Speyer Menschen aus aller Welt treffen sich im Pfarrheim
„Café International“: Der Name für die bunt gemischte Zusammenkunft am Donnerstag im Pfarrheim der Berghausener Gemeinde St. Pankratius hat gepasst. Asylbewerber, weißrussische Kinder mit ihren Betreuern und Einheimische haben gemeinsam gesungen, gefeiert und gegessen.
Es ist der dritte Donnerstag im Monat, also der Tag für das Café, das der Arbeitskreis Asyl regelmäßig öffnet. Heute ist alles etwas anders. Seit zwei Wochen wohnen 34 Kinder aus Weißrussland im Pfarrheim, denen der Tschernobyl-Kreis in diesem Jahr zum 25. Mal Ferien in Römerberg bietet. „Wir wollten das Café trotzdem nicht ausfallen lassen“, sagt Beigeordnete Käthe Maier. „Deshalb haben wir die Asylbewerber und die Kinder eingeladen.“ Das Experiment scheint zu gelingen. An den langen Tischen, die auf der Wiese vor dem Pfarrsaal aufgebaut sind, sitzen Menschen unterschiedlicher Herkunft, verständigen sich mit Worten, Händen und Füßen, lachen. „Angelika hat Deinen Namen“, sagt Michael aus Eritrea zu einer Frau. Und wirklich: Angelika Beisel findet unter ihren gedruckten selbst klebenden Namensschildern auch „Marija“. Die Serbin heftet sich ihren Zettel ans Kleid und stattet nach und nach die ganze Familie namentlich aus. Maier und ihre fleißigen Helfer richten das Buffet, das Berghausener Frauen und Flüchtlingsfrauen bestückt haben. Die weißrussischen Kinder betrachten das Angebot ausgiebig, bevor sie sich in die Warteschlange einreihen. Draußen steht Wolfgang Krauth am Räucherofen, vor ihm ein knallrotes Sparschwein. „Spenden für den Räucherfisch werden gerne angenommen“, sagt er. Er will Geld für die geplante Einkaufstour mit den „Tschernobyl“-Kindern am Montag zum Speyerer Kaufhof sammeln, wo die Mitarbeiter auch Geschenktüten für die Kinder vorbereitet haben. „Alle wünschen sich Nutella“, erzählt Lenka Utz – Gastmutter von Viktoria (12) und Hanna (10) – von der Lieblingsspeise der Kinder. Zum ersten Mal hätten sie und Ehemann Bernhard Kinder aufgenommen, sagt sie. Vor einem Jahr ist Lenka von der Tschechischen Republik nach Römerberg gezogen. „Ich spreche etwas russisch.“ Im Chor singen die Kinder russische Volkslieder zur Harmonika, die ihr Betreuer umgehängt hat. Lenka, ein paar Römerberger und Bataeva singen mit. „Ich kenne das“, sagt die Siebenjährige strahlend, die mit Mutter Sida, Schwester Elina und Bruder Mohammed aus Tschetschenien gekommen ist. Beim Klang der vertrauten Musik steigen Sida Tränen in die Augen. Gunda Lindler, die mit Ehemann Michael zum dritten Mal Kinder aus Weißrussland zu Besuch hat, sagt: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Kinder am Mittwoch wieder weg sind.“ Täglich ab sieben Uhr sei sie eine der vielen Ersatzmütter im Pfarrheim. Im Saal erzählt Matthias Hoffmann Boushra aus Syrien Fluchtgeschichten seiner Eltern und Großeltern. Sie habe Glück gehabt, berichtet die junge Syrerin von ihrer legalen Einreise nach Deutschland im Rahmen der Familienzusammenführung. „Känguruviertel“ hätten die Einheimischen die Ortsteile genannt, in denen nach 1945 Flüchtlinge aus den Ostgebieten in Römerberg gewohnt hätten: „Große Sprünge und nichts im Beutel“, erklärt er den Begriff, den am Tisch niemand kennt. „Inzwischen sind die damaligen Flüchtlinge längst integriert“, beruhigt Guido Maier die Asylbewerber. „Mit euch wird es irgendwann genau so sein.“ (kya)