Speyer „Mittlerweile wird man auch mal gelobt“

Die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen will die Schnakenbekämpfung im Gebiet der alten VG Dudenhofen verstärken (wir berichteten). Schnakenjäger werden gesucht. Mit dem Römerberger Bauhofleiter René Schall, der die Einsätze koordiniert, sowie zwei seiner freiwilligen Helfer, Karl-Heinz Schreiner und Hermann Häußler, hat sich Timo Leszinski über den Kampf gegen die Stechmücken unterhalten.
Nein Schreiner: Noch nicht, wir warten alle drauf. Häußler: Nein, an uns gehen die Schnaken nicht. (lacht) Wie schützen Sie sich bei Einsätzen vor Schnaken? Schall: Es gibt kein Wundermittel. Als Schnakenbekämpfer greift man nur im Extremfall zu Autan oder ähnlichem. Wir sind vielleicht etwas abgehärteter. Mal ein Stich gehört dazu. Wir tragen entsprechende Kleidung mit langen Ärmeln und lange Hosen. Dann gibt es weniger Angriffsfläche. Häußler: Viel Knoblauch hilft auch. Schreiner: Ja, dann kommt derjenige aber auf den Hänger (lacht). Erinnern sich die Älteren unter Ihnen noch, wie es vor der Gründung der Kabs war? Häußler: Oh ja. Beim Fußballspielen hat man damals keinen Trainer gebraucht. Wenn man einen Schnakenschwarm gesehen hat, ist man automatisch gesprungen. Und bevor man ins Bett gegangen ist, hat man erst mal Schnaken gefangen. Schreiner: Ich habe das auch erlebt. Die Bilder, die die Kabs manchmal von verstochenen Armen zeigt, sind keine Fotomontagen. Schall: Die meisten haben noch keine richtige Schnakenplage erlebt. Für viele ist es schon der Horror, wenn mal fünf, sechs Schnaken auftauchen. Letztes Jahr waren es auch mal 20. Das war für viele ein Grund, fluchtartig das Gelände zu räumen. Ohne Schnakenbekämpfung reden wir von 200 und mehr auf einmal. Wir haben die Population schon eingedämmt, aber sicher nicht so, dass man Angst haben muss, dass es irgendwann keine Schnaken mehr gibt. Die Eier können im Boden Jahrzehnte überdauern. Wenn eine Hochwasserwelle hier durchkäme, die wir nicht bekämpfen, hätten wir 20 Jahre lang mit den Folgen zu tun. Da kämen Massen an Schnaken, das ist unvorstellbar. Da hilft auch kein Autan mehr. Wie ist dieses Jahr bisher aus Schnaken- beziehungsweise Schnakenbekämpfersicht gelaufen? Schall: Bis jetzt ist es ein ruhiges Jahr. Wir haben erst zwei Einsätze gehabt. Es gab ein kleines Hochwasser von 4,06 Meter. Bei vier Metern beginnen wir mit unseren Einsätzen. Nach dem vergangenen Jahr wäre ein ruhiges Jahr ganz gut, aber man kann noch keine Aussage treffen. Nächste Woche kann es ganz anders aussehen. Ich erinnere mich an 2013, da hatten wir nach mehreren Tagen Regen ein Hochwasser von acht Metern. Wir sind vom Wasserstand des Rheins abhängig. Ein Unwetter in der Bodenseegegend reicht da schon aus. Im Bereich Dudenhofen ist die Situation hingegen davon abhängig, wie viel Wasser die Bäche aus dem Pfälzerwald führen. Schreiner: Ich bin kürzlich den Auwald abgelaufen. Gott sei dank ist alles noch sehr trocken und friedlich. Wie läuft so ein typischer Einsatz der Schnakenbekämpfer ab? Schall: Es beginnt mit einem Auftrag von der Kabs in Speyer, wenn das Hochwasser über vier Meter liegt. Telefonisch werden dann die ersten Maßnahmen besprochen. Die Mitarbeiter machen sich ein Bild vor Ort und schauen, ob schon Larven schlüpfen. Am nächsten Tag gehen wir dann wenn nötig zu Fuß mit den Rückenspritzen raus. Größere Flächen melden wir an die Kabs, die dem Hubschrauber den Einsatzauftrag gibt. Wir bekommen das Eisgranulat geliefert und laden es in den Hubschrauber. 24 Stunden später gibt es eine Nachkontrolle, ob noch Larven im Wasser sind. In der Dudenhofener Gegend haben wir keinen Rheinpegel, an dem wir uns orientieren können. Da muss ich mich auf die Mitarbeiter vor Ort verlassen, die die Situation im Auge behalten. Wie fit muss man als Schnakenbekämpfer sein? Schreiner: Es darf einem nichts ausmachen, mehrere Stunden in unebenem Gelände unterwegs zu sein. Die Rückenspritze wiegt auch fast zehn Kilogramm. Das ist schon ziemlich anstrengend. Die Alten sind ganz schön kaputt abends. Häußler: Die Jungen aber auch. Man muss schon fit sein. Und man darf nicht vergessen zu trinken. Gibt es eine Altersgrenze? Schall: Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Das müssen wir aus Sicherheitsgründen einhalten. Nach oben gibt es im Prinzip keine Grenze. Als Leiter muss man aber natürlich beobachten, ob die Mitarbeiter noch fit genug sind. Wenn jemand einen Schwächeanfall hat, ist das auch eine Gefahr für andere. Ich mache das jetzt seit 16 Jahren. Größere Unfälle gab es – toi, toi, toi – noch keine. Häußler: Außer, wenn mal einer ins Wasser gefallen ist. Schall: Durch die Auwald-Renaturierung sind auch neue Gefahren entstanden. Äste können runterbrechen und Mitarbeiter verletzen. Wir müssen schauen, ob in ein paar Jahren das Risiko nicht zu groß ist für Einsätze zu Fuß. Welche Eigenschaften sind noch gefordert? Schall: Zuverlässigkeit ist das A und O. Wenn eine Hochwasserwelle kommt, brauche ich viele Helfer. Wir versuchen genügend zu haben, dass wir uns aus einem Pool bedienen können, weil die Leute ja auch mal in Urlaub sind. Häußler: Teamfähigkeit braucht man auch. Schall: Wir haben gerade fünf, sechs neue Mitarbeiter bekommen. Die erhalten zwar eine Schulung, lernen müssen sie es aber bei Einsätzen vor Ort. Warum soll die Schnakenbekämpfung im Raum Dudenhofen, Harthausen, Hanhofen verstärkt werden? Schall: Vor der Fusion 2014 hat die Kabs in der Dudenhofener Gegend nur Waldmücken bekämpft. Letztes Jahr haben wir gemerkt, dass es dort auch Rheinschnaken gibt und Handlungsbedarf besteht. Deshalb haben wir einen Aufruf gestartet. Es kann passieren, dass wir gleichzeitig in Römerberg und Dudenhofen gebraucht werden. In Harthausen oder Hanhofen soll es einen zweiten Stützpunkt geben und auch ein zweites Fahrzeug soll kommen. Wir sind aber noch in der Findungsphase. Herr Schreiner, Herr Häußler, wie sind Sie eigentlich zur Schnakenbekämpfung gekommen? Was ist das Schöne daran? Schreiner: Ich bin vor rund zwei Jahren einem Aufruf gefolgt. Das hat mich angesprochen, weil ich eben weiß, wie es früher war und wie sich durch Kabs die Situation verbessert hat. Es ist ein schönes Gefühl, in der Natur zu sein, zu sehen, wie sie sich verändert. Das ist auch gut für die Psyche. Häußler: Man bleibt fit und braucht nicht ins Fitnessstudio. Die Kameradschaft ist schön. Und die Natur: Man sieht so viele Dinge, die man vorher nie gesehen hat. Schreiner: Derzeit wird man viel angesprochen, weil das letzte Jahr als Plage empfunden wurde. Häußler: Mittlerweile wird man auch mal für seine Arbeit gelobt. Früher war das nicht so. Kontakt Wer bei der Schnakenbekämpfung in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen helfen möchte, kann sich bei der Verbandsgemeindeverwaltung melden: Uwe Wagner, Telefon 06232 656-125, E-Mail: uwe.wagner@vgrd.de.