Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Mit dem Rollstuhl auf Reisen: Speyererinnen berichten

Cornelia Greverus und ihr Mann am Rande der Wüste Erg Chebbi bei Merzouga.
Cornelia Greverus und ihr Mann am Rande der Wüste Erg Chebbi bei Merzouga.

Reisen mit Rollstuhl ist unmöglich? Keineswegs! Cornelia Greverus und Anna-Maria Angeli aus Speyer machen mit ihren Geschichten Mut, wie’s gelingen kann.

Cornelia Greverus liegt das Reisen im Blut. Sie war in Marokko und Thailand, in China und Israel. Oft mit ihrem Mann, oft im Wohnmobil. Schon als Kind sei begeistert unterwegs gewesen. Sie hat sich die Faszination auch von einem Unfall nicht nehmen lassen, seit dem sie stark geheingeschränkt und oft auf einen Rollstuhl angewiesen ist. „Die Welt ist nicht rollstuhlgerecht“, sagt Greverus, die sich im Vorstand der Interessengemeinschaft Behinderter und ihrer Freunde Speyer (IBF) engagiert.

Aber sie weiß auch: „Es wird immer besser.“ Und überall gebe es Menschen, die helfen. Die Menschen in Marokko seien zum Beispiel wahnsinnig hilfsbereit gewesen. In China werde trotz „wahnsinnigem Gewusel“ große Rücksicht auf Menschen im Rollstuhl genommen. Und auch Reiseleiter hätten sich gut um sie gekümmert: Als es einmal darum ging, viele Stufen zu einer Sehenswürdigkeit zu erklimmen, hätten freundliche Menschen ihr nach oben geholfen – und der Reiseleiter habe den Rollstuhl hinterhergetragen. Italien sei als Reiseland für Menschen mit Behinderung sehr gut geeignet, sogar im römischen Kolosseum gebe es einen Aufzug. Frankreich dagegen habe in dieser Hinsicht noch Nachholbedarf. Ihre Botschaft: Reisen mit Rollstuhl ist möglich. Es gebe Reiseanbieter, die sich darauf spezialisiert hätten. „Ich möchte jedem Mut machen“, sagt Greverus.

Genau wie Anna-Maria Angeli, ebenfalls Teil des IBF-Vorstands. Sie ist auch auf einen Rollstuhl angewiesen und hat im Oktober samt Begleitung eine Zugreise an die Ostsee nach Eckernförde unternommen – samt Zwischenstopps in Hannover und Hamburg. Sie hat dabei nur gute Erfahrungen mit der Deutschen Bahn gemacht, wie die 82-Jährige betont. Ihr Rat: „Gute Planung, dann ist eigentlich alles möglich“, sagt sie. Statt einem Koffer – schwierig zu transportieren mit Rollstuhl – leiste ein Rucksack mit mehreren Fächern gute Dienste. Mindestens drei Tage vorher sollten sich mobilitätseingeschränkte Reisende Zeit nehmen. Außerdem habe sie schon rechtzeitig vorher das einzige behindertengerechte Hotelzimmer am Strand der Ostsee-Hafenstadt gebucht. Bei Zugfahrten sei die Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) ein wichtiger Anlaufpunkt, so Angeli. Dort angemeldet, habe sie am Informationspunkt des Mannheimer Hauptbahnhofs – dem Start ihrer Reise – auf einer Liste gestanden und sei von einem freundlichen Bahn-Mitarbeiter empfangen worden. Am Bahnsteig habe dann schon ein Wagen gewartet, der ihr den Einstieg per Rampe in den ICE ermöglicht habe. Die Metallkonstruktion sei automatisch ausgefahren, mit entsprechender Steuerung habe die Sache entspannt funktioniert. „Der Waggon 9 der ICEs ist optimal für Rollstuhlfahrer ausgerichtet“, lobt Angeli. Unter anderem die hochklappbaren Tische zum „Einparken“ des Rollstuhls seien spitze. Und auch als die Technik mal nicht funktionierte, gab’s eine Lösung: Beim Umstieg in Hamburg sei der Aufzug defekt gewesen, die Bahnangestellten hätten sie dann jedoch durch einen früheren Posttunnel zu ihrem Gleis gebracht. „Das war für mich auch mal eine besondere Erfahrung“, erzählt sie.

Genau wie das Wiedersehen mit ihrer einstigen Nachbarschaftshelferin, die inzwischen nahe Hamburg lebte, in der Hansestadt. „Ich war fremd in Speyer, sie hat mir damals geholfen.“ Gemeinsam seien sie noch ein Stück per Regionalzug zusammen weitergefahren. Auch mit dessen Ausstattung ist Angeli zufrieden: Rampen seien automatisch ausgefahren und der Platz für Rollstuhlfahrer sei mit Lautsprechern, Notruftaste oder einer Steckdose zum Aufladen der Batterie ihres E-Rollstuhls ausgestattet. Im Zug lernten sie und ihre Begleitung ein Ehepaar kennen, das beim Ausstieg geholfen habe und sie zu ihrem Hotel begleitete. Sie hätten sich gut mit den neuen Bekannten verstanden und sie tags drauf erneut zum Essen getroffen. Offen zu sein helfe beim Reisen enorm, sagt Angeli. Natürlich könnten auch ungeplante Herausforderungen warten: Bei einer anderen Reise in die Schweiz sei beim Einstieg in einen Zug am von der DB betriebenen Badischen Bahnhof Basel der Motor ihres Rollstuhls beschädigt worden. Da gelte es, Ruhe zu bewahren: Sie sei dann zum Hauptbahnhof gefahren, dort habe man ihr geholfen. „Nur Mut“, sagt Anna-Maria Angeli. Die nächste Reise steht schon an: Es geht nach Wien.

Beim Einstieg in den ICE: Anna-Marie Angeli.
Beim Einstieg in den ICE: Anna-Marie Angeli.
x