Speyer Mitglieder von Amnesty International Kämpfen für Abschaffung der Todesstrafe
Es ist bitterkalt, der Weihnachtsmarkt ist überfüllt. Sieben Mitglieder der Speyerer Amnesty-International-Gruppe verteilen Informationen und Petitionen gegen unmittelbar bevorstehende Vollstreckungen der Todesstrafe an Verurteilte im Iran, in Kenia, Gambia und Simbabwe.
Passanten, die sich aus ihrer Wohlfühlzone bewegt haben, um sich mit bereits vollzogenen und anstehenden staatlichen Hinrichtungen im 21. Jahrhundert zu beschäftigen, unterschreiben, manche spenden. Sprecherin Veronika Ziegler wird nicht müde, Sachverhalte zu erklären. Wie sie tragen alle Mitglieder gelbe Woll-Stirnbänder. „Von meiner Mutter gestrickt“, weist Ziegler auf familiäre Unterstützung ihres langjährigen Engagements für Amnesty International hin.
Ortsgruppe besteht seit zehn Jahren
Jede Hinrichtung – für Ziegler ist die Todesstrafe staatlich gerechtfertigter Mord – bedeute einen Rückschlag für die Speyerer Ortsgruppe. Gerade wurde ein Brief an die Administration von Belarus geschickt, der die Verantwortlichen auffordert, die inzwischen im einzigen europäischen Land noch vollzogene Todesstrafe abzuschaffen und entsprechende Urteile in Haftstrafen umzuwandeln.
Seit zehn Jahren setzt sich die Speyerer Gruppe für die Freilassung Raif Badawis aus Saudi-Arabien ein. Für Veröffentlichungen kritischer Artikel im Internet wurde er zu zehn Jahren Haft, 1000 Peitschenhieben, einer Million Saudi-Riyal Geldstrafe sowie lebenslangem Ausreise- und Internetverbot verurteilt. Trotz zahlreicher Aktionen auch der Speyerer Amnesty-International-Gruppe sei Badawi noch nicht frei, räumt Ziegler ein. Noch hofft die Aktivistin auf ein glückliches Ende dieser Geschichte.
Sichtbares Zeichen
Mittlerweile haben sich die Speyerer der Aktion „Cities for Life – Städte für das Leben – Städte gegen die Todesstrafe“ angeschlossen. „Todesstrafe stoppen. Jetzt“ steht auf gelben Spruchbändern, die den Amnesty-International-Stand umgeben. Alte Münze und Bürgerbüro sind wie in jedem Jahr am 30. November, dem Tag für das Leben gegen die Todesstrafe, blau angestrahlt, für die Ortsgruppe sichtbares Zeichen ihrer Haltung zur Todesstrafe. „Wir sind sehr dankbar für die große Unterstützung der Stadt“, betont Ziegler die enge Zusammenarbeit von Gruppe und Verwaltung, wenn es um die Abschaffung der Todesstrafe geht, die auch heute noch in Ländern wie den USA, China, Iran, Somalia, Thailand oder Nordkorea vollzogen wird.
Erst vor wenigen Wochen ist das Todesurteil einer jungen Iranerin in eine Haftstrafe umgewandelt worden. Die Speyerer sind froh und erleichtert über diesen Erfolg. „Aber bis niemand mehr vom Staat hingerichtet wird, gibt es noch viel für uns zu tun“, betont Ziegler.
Über mehr Interesse der Weihnachtsmarkt-Besucher hätten sich die Gruppenmitglieder gefreut. „Andererseits sind die, die zu uns gekommen sind, wirklich betroffen.“ Ziegler und ihre Mitstreiter geben die Hoffnung nicht auf, dass sich mehr und mehr Speyerer gegen die Todesstrafe wenden. Wer sich für die Arbeit der Speyerer AI-Gruppe interessiert, kann zum nächsten Treffen am 31. Januar um 18 Uhr ins Gemeindezentrum St. Hedwig, Heinrich-Heine-Straße 8 gehen, sich unter www.amnesty-speyer.de im Internet informieren oder eine E-Mail an amnesty-speyer@web.de schreiben.