Speyer Mit offenen Augen und Ohren

Placeholder-Image

Wenn Gitarrist Aynsley Lister nach Dudenhofen kommt, ist was los. Mittlerweile hat sich der aus Leicester stammende Blueser eine treue Fanschar erspielt, so dass der Kulturverein die Festhalle braucht, um alle Gäste aufzunehmen. Auch am Donnerstagabend sind etwa 300 Fans da gewesen, denen Lister über zwei Stunden lang kräftig eingeheizt hat.

Beim vorigen Mal hatte er mit gebrochenem Fuß gespielt. Diesmal hat sich seine komplette Besetzung den Magen verdorben. Aber einen echten Profi kann das nicht aufhalten: Mit zwölf Alben, die sich über 80.000 Mal verkauft haben, hat Lister genug Songs im Repertoire, um den Zuschauern auch ohne körperliche Kapriolen ordentlich einzuheizen. Listers Stil wird oft mit dem des frühen Eric Clapton verglichen, obwohl er viele zeitgenössische Elemente in seine energiegeladenen Kompositionen einfließen lässt. Das Songmaterial vom aktuellen Album „Eyes Wide Open“ ist melodischer ausgefallen; man könnte es beinahe „poppig“ nennen – ohne jegliche Abwertung. Die härteren, rockigen Elemente, die beim vorigen Gastspiel noch sehr deutlich zutage getreten sind, rücken in den Hintergrund; entspannte Bluesbreaks dominieren jetzt. Im Stil Listers finden sich gelegentlich Elemente der Musik von Eric Clapton, Stadionrockklänge Marke Barclay James Harvest und Anleihen an Progressive-Rock-Bands der 70er Jahre. Die Bandbreite seiner Kompositionen reicht dabei von Rocknummern bis hin zu getragenen Halb-Balladen, bei denen auch mal der Keyboarder im Solo seine Fingerfertigkeit beweisen darf. Anders als beim vorigen Mal ist der Härtegrad hörbar reduziert. Weniger Druck von der Bühne bedeutet auch immer weniger Dezibel im Zuschauerraum, so dass es diesmal keine Beschwerden über die Lautstärke gibt. Was natürlich nicht fehlen darf, ist „Purple Rain“. Im Original von Prince hat sich der Coversong zum festen Programmpunkt bei Lister entwickelt. Da ist schon bei den ersten Tönen Stimmung in der Halle, und den Chorus singt das Publikum eifrig mit. Man merkt den Musikern an, dass sie sich in Dudenhofen wohlfühlen, auch Mister Lister selbst betont, dass Dudenhofen immer „sehr gut zu uns ist“, was ihm einen Extra-Applaus einbringt, obwohl etliche Zuhörer von außerhalb angereist sind. Mit Boneto Dryden am Schlagzeug, Bassist Steve Amadeo und besonders Tastenzauberer Andrew Price hat Lister eine sehr gut eingegroovte Truppe um sich versammelt. Die Improvisationen, meistens im Klanggewand einer Hammond-Orgel, sind immer wieder einen Spontan-Applaus wert. Neben dem Star der Truppe ist Price klangprägend für die Band. Wenn er gesund bleibt, wird Lister in zwei, drei Jahren sicher wieder nach Dudenhofen kommen, verspricht der Veranstalter. Und sicher auch das Publikum.

x