Speyer Mit dem Atem der Rockgeschichte

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Seit Jahren sucht Deutschland den Superstar. Offenbar wurde nie einer gefunden. Das könnte daran liegen, dass man noch nie in Dudenhofen gesucht hat, obwohl dort mehrmals im Jahr welche auf der Bühne stehen. Am Donnerstagabend in der Festhalle war’s zum Beispiel Chris Farlowe.

Mit über 70 Jahren, zwei Hartplastikhüften und – wie er selbst sagte – Prostataproblemen verkörpert der Londoner eher den gereiften Typus des Sangeswunders. Dafür kann er auf eine fünf Jahrzehnte umspannende Karriere zurückblicken. Sein Hauptbetätigungsfeld ist die Jazz-Rockgruppe Colosseum, und derzeit ist er mit der Clem Clempson Band auf Tour. Clempson steht ebenfalls für Rockgeschichte pur: Als langjähriger Gitarrist der Formation Humble Pie hat er wohl mehr Platten verkauft als sämtliche TV-Superstars zusammen. Mit dabei in Dudenhofen waren als Keyboarder der in Deutschland beheimatete Brite Adrian Askew (früher bei der Krautrockband Atlantis), Schlagzeuger Eddie Fillip (Andy Scott’s Sweet und andere) und Bassist Reggie Worthy (früher bei Tina Turner). Den Anfang machte die Clem Clempson Band erst einmal ohne Altmeister Farlowe, dafür mit dem Klassiker „I Don’t Need No Doctor“ von Ray Charles in einer deutlich bluesigeren Variante als in der Version von Humble Pie. Das Stück hat es auch auf die aktuelle CD „In The Public Interest“ geschafft, die im vergangenen Jahr erschienen ist. Unter tosendem Applaus kam Chris Farlowe auf die Bühne, von Clempson mit typisch britischem Humor angekündigt als Sänger, den er mal in der Londoner U-Bahn als Straßenmusiker aufgegabelt habe. Große Unterhaltung, genau wie Farlowes Stimme. Von gefühligem Pop über rauchigen Blues bis zu Jazz-Koloraturen kann er alles. Wie gut er ist, war besonders im Kontrast zum als Sänger wahrlich nicht untalentierten Clempson zu merken. Dessen Hauptinstrumente sind jedoch die Gitarre und sein ausgefeiltes, aber nie selbstverliebtes Solospiel. In Anspielung auf „Slowhand“ Eric Clapton hat Clempson sich mit seinem temperamentvollen Stil den Spitznamen „Glowhand“ verdient. Der Kulturverein Dudenhofen tat gut daran, dieses Konzert in der Festhalle zu planen, denn für das Bürgerhaus wäre der Ansturm viel zu groß gewesen. Echte Stars verlieren nicht an Popularität.

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