Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Pirminus-Plakette ausgezeichnet: Was Gottesdienste für Helma Rieser bedeuten

Speyer, Jahrzehnte beim KAB engagiert, Helma Rieser wurde vom Bischof mit der Pirminius-Plakette ausgezeichnet
Speyer, Jahrzehnte beim KAB engagiert, Helma Rieser wurde vom Bischof mit der Pirminius-Plakette ausgezeichnet

Es war ein würdiger Rahmen bei der Feier im Dom: Am Katholikentag des Bistums Speyer erhielt Helma Rieser die Pirminus-Plakette für ihr jahrelanges Engagement bei der KAB. An Vorbildern hatte es in ihrer Familie nicht gemangelt.

Von Clara Werger

Helma Rieser lächelt fröhlich, als sie die Tür öffnet. „Wir trinken jetzt erst mal einen Kaffee“, sagt sie und führt in das farbenfrohe Wohnzimmer. Rieser stammt aus Berghausen, seit 60 Jahren wohnt sie in einem Haus in Speyer-Süd. Sie war gelernte Schneidergesellin und hatte in der Klostergemeinschaft in Landstuhl gearbeitet. „Wir haben alles mögliche hergestellt, Mäntel, Kostüme oder Kleider. Wir waren sechs junge Frauen, und es gab so viel Arbeit“, erzählt sie. „Am späten Abend haben die Leute ans Fenster von unserer Werkstatt geklopft, um zu fragen, wann wir endlich nach Hause gehen.“ Drei Jahre arbeitete sie als Schneiderin. „Zu dieser Zeit brachten die Leute noch die Stoffe selbst mit. Dann wurde die Konkurrenz durch die Konfektion zu groß.“

Aber wie begann eigentlich ihr ehrenamtliches Engagement bei der KAB? Rieser stammt aus einem katholischen Elternhaus, an Vorbildern hat es in ihrer Familie nicht gemangelt: „Meine Mutter hatte immer gesagt: Ein Kirchgang ist ein guter Gang. Meine Schwester war im Kirchenchor. Nach dem Krieg hatte sie bei den Bauern mit einem Handwagen Spenden eingesammelt, die dann das Kinderheim bekommen hat. Auch mein Bruder war in einer Jugendgruppe engagiert“, erzählt sie. Rieser selbst ist seit 50 Jahren in der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung aktiv. Für ihr Engagement ist ihr die Pirminus-Plakette, die höchste Auszeichnung der Diözese, im Speyerer Dom verliehen worden.

Über die Anfänge der Organisation erzählt sie: „Nach der Industrialisierung gab es eine große Not, weswegen die katholische Kirche die Soziallehre entwickelte, denn: Jeder Mensch ist mehr Wert als alles Gold der Erde.“ Die Hauptaufgaben des KAB seien, „die soziale Verantwortung für den arbeitenden Menschen mitzutragen und ihm Rüstzeug zu geben, dass er im Leben zurechtkommt“. Die Bildungsarbeit stand dabei immer an vorderster Stelle, erklärt Rieser. Das Fundament sei, das Evangelium weiterzutragen. Nach dem Motto „Sehen, Urteilen, Handeln“ bot sie in Gruppenarbeit direkte Hilfe an, „wenn jemand krank war oder Umzugshilfe brauchte. Da muss man gut zuhören können.“

Die Gruppenarbeit blieb nicht ihre einzige ehrenamtliche Arbeit. So engagierte sie sich bei GABIS, einer Zeitarbeitsfirma mit sozialen Projekten in Speyer, der „Fairen Woche“, war im Pfarreien- und Seniorenbeirat vertreten oder half bei der Organisation von Gottesdiensten. Jedes Jahr im Oktober findet der Gottesdienst zum Welttag der menschenwürdigen Arbeit statt. Für Rieser seien die Gottesdienste der KAB wichtig: „Man muss die Arbeit nach außen sichtbar machen“, das würde für „Gerechtigkeit und Frieden“ sorgen. Ihr persönlicher Wunsch ist, „dass sich die Kirche mehr öffnet“.

Sie zeigt ihre Urkunde („Die werde ich mir noch rahmen lassen“) und die untertellergroße Plakette, auf der der Klostergründer und Patron der Pfalz Pirminus abgebildet ist. „Man bekommt das ja nicht nur für sich – die anderen in der Gruppe tragen immer dazu bei.“

Die Verleihung der Pirminus-Plakette war „eine helle Freude“ für sie und ihre Familie. „Es gab einen Chor und der Bischof war da. So müsste es öfter sein“, findet sie. Gottesdienste sollten lebendig sein „und die Jugend mehr anziehen“.

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