört zu den bewegendsten Momenten meines Engagements.“ Die Besuche in Oppeln waren es auch, die den Römerberger auf die Idee brachten, Kinder aus der Region um Tschernobyl in seine Heimat einzuladen. Seit 1990 organisiert Neumann, der auch lange im Pfarrgemeinderat von St. Pankratius Berghausen engagiert war, die Erholungsreisen der weißrussischen Kinder. „Wir sind die älteste Organisation deutschlandweit, die das macht“, erzählt der 73-Jährige nicht ohne Stolz. Er ist zudem Vorsitzender des Sprecherrats der Tschernobyl-Initiativen von Rheinland-Pfalz. Seit fünf Jahren ist Neumann, der auch Träger der Ehrenmedaille des Landes sowie der Pirminius-Plakette des Bistums Speyer ist, Sprecher des Freundeskreises Speyer-Kursk. Dabei plante er unter anderem Austausche zwischen einer ökumenischen Jugendgruppe aus der Domstadt und der russischen Partnerstadt. „Durch die Ukraine-Krise hatten wir Bedenken wegen der Partnerschaft. Aber wir machen weiter. Es ist keine Partnerschaft mehr, sondern eine Freundschaft“, sagt er. Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) überreichte Neumann gestern das Bundesverdienstkreuz im Namen von Bundespräsident Joachim Gauck. Bei der Feier dabei waren seine Frau und die beiden gemeinsamen Söhne mit Familie sowie Vertreter von Kirchen und Kommunalpolitik aus Speyer und Römerberg. |hn

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