Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Ministerpräsident kommt nach Speyer zur Weiterbildung

Politischer Besuch in der Change Akademie (von links): Alexander Schweitzer, Jennifer Reckow, Marina Friedrich und Jürgen Vogel.
Politischer Besuch in der Change Akademie (von links): Alexander Schweitzer, Jennifer Reckow, Marina Friedrich und Jürgen Vogel.

„Change ist meine Leidenschaft“, sagt Jennifer Reckow. Die Beraterin wirkt seit 2002 mit ihrer Processline GmbH in Speyer. Ihre zweite Firma wurde nun als Vorbild präsentiert.

Der Ministerpräsident nickte eifrig. „Es geht nur über ein gutes Netzwerk“, berichtete Firmenchefin Jennifer Reckow, als Alexander Schweitzer (SPD) zu Gast in ihrer Change Akademie in der Wormser Landstraße war. Das von ihr 2020 gegründete Unternehmen ergänzt die schon länger etablierte Processline GmbH am gleichen Standort: Zur Beratungsgesellschaft für Unternehmensentwicklung kam eine Weiterbildungsgesellschaft für Change Management. Für Schweitzer war sie eine Station innerhalb des rheinland-pfälzischen „Monats der Weiterbildung“. Reckow verdichtete mit dem Besuch ihr Netzwerk.

Reckow und ihre für die Organisation verantwortliche Mitarbeiterin Marina Friedrich steuern in der Akademie ein achtköpfiges Team. Sie sehen dessen Kurse als „Anlaufstelle für die Neugierigen“, die an der Veränderung von Unternehmen arbeiten. Anlässe dafür gibt es genug. Derzeit seien die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) ein riesiges Thema. „Sie hat Einfluss auf jeden Prozess im Unternehmen“, betonte die Geschäftsführerin. Fast immer gehe es um Effizienzsteigerung. Deshalb müssten Multiplikatoren und Führungskräfte entsprechend qualifiziert sein.

Ziel: Mitarbeiter überzeugen

Genau da setzt die Change Akademie an. Herzstück ihres Angebots ist die Weiterbildung zum „Systemischen Organisationsentwickler“, seit 2023 mit Zertifikat der Industrie- und Handelskammer Pfalz (IHK). Ein Kurs umfasst neun dreitägige Module innerhalb von zwölf Monaten. Aufgenommen werden nur jeweils fünf bis zehn Teilnehmer. „Sie üben mit Praxisbezug und bekommen Supervision von außen“, so der Ansatz. „Wir glauben nicht, dass ein Youtube-Video oder eine dreistündige Sitzung dafür reicht“, sagte Reckow. Um Mitarbeiter von Veränderungsprozessen zu überzeugen, müsse das Narrativ stimmen: „Jeder Change sollte eine gute Story haben.“

Sie habe die Change Akademie gegründet, weil der Inhaber eines Wiesbadener Vorgängerunternehmens, bei dem auch das Processline-Personal ausgebildet wurde, altersbedingt aufhörte, berichtete Reckow. Sie übernahm und arbeitet bis heute mit dem Ideengeber zusammen. „Diese Weiterbildung darf nicht aussterben“, betonte sie. Sie sehe in Deutschland nur vier, fünf Unternehmen, die ähnliche Angebote machen. Dabei müssten die Leistungen stimmen und der Kundenkreis gepflegt werden, wie es Reckow auch als IHK-Vizepräsidentin sowie ehrenamtlich in Verbänden und Initiativen tut. Sie berichtete von einer schwierigen Marktlage: Viele private Weiterbildungsanbieter hätten derzeit Existenzprobleme. „Nicht mal 20 Prozent geht es wirklich gut.“

Taktik: Chancen betonen

Zuspruch gab es von Jürgen Vogel, Hauptgeschäftsführer der IHK Pfalz („Weiterbildung ist ein zentraler Wettbewerbsfaktor für unsere regionale Wirtschaft“), und vom Ministerpräsidenten, bei dem Reckow um vereinfachte Fördermöglichkeiten für Weiterbildung warb. Schweitzer bezeichnete Personen, die sich mit Veränderungsprozessen innerhalb von Unternehmen beschäftigen, als „wichtige Komponente“. Mit den Speyerer Experten stieg er dann noch in eine Debatte über das als unerlässlich erachtete „lebenslange Lernen“ ein: Die Bezeichnung werde von vielen kritisch gesehen, weil sie an „lebenslänglich“ erinnere. Vor allem brauche es eine gute Story – „einen Begriff, der die Chancen stärker betont“.

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