Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel „Mehr Verkehrsberuhigungen in und um Speyer“

An der Spitze dabei: Stadtradelstars Lutz Pörner (ganz links, rotes Hemd) und Alexander Walch (Zweiter von links) sowie OB Stefa
An der Spitze dabei: Stadtradelstars Lutz Pörner (ganz links, rotes Hemd) und Alexander Walch (Zweiter von links) sowie OB Stefanie Seiler (Zweite von rechts).

Meinung am Montag: Seine Leidenschaft für das Fahrrad hat Lutz Pörner zum lokalen Star gemacht. Der Stadtradel-Star war am Samstag an der Eröffnung der ersten Speyerer Fahrradstraße beteiligt. Ellen Korelus-Bruder hat den 52-Jährigen am Rand der Veranstaltung gefragt, was er mit dem Titel verbindet und wie er sich die Fahrradstadt Speyer vorstellt.

Herr Pörner, wie fühlt man sich als Stadtradelstar?
Ich fühle mich gar nicht als Star. Eher als Umwelthelfer.

Wie wichtig ist das Fahrrad für Sie?
Auf jeden Fall wichtiger als das Auto. Mit meinem Auto lege ich jährlich etwa 8000 Kilometer zurück. Auf dem Rennrad sind es im gleichen Zeitraum zwischen 10.000 und 13.000 Kilometer.

Was wollen Sie beim Stadtradeln 2019 erreichen?
Ich will so viele Kilometer wie möglich für die Stadt einfahren. Mein Ziel sind mindestens 50 Kilometer pro Tag. Den Weg zum Arbeitsplatz BASF eingerechnet wird das sicher kein Problem. Zusätzlich werde ich zu ein paar attraktiven Zielen der Pfalz aufbrechen. Nachher geht es nach Wörth.

Fahrradstadt Speyer: Stimmt das?
Mit der Fahrradstraße und dem Leihsystem geht es in die richtige Richtung. Für den Rest muss noch viel in den Köpfen passieren.

Was muss sich dafür noch ändern?
Ich würde mir mehr Verkehrsberuhigungen in und um Speyer herum wünschen. In Paris und London funktioniert das schließlich schon.

Wo sind neuralgische Punkte?
Dort, wo es keine Fahrradwege gibt, wird der Sicherheitsabstand kaum eingehalten. Das ist gefährlich. Rote Fahrrad-Markierungen wie am Friedhof und auf der Bahnhofstraße sollten auch auf Bestandstraßen angebracht werden.

Wo lässt es sich denn überhaupt gut radeln für Frauen, Männer und Kinder in Speyer?
Eigentlich nur auf den Fluren, also den Rheindamm entlang Richtung Römerberg oder Richtung Otterstadt. Beide Strecken sind traumhaft.

Sind Fahrradstraßen die Lösung?
Ich denke schon. Ich würde sie bestimmt nutzen. Konstanz hat sie schon eingeführt. Es funktioniert wunderbar!

An wen geben Sie Ihre Fahrrad-Leidenschaft weiter?
Natürlich zu allererst an meine Töchter. Sie sind beide bei „Fridays for Future“ aktiv. Ich bin sicher, dass Vorbild zu sein mehr bewirkt als der erhobene Zeigefinger. Den einen oder anderen Arbeitskollegen konnte ich inzwischen überzeugen, auf das Fahrrad umzusteigen. Darüber freue ich mich.

Wann würden Sie den Drahtesel endgültig an den Nagel hängen?
Ich wünsche mir, dass der Zeitpunkt sehr, sehr weit hinter meinem Renteneintritt liegt.

Schwören Sie aufs E-Bike oder auf Muskelkraft?
Ich setze für mich auf Muskelkraft. Aber wenn Menschen mit dem E-Bike wieder in Bewegung kommen oder sich ihre Mobilität erhalten, ist das völlig in Ordnung.

Wie stellen Sie sich die Fahrradstadt Speyer vor?
Mehr Räder, mehr Fahrradstraßen und -wege, weniger Autos. Dann ist bessere Luft in unserer Stadt garantiert.

Wann ist es soweit?
Ich hoffe bald.

Zur Person

Lutz Pörner ist verheiratet und Vater von zwei Kindern (13 und 18). Er arbeitet als Chemikant bei der Ludwigshafener BASF. Vor 32 Jahren ist Pörner von seiner sächsischen Geburtsstadt Löbau in seine Wahlheimat Speyer gezogen.

Zur Sache: Erste Fahrradstraße eröffnet

344 Speyerer in 51 Teams nehmen am siebten Stadtradeln teil. Das hat Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) am Samstag bei der Auftaktaktion in der Vincentiusstraße berichtet. Gleichzeitig hat sie gemeinsam mit den diesjährigen Stadtradelstars Alexander Walch und Lutz Pörner die erste Fahrradstraße der Stadt offiziell freigegeben.

Es gelte, den Stadtradel-Kilometer-Rekord von 2015 zu brechen, spornte Seiler die zahlreich erschienenen Stadtradler an. Vor vier Jahren haben 586 Teilnehmer demnach 105.006 Kilometer mit Muskelkraft oder elektrisch unterstützt geschafft. Zehn Mitglieder des Stadtrats seien diesmal dabei, sagte die OB, die selbst mit dem Fahrrad gekommen war. Ziel der Aktion sei, den Radverkehr zu fördern, das Klima zu schützen und gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer in den Vordergrund zu rücken, betonte Seiler. „Außerdem schont Radeln den Geldbeutel und ist gut für die Gesundheit.“

Drei Wochen lang können die Teilnehmer dafür in die Pedale treten, erklärte Fabienne Körner, städtische Klimaschutzmanagerin, die Regularien. Bis Mittwoch, 18. September, könnten die erradelten Kilometer eingetragen werden. „Die Abschlussveranstaltung am Freitag, 20. September, wird mit der Fahrradfundversteigerung des Bürgerbüros verbunden“, kündigte Körner an. „Ich eröffne heute die erste, aber nicht die letzte Speyerer Fahrradstraße“, erklärte Seiler, bevor sie das Band durchschnitt. Von diesem Standort erhoffte sich die OB Symbolkraft. „Mütter und Väter sollten Schülern weiterführender Schulen zutrauen, den Schulweg ohne Elterntaxi zu bewältigen“, sagte Seiler.

Die zweite Speyerer Fahrradstraße soll demnach bereits im Januar oder Februar eröffnet werden. Kandidaten seien Mühlturmstraße und Mausbergweg. Gespräche mit Anwohnern liefen noch, sagte die OB.

Kontakt:

Fabienne Körner, Telefon 06232 142596, E-Mail: speyer@stadtradeln.de.

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