Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Mike Perkins im Historischen Museum

Mike Perkins (rechts) und sein Fan Johannes Vollmar.
Mike Perkins (rechts) und sein Fan Johannes Vollmar.

Aus dem Nähkästchen über das Leben als Comic-Zeichner plaudern – Mike Perkins war am Mittwoch zu Besuch im Historischen Museum.

Aus dem Nähkästchen über das Leben als Comic-Zeichner plaudern – Mike Perkins war am Mittwoch zu Besuch im Historischen Museum und gab vielfältige Einblicke in die neunte Kunstform.

„Captain Pride“, „Sailor Moon“, „Spiderman“, „Captain America“, „Dragonball“ – die Ausstellung im Historischen Museum weist schon darauf hin, dass das Medium Comic/Manga einiges zu bieten hat und an Themen und Ausgestaltung extrem vielfältig ist. Eigentlich ist es sogar die neunte Kunstform, auch wenn „es in der Anerkennung noch Raum zum Wachsen gibt“, wie der britische Comic-Zeichner Mike Perkins feststellt. Seines Zeichens unter anderem Mitgestalter von „Captain America“ oder Stephen Kings „The Stand“ kann er auf eine lange Karriere als Comiczeichner zurückblicken mit dem Glück, nicht etwas anderes machen zu müssen.

„Ich war zwei bis drei Jahre alt, als ich angefangen habe“, erinnert sich Perkins. „Das Zeichnen liebte ich immer – ich sah die Bilder und sie sprachen zu mir. Da wollte ich das auch tun.“ Seitdem liest und zeichnet er Comics. Im Alter von sechs wollte er Superheld werden, aber da das nicht ging, „hatte ich keine andere Option als zu zeichnen.“ Später studierte er Kunst und zeigte eine Begabung fürs Business, „was sehr wichtig für mich war. Es gibt viele Leute, die zeichnen können, aber nicht so viele, die eine Deadline einhalten oder täglich zeichnen.“ Mithilfe dieses Talents und einem Agenten in London kam seine Karriere ins Rollen. Anfangs habe er „sehr cartoonig“ gezeichnet, später ging es eher in die düstere, tiefgründigere Richtung.

Mike Perkins im Museum.
Mike Perkins im Museum.

Die anhaltende Faszination für Superheldinnen und -helden erklärt er durch den Glauben an das Gute im Menschen und dass diese Heldinnen und Helden für das Gute arbeiten. Aus schwierigen Zeiten einfach mal abtauchen in eine andere Welt und aus diesem Abtauchen Motivation gewinnen, aus der eigenen Situation das Beste zu machen, nennt Perkins als weiteren Grund. „Diese Comics verbreiten eine gute Message.“ Außerdem sind Comics insgesamt kritisch und ein Spiegel der Zeit: „Das sieht man der Figur Lois Lane, die Journalistin ist und sich mit den fake news in Amerika auseinandersetzt. Sie ist sehr politisch.“

Aber auch in der Realität kann Kritik für kritische Zeichnerinnen und Zeichner in Amerika gefährlich werden. „Sie denken, dass sie Dinge nicht sagen können und vorsichtig sein müssen auf Social Media.“ Er als Brite sei davon noch nicht so betroffen. Dafür freut er sich, dass sich das Medium weiterentwickelt. „Viele Frauen zeichnen Comics. Das ist ein großartiger Schritt, dass das passiert. Es gibt wunderbare Zeichnerinnen.“ Manga seien hier die Türöffner für Frauen gewesen. In der Ausstellung ist zum Beispiel der Manga „Sailor Moon“ zu sehen, der Superheldinnen thematisiert und auf der griechischen Mythologie und der uralten Tradition der Verbundenheit von Weiblichkeit und Mond fußt. Manga und amerikanische Comics beeinflussen sich seit jeher gegenseitig.

Mike Perkins beim Signieren.
Mike Perkins beim Signieren.

Im Gegensatz zu den 80ern, in denen problematischerweise Gewalt und Kämpfe im Vordergrund standen, gebe es jetzt mehr Independent Comics und Comics mit Beziehungsthemen. „Das ist ein Einfluss der britischen Zeichner.“ Mittlerweile hat auch die queere Community ihre eigenen Superhelden-Comics wie „Captain Pride“. Die „X-Men“ stehen ebenfalls für Diversity und deren Anerkennung. Die frankobelgischen Comics und die anderen Comicarten beeinflussen sich auch gegenseitig, haben aber „verschiedene Rhythmen“. In andere Genres treten Comics ebenfalls über, zum Beispiel als Theaterstücke, in der Oper oder als Videospiele, inklusive Merchandise.

Perkins denkt noch lange nicht ans Aufhören. Und das, obwohl der Alltag eines Comic-Zeichners nicht gerade gechillt ist. Um sechs Uhr steht er auf, bringt die Tochter in die Schule, dreht eine Runde mit dem Hund und setzt sich dann um neun Uhr ans Storyboard. „Da sitze ich wegen der Deadlines bis acht Uhr abends.“ Und als kreativer Geist steht der Kopf sowieso nicht still. „Ich denke „Nur noch fünf Minuten„ und dann ist es zwei Stunden später.“ Zeitmanagement und regelmäßige Pausen seien wichtig, „sonst ist man übermüdet.“ Weitere kreative Projekte sind gerade beendet wie Batmans „Silent Night“ oder in der Mache wie „ein anderer Black Tower“ und ein übernatürlicher Spionage-Thriller.

Fan Johannes Vollmar ist für die Superhelden-Ausstellung und sein Idol von Frankfurt nach Speyer gereist, um seinen Comic signieren zu lassen – und um sich eine extra für ihn von Perkins angefertigte Zeichnung zu gönnen. Die entsteht in beeindruckender Geschwindigkeit. „Das war eine gute Fügung und ist für mich ein absolutes Highlight“, freut sich Vollmar über das Treffen.

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