Dudenhofen / Speyer
Meinung: Das tote Wildschwein und der Amtsschimmel
Bürgerfreundlichkeit haben sich mittlerweile viele Verwaltungen auf die Fahnen geschrieben. Besonders vor Wahlen wird oft versprochen, im Umgang mit den Bürgern weniger bürokratisch zu agieren und diese als Kunden statt als lästige Bittsteller zu begreifen. Manchmal klappt das. Manchmal werden aber auch alte Vorurteile über den Amtsschimmel bestätigt, wie Karl Heinrich Münzer aus Dudenhofen dieser Tage feststellen musste: Via Mängelmelder informierte er die Speyerer Stadtverwaltung über ein totes Wildschwein an der Gemarkungsgrenze zwischen der Domstadt und Dudenhofen. „Relativ frisch angefressen“ und blutig sei dieses. „Der Kadaver stinkt fürchterlich“, beschrieb er die Situation. Kinder spielten oft in dem Bereich und hätten das Wildschwein auch entdeckt. Möglicherweise bestehe sogar Seuchengefahr angesichts der Schweinepest-Fälle in jüngerer Vergangenheit, befürchtete Münzer.
Die Antwort aus dem Speyerer Ordnungsamt fiel so aus, wie eine verantwortungsbewusste und bürgerfreundliche Verwaltung es eben nicht machen sollte: „Der Kadaver befindet sich nicht auf Speyerer, sondern auf Dudenhofener Gemarkung; bitte wenden Sie sich daher an die Gemeindeverwaltung Römerberg-Dudenhofen“, hieß es darin. Aus Datenschutzgründen könne man die Eingabe auch nicht dorthin weiterleiten. Bei dem besorgten Dudenhofener Bürger stieß diese Rückmeldung auf wenig Verständnis: „Eine Behörde verweist an eine andere, unter dem Deckmantel des Datenschutzes. Das verstehe wer will“, ärgert er sich. Berechtigterweise: Weil ein Problem ein paar Meter hinter der Gemarkungsgrenze besteht, will man sich nicht darum kümmern. Und warum die Speyerer ihre Kollegen in Dudenhofen nicht ohne Nennung von Münzers Namen auf das Problem aufmerksam machen können, ist nicht ersichtlich. Hoffentlich war dieser Rückfall in Zeiten bürgerunfreundlicher Bürokratie ein Einzelfall.
Ein Lob gibt es aber auch zu Verteilen: nämlich an den Dudenhofener Ortsbürgermeister Jürgen Hook und seine Mitarbeiter vor Ort. Nachdem der Ortschef nämlich von dem Wildschweinkadaver erfahren hatte, habe er sich direkt darum gekümmert und veranlasst, dass dieser schnell beseitigt wurde, berichtet Münzer.